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Finanzplatz Frankfurt : Deutsche Börse bleibt bis 2038 in Eschborn

Eher Quader statt Kubus : Börsenzentrale in Eschborn. Bild: euroluftbild.de/Robert Grahn

Vor neun Jahren verließ die Deutsche Börse ihren Gründungsort Frankfurt und zog nach Eschborn. Eine mögliche Rückkehr ist vom Tisch – und das nicht nur wegen der Steuer.

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          Der Neue hatte Hoffnungen geschürt. Theodor Weimer schien sich abzuheben von seinen Vorgängern im Chefsessel der Deutschen Börse: Er zeigte sich in Frankfurt, mehrfach, und als er im Herbst postulierte, dass die Börse „ Teil der Frankfurter Identität“ sei, da glaubte so mancher an eine Rückkehr des Dax-Unternehmens an den Stammsitz.

          Falk Heunemann
          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Doch daraus wird nichts: Der Konzern habe den Mietvertrag bis 31. Dezember 2038 verlängert, bestätigte gestern ein Sprecher des Unternehmens. Das sei sogar schon „vor einiger Zeit geschehen“. Der ursprüngliche Mietvertrag lief bis 2025. Rund 2500 Mitarbeiter hat die Deutsche Börse mittlerweile in Eschborn, das ist mehr als ein Drittel der weltweiten Konzernbelegschaft. Zu den Gründen für diese Standortentscheidung oder auch den Konditionen machte der Sprecher keine Angaben.

          Die Gründe dürften allerdings die gleichen sein wie vor elf Jahren, als der Konzern beschlossen hatte, den erst wenige alten Neubau in Frankfurt-Hausen aufzugeben und sich jenseits der Stadtgrenzen anzusiedeln. Auf 17 Millionen Euro bezifferte damals Weimers Vorvorgänger Reto Francioni die jährliche Steuerersparnis. Damit seien die Umzugskosten nach einem Jahr amortisiert gewesen.

          Wenig Grund zum Umzug

          Zwar hat die Stadt Eschborn seitdem den Hebesatz der Gewerbesteuer deutlich angehoben, von 280 auf 330 Prozent des Steuermessbetrages, der sich am Gewinn orientiert. Das ist aber immer noch deutlich weniger als in Frankfurt, wo der Hebesatz seit zwölf Jahren unverändert 460 Prozent beträgt.

          Die Börse hat sich eingerichtet in Eschborn und sieht offenbar wenig Grund, den Standort in Randlage zu verlassen und an den juristischen Sitz Frankfurt zurückzukehren. In Eschborn hatte man sich damals extra eine neue Konzernzentrale errichten lassen, ein 23Stockwerke hohes Glasgebäude namens „The Cube“, dessen Bau mehr als 200 Millionen Euro gekostet haben soll und dessen Lobby aus einem 80 Meter hohem Atrium besteht. Der Projektentwickler Groß & Partner bewarb das Hochhaus damals als eins der „energieeffizientesten und ressourcenschonendsten“ Gebäude in Deutschland. Es gehört der Signa Holding des österreichischen Investors René Benko, der zuletzt als Käufer von Karstadt und Galeria Kaufhof öffentlich von sich reden gemacht hat. Signa schwärmt über „The Cube“: „Ein Top-Gebäude, eine erstklassige Mieterin und nachhaltiger Cashflow“.

          Zudem stellt sich die Frage, wohin die Börse überhaupt ziehen könnte, selbst wenn sie nach Frankfurt zurückwollte. Das Erdgeschoss des Römers oder bei gutem Wetter auch davor, wo sich von 1585 an die Börsenhändler in Frankfurt trafen, dürfte kaum eine Option für die nun 2500 Mitarbeiter und ihre Computertechnik mit Netzverkabelung sein.

          Teurer Umbau

          Auch in der Börse in der Innenstadt, dem Nachfolgebau der längst zerstörten Alten Börse neben der Paulskirche, ist für den Konzern kein Platz. Das Gebäude aus dem Jahr 1879 steht zwar passenderweise am Börsenplatz mit der Bulle-und-Bär-Skulptur, zudem ist dort immer noch der Handelssaal, der heute hauptsächlich als Kulisse für Fernsehberichte dient – seit 2011 werden Wertpapiere nur noch elektronisch gehandelt. Aber das Haus ist von der Eigentümerin belegt, der Industrie- und Handelskammer Frankfurt.

          Und es war schon vor der Jahrtausendwende dem damals schnell wachsenden Konzern zu klein geworden, weshalb er sich im Stadtteil Hausen einen schicken Bürokomplex hatte errichten lassen und ihn „Neue Börse“ taufte. Die Maßanfertigung, die das Unternehmen nach nur zehn Jahren Nutzung aufgab, weil Eschborn lockte, wäre mit rund 50.000 Quadratmetern zwar groß genug und modern ausgestattet. Aber dort hat sich die Commerzbank eingerichtet und nennt den Komplex seitdem „Lateral Towers“. Und auch sonst ist ausgesprochen wenig Platz auf dem Frankfurter Gewerbemarkt, die Leerstandsquote ist mit acht Prozent auf einem Rekordtief, die Quadratmeterpreise sind auf Rekordhochs.

          Im Gebäude am Börsenplatz will der Konzern nun den Handelssaal mit der telegenen Dax-Kurstafel bis nächstes Jahr für 18,5 Millionen Euro umbauen, er erhält ein größeres Besucherzentrum und ein Kongresszentrum. Zumindest diesem Stück Frankfurt bleibt die Deutsche Börse also immerhin treu: Der Mietvertrag mit der IHK Frankfurt läuft bis 2048.

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