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Deutsche Bank : Stellenschwund im Bankenviertel

  • -Aktualisiert am

Stehen an der Doppelspitze vor neuen Entscheidungen: Anshu Jain (links) und Juergen Fitschen (rechts). Bild: Tim Wegner/laif

Die Deutsche Bank baut mehr als 500 Arbeitsplätze ab. Spekulationen um Sparpläne der Commerzbank reißen nicht ab.

          Die Folgen der Finanzkrise machen sich zunehmend auch im Frankfurter Bankenviertel bemerkbar. Sah es lange so aus, als würde der Finanzplatz ohne größeren Stellenabbau durch die Krise kommen, so mehren sich nun die Meldungen und Spekulationen, dass die schlechtere Ertragslage und die schärferen Vorschriften für die Banken auch in den Frankfurter Hochhäusern viele Arbeitsplätze gefährden.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Am Samstag bestätigte ein Sprecher der Deutschen Bank, dass in den Zentralen der Bank in Frankfurt sowie bei der Tochter Postbank in Bonn 543 Stellen wegfallen sollen. Wie sich der Stellenabbau auf die beiden Standorte aufteilt und welche Abteilungen betroffen sind, wollte er nicht erläutern. Die Einsparung steht im Zusammenhang mit der Postbank-Übernahme, in deren Folge die Bank nachgelagerte Abteilungen zusammenlegt. Einen Zeitungsbericht, der von bis zu 6000 gefährdeten Stellen sprach, dementierte der Sprecher allerdings. Auch sei der Wegfall der 543 Stellen schon länger bekannt.

          Ein solches Vorhaben gehe automatisch mit einem Stellenabbau einher

          Öffentlich hatten die beiden seit Juni amtierenden Vorstandsvorsitzenden Anshu Jain und Jürgen Fitschen bisher keine konkreten Zahlen zum Stellenabbau genannt. Es hatte nur geheißen, dass 1900 Stellen wegfallen sollen, 1500 davon im Investmentbanking und vor allem an den Standorten New York und London. Auf der Pressekonferenz zur weiteren Strategie in der vergangenen Woche, auf der die neue Doppelspitze erläuterte, wie sie künftig 4,5 Milliarden Euro im Jahr einsparen will, sagte Fitschen nur: „Es ist kein Geheimnis, dass ein solches Vorhaben mit einem Stellenabbau einhergeht.“ Genaueres werde erst bekanntgegeben, wenn die einzelnen Abteilungen konkrete Zahlen geliefert hätten und die Konzernleitung mit den Arbeitnehmervertretern gesprochen habe. Für den Herbst hat Fitschen einen „Deutschlandtag“ angekündigt, an dem er und Jain Details zur weiteren Strategie in Deutschland bekanntgeben wollen.

          In der Commerzbank warten die Beschäftigten indes mit zunehmender Nervosität auf den 8. November. An diesem Tag will der Vorstandsvorsitzende Martin Blessing über seine weiteren Strategiepläne informieren. Seit Tagen kursieren Gerüchte, mehr als 1000 Stellen könnten allein im Privatkundengeschäft wegfallen. Auf der Kapitalmarktkonferenz der Bank am Donnerstag im Frankfurter Hof sagte der Vorstandschef zu diesen Spekulationen nur: „Das kommentiere ich nicht.“ Fest steht, dass zusätzlich zu all den anderen Schwierigkeiten der Bank nun auch noch das Privatkundengeschäft schwächelt. Vier Jahre nach der Übernahme der Dresdner Bank hat die große Zahl von Filialen die in sie gesetzten Hoffnungen noch nicht erfüllt. Im Gegenteil: Im zweiten Quartal hat nur die Online-Tochter Comdirect verhindert, dass die Commerzbank mit ihren Privatkunden Verlust machte.

          Die Devise: Kosten sparen und weniger Geschäfte machen

          In vollem Gang ist der Stellenabbau schon bei der früheren Eurohypo in Eschborn. Seit Anfang August firmiert die Commerzbank-Tochter als Hypothekenbank Frankfurt und muss sich auf Geheiß der Europäischen Union nach und nach selbst abwickeln. In den nächsten Jahren fallen hier also alle 1200 Arbeitsplätze weg.

          Die Landesbank Hessen-Thüringen hat bereits im März angekündigt, bis 2015 etwa 450 ihrer 3200 Stellen zu streichen. Vorstandsvorsitzender Hans-Dieter Brenner nannte damals die schärferen Kapitalregeln für Banken als Begründung, außerdem habe die Bankenabgabe schon 2011 das Ergebnis mit 30 Millionen Euro belastet. So müsse man gleichzeitig Kosten sparen und könne weniger Geschäft machen.

          Keine Motivation ohne Jobsicherheit

          Die Zahl der Beschäftigten im deutschen Bankgewerbe sinkt schon seit Jahren. Hatte der Arbeitgeberverband Banken zu Beginn der Finanzkrise 2007 noch 389.000 nach Tarifvertrag Angestellte gezählt, so waren es 2011 lediglich 368.000. Allerdings hat der Niedergang nicht erst mit der Krise begonnen. Im Jahr 2000 waren noch 472.000 Frauen und Männer in deutschen Banken angestellt.

          Die Negativmeldungen und Spekulationen der vergangenen Monate drücken im Bankenviertel manchem aufs Gemüt. Ein leitender Mitarbeiter der Commerzbank sagte kürzlich: „Wie motiviert kann man sein, wenn man jeden Tag Angst um seinen Job haben muss?“

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