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Filialnetz ausgedünnt : Deutsche Bank spart in Hessen weniger als anderswo

Abschied: Die Deutsche Bank schließt in Frankfurt fünf Filialen, auch diese an der Berger Straße in Bornheim. Bild: Wolfgang Eilmes

Deutschlands größte Bank macht in Deutschland 188 Filialen zu, davon elf in Hessen. Auch die Rhein-Main-Region und vor allem Frankfurt sind davon betroffen.

          Auch wenn Frankfurt und Hessen die Heimat der Deutschen Bank sind: Die Hoffnung, dass die Region von den im Juni angekündigten Filialschließungen der Großbank unberührt bleiben würde, war von vornherein unrealistisch. Seit der Konzern am Sonntag eine Liste veröffentlicht hat, welche Zweigstellen ihre Türen vom nächsten Jahr an für immer zusperren sollen, ist aber auch klar: Hessen kommt mit elf Schließungen relativ gut weg, wenn man zum Beispiel nach Nordrhein-Westfalen (51 Schließungen) und Berlin (43) schaut. Allerdings ist das Geschäftsvolumen der Filialen in Hessen im Vergleich zu anderen Bundesländern auch relativ hoch.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dennoch stellt die Tatsache, dass von 14 Filialen in Frankfurt im Laufe des Jahres 2017 fünf aufgegeben werden und Kunden weitere Wege in Kauf nehmen müssen, eine Zäsur in der Präsenz des Konzerns dar. Aus den Türmen der Bank an der Taunusanlage war gestern als Begründung zu hören, dass immer weniger Menschen Bankfilialen besuchten. Deshalb hatte das Kreditinstitut in den vergangenen Monaten jede der derzeit noch 723 Filialen in Deutschland unter die Lupe genommen und auf bestimmte Kenngrößen hin untersucht. Dabei spielte die geographische Lage nur eine geringe Rolle, wichtiger hingegen waren das Geschäftsvolumen, die Kunden- und die Mitarbeiterzahl. Gegenwärtig sind in den 48Filialen des Konzerns in Hessen 531 Mitarbeiter beschäftigt.

          Deutsche Bank will „sozialverträglichen Umbau“

          Im Zuge der Einsparungen der Bank, die für 2015 einen Rekordverlust in Höhe von 6,7 Milliarden Euro vermelden musste, hatte der Konzern ursprünglich angekündigt, etliche Zweigstellen schließen zu wollen – damals war von etwa 200 die Rede gewesen. Zudem hatte die Bank mitgeteilt, dass 3000 Vollzeitstellen wegfallen würden, 2500 davon allein im Privat- und Firmenkundengeschäft.

          In der Liste der betroffenen Filialen sind jeweils auch die Zweigstellen aufgeführt, die sich künftig um die Kunden kümmern sollen. Während zum Beispiel die Filiale am Lokalbahnhof, die aufgegeben wird, und die bestehen bleibende Außenstelle am Schweizer Platz nur etwa 800 Meter auseinander liegen, ist die Zweigstelle im Main-Taunus-Zentrum, die nach ihrer Eröffnung 2011 nun wieder zumachen wird, von der die Kunden aufnehmenden Filiale in Hofheim rund zehn Kilometer entfernt.

          Eine Sprecherin der Deutschen Bank sagte, man wolle den Konzernumbau „so sozialverträglich wie möglich“ gestalten. Die Bank setze darauf, Mitarbeiter zu qualifizieren und auf freie Arbeitsplätze innerhalb des Konzerns zu vermitteln. Darüber hinaus werde das Kreditinstitut die betroffenen Mitarbeiter dabei unterstützen, außerhalb des Unternehmens einen neuen Arbeitsplatz zu finden, hieß es. Kontonummer, Iban und BIC der Kunden bleiben gleich.

          Bankaufgaben heute über Telefon oder Internet erledigt

          Die Filialschließungen der Deutschen Bank sind Teil einer Entwicklung, die sich seit Jahren vollzieht. 1995 hatte es deutschlandweit noch 67930 Bankfilialen gegeben, Ende 2015 waren es dem aktuellen Bankstellenbericht der Deutschen Bundesbank zufolge nur noch 35.045. Fachleute sagen voraus, dass sich dieser Trend fortsetzen und sich die Zahl der Filialen in den nächsten Jahren nochmals deutlich reduzieren wird. Viele klassische Aufgaben, für die Bankfilialen einst unersetzlich waren, lassen sich heute über Telefon und im Internet erledigen.

          Angaben der Deutschen Bank zufolge wickeln Kunden heute schon 90 Prozent aller Transaktionen des einfachen Zahlungsverkehrs online oder mobil ab. 43 Prozent betreten demnach nur noch einmal im Jahr überhaupt eine Filiale. 27 Prozent der Kunden gaben an, ihre Bank primär auf Grundlage von deren digitalem Angebot auszuwählen.

          Vor der Schließung

          Diese Filialen der Deutschen Bank im Rhein-Main-Gebiet werden 2017 geschlossen:

          • Main-Taunus-Zentrum, Sulzbach (aufnehmende Filiale: Hofheim)
          • Frankfurt-Niederrad, Bruchfeldstraße (Schweizer Platz)
          • Frankfurt-Rödelheim, Radilostraße (Leipziger Straße)
          • Frankfurt, Lokalbahnhof, Dreieichstraße (Schweizer Platz)
          • Frankfurt-Bornheim, Berger Straße (Konstablerwache)
          • Frankfurt, Nordwestzentrum (Eschersheimer Landstraße)
          • Darmstadt-Eberstadt, Heidelberger Landstraße (Luisenplatz)
          • Mainz-Gonsenheim, Breite Straße (Ludwigsstraße)

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