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Deutsche Bank : Machtwechsel mit vielen Unbekannten

Führungsduo, bald a.D.: Petra Roth und Josef Ackermann. Bild: Eilmes, Wolfgang

Am Donnerstag endet die Ära Ackermann in der Deutschen Bank. Die neue Doppelspitze bringt einen großen Personalwechsel mit sich. Viele Verbindungen zu Frankfurt werden gekappt.

          An Abschiedsgeschenken hat es Josef Ackermann nicht mangeln lassen. Sowohl die Stadt Frankfurt als auch Petra Roth müssen den Schweizer als großzügigen Gast in Erinnerung behalten, wenn er sich am Donnerstag nach der Hauptversammlung in der Festhalle vom Vorstandsvorsitz der Deutschen Bank verabschiedet und zurückgeht in die Schweiz.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Gleich zwei wichtige Reden hat Ackermann der Oberbürgermeisterin kurz vor deren eigenem Amtsende gegönnt. Als die wichtigste deutsche Bank im Februar im schweizerischen Davos die Spitzen der Weltwirtschaft im schicken Steigenberger-Hotel empfing, durfte die CDU-Politikerin als Gastrednerin auftreten - eine bessere Standortwerbung kann es kaum geben. Und als Ackermann im April in Bern mit dem Deutsch-Schweizerischen Kulturpreis ausgezeichnet wurde, wünschte er sich ebenfalls die Frankfurter Oberbürgermeisterin als Laudatorin.

          Größter Dax-Konzern der Stadt

          Das war noch nicht alles: Dem Städel überließ die Deutsche Bank nicht nur 600Kunstwerke als Dauerleihgabe. Zum Erweiterungsbau des Museums steuerten Ackermann und seine Frau Pirkko privat 100.000 Euro bei - zusätzlich zu der halben Million, mit der die Bank den Anbau ohnehin schon förderte.

          Die Deutsche Bank ist der größte Dax-Konzern der Stadt, für den Finanzplatz mit seinen 70.000 Mitarbeitern eine ebensolche Säule wie die Europäische Zentralbank und die Börse. Sie ist Förderer von Kultur und Sport, und wer in den Doppeltürmen an der Taunusanlage das Sagen hat - Herren wie Alfred Herrhausen, Hilmar Kopper und Rolf Breuer -, ist auch immer eine zentrale Figur der Frankfurter Wirtschaft. Mit Spannung erwarten daher viele die Ära nach Ackermann, die am Donnerstag beginnt.

          Neue Gesichter

          Es ist ein Machtwechsel mit vielen Unbekannten. Denn nicht nur der Vorstandsvorsitz wird mit Jürgen Fitschen und Anshu Jain neu besetzt, von denen zumindest der Inder bislang in Frankfurt kaum zu sehen war. Auch an vielen anderen Stellen werden in Frankfurt wohlbekannte Gesichter durch zumindest außerhalb der Bank eher unbekannte Personen ersetzt.

          Hermann-Josef Lamberti und Hugo Bänziger verlassen den Vorstand, für sie kommen der Schotte Stewart Lewis, der Österreicher Stefan Leithner und Henry Ritchotte, der die irische und die amerikanische Staatsbürgerschaft hat. Nur Leithner hat bislang in Frankfurt gearbeitet. Überdies legt Thomas Mayer das Amt des Chefvolkswirts nieder. Und ebenfalls auf der Hauptversammlung wird Clemens Börsig den Aufsichtsratsvorsitz abgeben. Der zusammen mit seiner Frau Gerhild in der Frankfurter Stadtgesellschaft verwurzelte Chefkontrolleur übergibt das Amt an einen Münchner, den früheren Finanzvorstand der Allianz, Paul Achleitner.

          Meinungen gehen auseinander

          Vor allem Lamberti wird unmittelbar an vielen Stellen eine Lücke hinterlassen. In der Region war kein anderes Führungsmitglied der Bank so präsent wie er. Im Börsenrat sowie im Aufsichtsrat der Deutschen Börse, im regionalen Standortmarketing, im Verein Frankfurt Main Finance und in dem Rechenzentrumszusammenschluss Frankfurt Cloud - überall hat der langjährige IT-Vorstand der Deutschen Bank ein Gesicht gegeben.

          Über die Folgen des Neuanfangs an der Taunusanlage gehen die Meinungen weit auseinander. Eine ewige Angst in Frankfurt ist, dass die wichtigste Bank der Stadt nach London abdriften könnte. Schon heute wird der Großteil des Investmentbankings dort und in New York betrieben. Die Berufung des bisherigen Chefs dieser Sparte, Anshu Jain, hat die Befürchtung, die Bank könnte ihre Haftung zu Frankfurt verlieren, bei manchen wiederbelebt. Schließlich hat der Inder seine Karriere in Manhattan und an der Themse gemacht und dort mehr Vertraute als am Main. Viele der Herren, die neu in den Vorstand und in die erweiterte Führungstruppe namens Group Executive Committee einziehen, kommen von dort.

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