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Deutsche Bank : Machtwechsel mit vielen Unbekannten

Verbundenheit mit dem deutschen Mittelstand

Doch es gibt auch die gegenteilige Erwartung. Bankier Friedrich von Metzler etwa hält die Befürchtung vor einem „London-drift“ der Bank für „übertrieben und falsch“ wie er vergangene Woche während der Bilanzpressekonferenz seines Bankhauses sagte. Nicht zuletzt durch den Kauf der Postbank und den damit verbundenen Aufstieg zur größten Filialbank in Deutschland habe die Deutsche Bank doch gezeigt, wie wichtig ihr der Heimatmarkt sei. Ein Banker, der in den vergangenen Monaten öfter mit Jain gesprochen hat, geht davon aus, dass der Inder sich besonders stark zum Standort Frankfurt bekennen werde, gerade weil er wisse, dass er unter spezieller Beobachtung der Öffentlichkeit und auch der Politik stehe. Den guten Draht zur Regierung des wichtigsten Landes der Euro-Gemeinschaft werde die Bank ebenfalls nicht aufs Spiel setzen wollen.

So hat Jain in der vergangenen Woche Deutschland in einem Interview als einen der wichtigsten Wachstumsmärkte bezeichnet und dabei ebenfalls auf die Postbank verwiesen. Seine erste große Rede in Frankfurt 2010 hatte er dazu genutzt, seine Verbundenheit mit dem deutschen Mittelstand hervorzuheben.

Bodenständiger, rigoroset Hanseat

In Frankfurter Mitarbeiterkreisen wird der Machtwechsel denn auch recht gelassen gesehen. Ein leitender Angestellter weist darauf hin, dass die neuen Vorstände allesamt aus dem Unternehmen kämen und daher für viele Mitarbeiter keine Unbekannten seien. Er selbst kenne sie alle persönlich. Auch Jain, seit zehn Jahren im erweiterten Vorstand, sei den Führungskräften gut bekannt.

Und dann ist da ja noch Jürgen Fitschen, der mindestens die nächsten drei Jahre Jains Co-Vorstandschef sein wird. Seit 2005 verantwortet er das Deutschlandgeschäft sowie das Management der verschiedenen Weltregionen, in denen die Bank tätig ist. Dass der bodenständige, rigorose Hanseat sowohl in der Politik als auch in der deutschen Wirtschaft gut verdrahtet ist, bezweifelt niemand. In Frankfurt und der Region ist er schon in den vergangenen Monaten immer öfter zu sehen gewesen, sei es als Gastredner auf dem European Banking Congress in der Alten Oper, vor der Industrie- und Handelskammer Offenbach oder auf der hauseigenen Konferenz Women in European Business.

Reichlich interne Machtspiele

Es wird eine Weile dauern, bis sich die Macht unter den vielen neuen Spitzenkräften in den Doppeltürmen ausgewogen verteilt hat. Wie funktioniert die Doppelspitze, wie das Verhältnis zum neuen Aufsichtsratschef, wer wird das Frankfurter Gesicht der Bank?

Auch in der Ära Ackermann gab es reichlich interne Machtspiele, nicht selten hat Frankfurt darunter gelitten. Schon kurz nach dem Amtsantritt des Schweizers 2002 fühlte sich die Stadt brüskiert, als die Bank nicht die Frankfurter Bewerbung um die Olympischen Spiele 2012 unterstützte, sondern die von New York. Die Spekulationen um einen Wegzug der Bank nach London ließ Ackermann lange laufen, ohne ein klares Bekenntnis zur Heimat abzugeben. Es war also auch für Ackermann ein langer Weg bis zu dem Bekenntnis, dass er Anfang 2011 bei der Wiedereröffnung der renovierten Doppeltürme abgab: „Wir stehen zu unserer Tradition und sind fest hier in Frankfurt verankert.“

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