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Frankfurt : Deutsch-türkische Kita als erster Schritt

Gemeinsame Sprache: Das Motto der Einweihung lautete „Dostluk“ - Freundschaft. Bild: dpa

Unter dem Motto „Dostluk - Freundschaft“ ist die erste deutsch-türkische Kindertagesstätte in ganz Hessen eröffnet worden. Auf der Eröffnungsfeier sorgte das für Stolz - aber auch für Erstaunen.

          Unter dem Namen „Dostluk - Freundschaft“ hat die erste deutsch-türkische Kindertagesstätte in Hessen eröffnet. In den Räumen an der Rückertstraße im Ostend sollen bis zu 60 Kinder vom Krabbel- bis zum Vorschulalter zweisprachig betreut, erzogen und unterrichtet werden. Wie Kita-Leiterin Zübeyde Temizel sagte, geschieht das nach der Immersionsmethode - die einzelnen Erzieherinnen sollen mit den Kindern also jeweils nur Türkisch oder nur Deutsch sprechen. Die von der Arbeiterwohlfahrt (Awo) getragene Einrichtung habe das Ziel, türkischstämmigen Kindern Kenntnisse über das Land ihrer Vorfahren genauso wie des eigenen Geburtslandes zu vermitteln.

          Matthias Trautsch

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dabei sei die Kita keineswegs nur für Kinder aus türkischen Familien gedacht, sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der die Idee zu der bilingualen Einrichtung gemeinsam mit dem scheidenden türkischen Generalkonsul Ufuk Ekici entwickelt hatte. Der Besuch der zweisprachigen Kita könne auch für Kinder ohne türkische Wurzeln ein Gewinn sein. Die Türkei sei ein starkes, wachsendes Land und ein wichtiger Handelspartner. Für den Standort Frankfurt sei es wichtig, Arbeitskräfte zu haben, die in beiden Sprachen zu Hause seien. Feldmann lobte, dass die Awo bei der Gründung mit türkischen Verbänden wie der Türkischen Gemeinde Hessen, der Türkisch-Islamischen Union (Ditib) und dem Alevitischen Kulturzentrum kooperiert habe.

          „Dostluk“ bedeutet mehr als Freundschaft

          Das Zusammenspiel von säkularen und religiösen Verbänden hob auch Awo-Geschäftsführer Jürgen Richter hervor. Die Kita solle „kultursensibel“ arbeiten, religiöse Feiertage würden gefeiert und muslimische Erzieherinnen dürften wie in anderen Awo-Einrichtungen auch Kopftuch tragen. Es gehöre zu den Prinzipien des SPD-nahen Wohlfahrtsverbands, „dass die Menschen so leben dürfen, wie sie wollen“, sagte Richter.

          Der aus Berlin angereiste türkische Botschafter Hüseyin Karslioglu sagte, das Wort „Dostluk“ bedeute nicht nur Freundschaft, sondern auch Kameradschaft. In dem türkischen Begriff komme die Verbundenheit einer herzlichen Umarmung zum Ausdruck. Manche Freundschaften, die im Kindergarten geschlossen würden, hielten ein Leben lang.

          Bilinguales Angebot nicht nur in der Kita

          Immer wieder wurde auf der Eröffnungsfeier thematisiert, dass es sich um die erste Kita dieser Art in Frankfurt und sogar in Hessen handelt - mit Stolz, aber auch mit Erstaunen. In Städten wie Berlin, Hamburg und Köln gebe es längst deutsch-türkische Kitas. Und auch in Frankfurt seien bilinguale Bildungseinrichtungen anderer Migrantengruppen wie Russen, Italiener, Koreaner oder Japaner etabliert, ebenso wie zweisprachig englische und französische Kitas, die stark von deutschen Eltern nachgefragt würden.

          Feldmann nannte die Gründung deshalb „erstaunlich spät“, der Awo-Vorsitzende Ansgar Dittmar sprach von einem „großen Nachholbedarf“. Allerdings sieht die Awo nach den Worten von Geschäftsführer Richter die Kita nur als einen ersten Schritt zum Aufbau eines bilingualen Angebots an. Türkisch dürfe nicht weiterhin als „Sprache zweiter Ordnung“ gelten. „Wir brauchen eine deutsch-türkische Grundschule.“ Und auch ein zweisprachiges Gymnasium sei auf absehbare Zeit nötig.

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