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Fahndung nach Ali Bashar : Wer ist Susannas mutmaßlicher Mörder?

  • -Aktualisiert am

Mit diesem Foto fahndet die Wiesbadener Polizei nach einem 20 Jahre alten Iraker, der im Fall der getöteten Susanna F. als dringend tatverdächtig gilt. Bild: dpa

Der grausame Mord an Susanna F. erschüttert Hessen. Der verdächtige Ali Bashar konnte offenbar mit seiner Familie in den Irak flüchten. Das weiß man über den mutmaßlichen Mörder der Vierzehnjährigen.

          Die Leiche von Susanna F. lag nur wenige hundert Meter von der Flüchtlingsunterkunft entfernt, in der Ali Bashar gelebt hat. Fenster stehen offen, Stimmen sind zu hören. Gegenüber in einem Café sitzt ein Paar beim Frühstück. Die Unterkunft, so erzählt ein Mann, der nebenan in dem Gewerbegebiet arbeitet, sei nie unangenehm aufgefallen. Im Gegenteil, jeden Tag hört er spielende Kinder, die sich hinter dem Haus auf dem Hof den Tag vertreiben. Vor allem Familien seien dort untergebracht. Er arbeite immer lange, oft bis in die Nacht. Und nie hatte er erlebt, dass die Polizei gerufen wurde. Einmal hatte sich einer der Flüchtlinge aus dem Haus als Praktikant bei ihm beworben. „Ein freundlicher, kluger junger Mann.“ Doch offenbar hat es inmitten dieses Kosmos auch eine andere Seite gegeben. Bewohner wie Ali Bashar, die nicht weiter auffielen, den aber doch jeder, der in der Unterkunft wohnte, gekannt hat.

          Ein Mitbewohner aus Iran, der erst seit etwa zwei Monaten in dem Haus lebt, berichtet, er habe Ali manchmal gesehen, wie er ein- und ausgegangen sei in dem Haus. Er, so der Mitbewohner, habe früh die Warnung bekommen, sich von einigen jungen Männern aus der Unterkunft fernzuhalten. „Da gab es einige, die haben viel Alkohol getrunken und geraucht. Nicht normale Zigaretten, sondern Haschisch. Denen gehen wir aus dem Weg. Dann ist es gut, hier zu sein.“ In jener Nacht, als Ali Bashar zusammen mit seinen Eltern und den fünf Geschwistern die Unterkunft verlassen hatte, wurden sie dabei beobachtet. Der Bewohner aus Iran berichtet, dass jeder es gesehen habe, dass die Familie ihre Koffer packten, als brächen sie zu einer längeren Reise auf. „Eine Frau aus der Unterkunft hatte sie noch gefragt, wohin sie wollen.“ Da habe die Mutter von Ali Bashar geantwortet, man fahre in den Urlaub nach Berlin. Manche hätten es geglaubt, andere nicht. Aber keiner dachte an ein Verbrechen.

          Polizeibekannt wegen Schlägereien und anderem

          Was Ali Bashar für ein Charakter hatte, lässt sich nur schwer erschließen. Denn offenbar hatte er nicht allzu viel Kontakt zu den anderen Bewohnern des Flüchtlingsheims. Schon früh soll er sich in Richtung Innenstadt orientiert haben, in die Unterkunft kam er offenbar nur noch spät in der Nacht zum Schlafen. Über eine Gruppe von Jugendlichen, der er sich am Wiesbadener Hauptbahnhof angeschlossen haben soll, hat er offenbar auch Susanna F. kennengelernt. Polizeibekannt war der junge Flüchtling wegen Schlägereien in der Wiesbadener Innenstadt und dem Verdacht auf Vergewaltigung eines elfjährigen Flüchtlingsmädchens. Letzterer konnte aber nicht erhärtet werden.

          In dieser Flüchtlingsunterkunft in Wiesbaden-Erbenheim war Ali B. mit seiner Familie untergebracht. Bilderstrecke

          Woher er wiederum den 35 Jahre alten Türken kannte, mit dem zusammen er in der Nacht zum 23. Mai die Schülerin getötet haben soll, ist nicht ganz klar. Auch er hatte in Erbenheim in einer Flüchtlingsunterkunft an der Berliner Straße gewohnt. Gegen den zunächst festgenommenen Fünfunddreißigjährigen besteht nach neuesten Ermittlungserkenntnissen kein dringender Tatverdacht mehr, wie Oberstaatsanwalt Oliver Kuhn am Donnerstagabend in Frankfurt sagte. Der Asylbewerber mit türkischer Staatsangehörigkeit habe das Justizgebäude bereits wieder verlassen und könne sich frei bewegen.

          Das Gebäude macht einen fast heruntergekommenen Eindruck. Vor dem Haus stehen junge Männer, rauchen. Reden wollen sie nicht. Sie wollen auch nicht mitbekommen haben, als die Polizei am Mittwoch Abend gekommen war und den Fünfunddreißigjährigen festgenommen hat. Irgendwann gehen die Männer wieder rein. Die Tür bleibt zu.

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