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Neue Heilungsmethoden : Mit dem Laser gegen Hautkrebs und Schuppenflechte

Hans Micheal Ockenfels, Leiter der Klinik für Dermatologie und Allergologie, mit der Laserkamera zur Hautuntersuchung. Bild: Michael Kretzer

Die Haut ist das größte Organ im menschlichen Körper und benötigt viel Pflege. In der Hanauer Klinik für Dermatologie und Allergologie werden neue Behandlungsmethoden angewandt. Aber auch die können weh tun.

          Entspannt liegt die Patientin da, während der Arzt mit dem Lasermikroskop über ihren Nasenflügel streift. Ein Computerbildschirm zeigt in Vergrößerung die Haut der Frau an dieser Stelle. Es dauert einen Moment, bis der Arzt gefunden hat, wonach er sucht. „Tatsächlich, da ist ein Basaliom, das sollten wir gleich entfernen“, klärt er seine Patientin auf. Ein Basaliom bedeutet, dass der Mensch am sogenannten weißen Hautkrebs erkrankt ist. Die Patientin bleibt ob der Diagnose gelassen. Kurz vorher war ihr Rücken schon wegen eines schwarzen Fleckens mit dem Laser untersucht worden. Das hätte ein Melanom sein können, ein Mal des wesentlich gefährlicheren schwarzen Hautkrebses. Doch Hans Michael Ockenfels, Leiter der Hanauer Klinik für Dermatologie und Allergologie, konnte schnell Entwarnung geben. Der Fleck war harmlos.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Die Patientin ist beeindruckt von der Laserdiagnostik. Früher sei zuerst eine Gewebeprobe entnommen worden, dann habe sie etwa eine Woche auf das Ergebnis warten müssen. Heute fällt diese lange, mitunter quälende Ungewissheit weg, denn mit dem Laser kann die Diagnose sofort mit wenigen Blicken auf den Bildschirm gestellt werden.

          Die Laserdiagnostik ist nach den Worten von Ockenfels in Deutschland noch selten, in Hessen gebe es sie in dieser Form nur in Hanau. Ergänzt wird sie durch das digitale Ganzköper-Mapping. Dabei scannt man den Körper der Patienten vollständig ein. Die Aufzeichnung wird in etwa einem Jahr wiederholt. Der Computer erkennt dann jede kleine Abweichung und zeigt an, wo ein Fleck hinzugekommen ist und welcher sich verändert hat. So kann der Arzt gezielt nachhaken.

          Die Methode bietet sich vor allem an, wenn ein Mensch besonders viele Muttermale hat. Der Früherkennung des Hautkrebses komme eine wachsende Bedeutung zu, erläutert Ockenfels. Hautkrebs sei heute die häufigste Form der Tumorerkrankungen überhaupt. Vor allem die Vorstufen des weißen Hautkrebses, der vor allem durch Sonneneinstrahlung verursacht wird, nähmen rasant zu. Etwa 25 Prozent aller Menschen im Alter von 40 Jahren und älter seien davon betroffen.

          Ockenfels beschreibt die Hanauer Klinik nicht nur bei der Diagnostik als federführend, sondern auch bei der Tumortherapie. Seit etwa anderthalb Jahren wendet er eine spezielle photodynamische Lichttherapie an. Aufgetragen auf die Haut wird eine Salbe, die in bösartige Tumorzellen eindringt. Bei Bestrahlung platzen diese Zellen, und der Tumor wird beseitigt oder reduziert. Die Methode ist Ockenfels zufolge allerdings ziemlich schmerzhaft. In der Hanauer Klinik finden die Patienten zwei Kabinen vor, in denen Tageslicht simuliert wird. Dadurch wird die Behandlung schonender und schmerzfrei.

          Menschen kommen nicht nur wegen Krankheiten

          „Wir sind mittlerweile das größte Laserzentrum in Deutschland“, sagt der 52 Jahre alte Dermatologe und Allergologe, der die Klinik in den vergangenen 21 Jahren stetig ausgebaut hat. Rund 16 000 ambulante und 1300 stationäre Patienten suchen dort jährlich medizinische Hilfe.

          Das größte Laserzentrum in Deutschland: Die Klinik für Dermatologie und Allergologie in Hanau.

          Nicht immer kommen die Menschen wegen einer Krankheit. In der Praxis gibt es auch Laser, um lästig gewordene Tätowierungen auf der Haut zu entfernen, was eine monatelange Prozedur erfordert. Ebenfalls viel Geduld brauchen Patienten, die mit Hilfe einer Lasertherapie ihrem Nagelpilz zu Leibe rücken wollen, auch das dauert mehrere Wochen.

          In die Bestenliste der Ärzte in der Zeitschrift „Focus“ schaffte es die Klinik bei der Behandlung der Schuppenflechte. Die Praxis mit 24 Belegbetten im angrenzenden Klinikum Hanau ist eines von sieben Therapiezentren für Psoriasis-Patienten in Hessen und das einzige Zentrum für die Erkrankung im Rhein-Main-Gebiet. Die juckende und schuppende Hautkrankheit, unter der immer mehr Menschen leiden, wird dort ebenfalls mit Laserstrahlen behandelt, allerdings nur, wenn es sich um kleine Stellen handelt.

          Salzlösung mit lichtsensibilisierenden Substanzen

          Breitet sich die Schuppenflechte über große Flächen der Haut aus, empfehlen sich Bäder in einer der drei Wannen der Praxis. Dort badet der Patient in einer Salzlösung mit lichtsensibilisierenden Substanzen und wird zugleich mit ultraviolettem Licht bestrahlt. Zwei Behandlungszyklen im Jahr zahlen die Krankenkassen.

          Seit einigen Wochen finden die Bäder in besonders schönem und modernem Ambiente statt. Hatte die Hautklinik bisher ihren Standort eher beengt im K-Bau des Klinikums auf einer Fläche von rund 400 Quadratmetern, füllt sie jetzt ganz in der Nähe das Erdgeschoss im neuen „Medizinpark Hanau“. Die neuen, im Bauhausstil eingerichteten Behandlungsräume und Wartezimmer sind auf 1000 Quadratmeter verteilt.

          In dem denkmalgeschützten Gebäude, das stark in die Jahre gekommen war, wurden einst infektiöse Patienten isoliert. Die Stadt verkaufte vor gut einem Jahr das Anwesen an einen Investor, der den ehemaligen I-Bau sanierte und modernisierte. Außer der Haut- und Allergiepraxis hat sich dort eine Neurochirurgische Gemeinschaftspraxis niedergelassen. Ein Allgemeinmediziner wird dort ebenfalls einziehen. Auch für das zweite Obergeschoss sind Arztpraxen vorgesehen.

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