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Der Wandertipp : Wenn der Hammer fällt

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Den Abriss der Kapelle verhinderten im 19. Jahrhundert die Wertheimer Grafen. Bild: Thomas Klein

Original und funktionstüchtig bewahrt – ein letzter, mehr als 200 Jahre alter Eisenhammer überdauert in Hasloch im Spessart. Sehenswert sind auch die Ruinen von Markuskapelle und der Kartause Grünau.

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          Andernorts klopft der Specht, bei uns der Eisenhammer, sagt man scherzhaft im Haselbachtal. Der Symbolvogel des Spessart ist gewiss auch dort zu vernehmen, nur übertönte ihn lange das Pochen eines Schmiedehammers. Und dies noch bis vor wenigen Jahren, da er als letzter seiner Art für ein Nischenprodukt, Glockenklöppel, weiterbetrieben wurde. Dass endgültig der Hammer fiel, bedeutete glücklicherweise aber nicht das Aus der mehr als 200 Jahre alten Fertigungsstätte. Vom hölzernen Aufwerfer bis zu armlangen Eisenzangen blieb sie vollständig und funktionstüchtig bewahrt und ist nun Teil eines kleinen Firmenmuseums im ehemaligen Kohlenlager.

          Zugute kommt dem Erhalt das Traditionsverständnis des Unternehmens Kurtz Ersa, das sogar einen Schmiedemeister allein für Demonstration und Dokumentation beschäftigt. Der 1779 mit gnädiger Erlaubnis der Wertheimer Grafen errichtete Hammer zum Herstellen von Pflugscharen und Haushaltsgeräten bildet die Kernzelle des in siebter Generation geführten, weltweit tätigen Konzerns mit 1250 Beschäftigten im Anlagenbau und der Gieß- und Löttechnik. Der Herkunft verpflichtet, hielt man an der Region als Produktionsstätte fest und eben am Eisenhammer sowie einem historischen Verwaltungsgebäude.

          Wenn auch nur für Gruppen aktiv geschmiedet werden kann, lassen schon die Mitmachstationen im Museumsbereich das technische Prinzip erkennen: Durch Öffnen einer Klappe („Falle“) stürzt Wasser über das außen angebrachte Kammerrad, womit ein Wellbaum den Aufwerfhammer in lautstarkes Stakkato versetzt. Von seinem 170 Kilo schweren Kopf, dem „Bären“, wird das in der Esse zur Weißglut gebrachte Roheisen unter ständigem Drehen und Schieben geformt.

          Das mittelständische Unternehmen Kurtz Ersa in Hasloch führt seine Tradition auf den Eisenhammer zurück, der im Firmenmuseum zu besichtigen ist.
          Das mittelständische Unternehmen Kurtz Ersa in Hasloch führt seine Tradition auf den Eisenhammer zurück, der im Firmenmuseum zu besichtigen ist. : Bild: Rainer Wohlfahrt

          Das Schlagen des Stundengebet-Glöckleins war über Jahrhunderte eines der wenigen Geräusche im nahen Kropfbachtal. Fernab der Welt besiedelte dort um 1330 ein Kartäuser-Kloster die sogenannte Grünau. Nach wechselvollem Werdegang waren Kirche und Gebäude bereits vor der Aufhebung 1803 ruinös und nur noch vier der ursprünglich 16 Klausen besetzt. Mit Einzug eines Gasthofs (Ruhetage montags und dienstags) blieb freilich eine Tradition gewahrt: Die Forellen kommen aus den auf die Klosterzeit zurückgehenden Teichen.

          Ob der legendäre Räuberhauptmann Johann Adam Hasenstab je die Abtei heimsuchte, ist ungeklärt. Fraglos hat der 1716 geborene Wilddieb jahrzehntelang im östlichen Spessart sein Unwesen getrieben und angeblich die bettelarme Bevölkerung bedacht, bevor ihn am 3. Juni 1773 in Gestalt des Revierförsters Johann Sator das Schicksal ereilte. Ein Sandsteinkreuz im anmutigen Kropfbachtal markiert den Ort, da ihn die Silberkugel traf.

          Wegbeschreibung:

          Eng sind die Talungen im südöstlichen Spessart, was Parkmöglichkeiten einschränkt. Einige Plätze liegen neben der Markuskapelle, einige mehr am Waldrand gegenüber der großen Stellfläche der Hammerschmiede. Diese ist zwar als privat deklariert, der Wagen darf aber vor oder nach dem Besuch des Museums zurückbleiben.

          So oder so, wenige Meter sind an der Straße zur Markuskapelle hinüberzulaufen. Ein erstes Kirchlein für die versprengt in der Grünau lebenden Menschen entstand noch vor der Kartause. Ihre Mönche förderten dann die im 13. Jahrhundert einsetzende Marienwallfahrt, deren Zuspruch einen Ausbau zur Gotik erforderte. Seit der Reformation verfallen, konnte das ruinöse Kirchenschiff im 19. Jahrhundert gerettet und später gesichert werden.

          An der Kreuzung links der Ruine nehmen wir einen Spessart-Kulturweg auf. Das blaue Emblem mit gelben Sternchen zeigt in Unterholz, zugleich Auftakt für das längere Bergan bis Schollbrunn. Etwas verblasst, ist lediglich zu beachten, dass nach 200 Metern das Zeichen links abbiegt und 800 Meter weiter rechts ein Bächlein quert und nach 250 Metern zurückführt.

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