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Der Wandertipp : Im Herzen geschützter Natur

  • -Aktualisiert am

Wohlstand zeigte man gerne durch Verzierungen und farbenfroh ausgelegte Gefache. Bild: Thomas Klein

Der Wahlspruch einer örtlichen Brauerei hat nach vielfältigen Schutzmaßnahmen in der Wetterau noch an Zugkraft gewonnen. Nicht minder das umfassend sanierte Herzstück von Lich: Das Schloss und die Altstadt.

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          Wetterau – einer ganzen Region leiht die Wetter ihren Namen. Das 65 Kilometer lange, nahe Schotten entspringende und in die Nidda bei Assenheim mündende Flüsschen steht quasi stellvertretend für den Wasserreichtum der Region zwischen Taunus, Vogelsberg und Kinzigtal. Trotz der über Jahrtausende betriebenen Landwirtschaft blieben stets größere Feuchtgebiete, die erst in jüngerer Zeit für Felder oder Weiden trockengelegt wurden, was wiederum ein Begradigen der Flüsse nach sich zog.

          Begünstigt durch allgemeines Umdenken bei abnehmender Bedeutung von Ackerbau und Viehzucht hat sich das unterdessen gründlich gewandelt, wofür namentlich der 1989 geschaffene Auenverbund Wetterau mustergültige Schrittmacherdienste leistet. Das gesamte von Wetter, Nidda, Horloff und Nidder gebildete Flusssystem erfährt seither aufwendige Renaturierungsmaßnahmen und ist jetzt über 7400 Hektar der Zweckentfremdung entzogen. Dass sich die Fluten in Freiflächen ergießen können, verhindert zudem schwere Hochwasserereignisse.

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          Großzügige Biotope und geschützte Auen kennzeichnen auch die nordwestliche Wetterau im Raum von Lich, dort freilich in einer Breite, die Assoziationen an Norddeutschland weckt. Selbst in den Wäldern entwickelten sich bedeutende Biotope, wenn sie auch eher praktischer Anwendung entspringen. Bis ins 18. Jahrhundert reichen die von den Solmser Grafen zur Fischhaltung angelegten Mengelshäuser und Albacher Teiche zurück.

          Erstere sind seit 1994 geschützt, letztere stehen ihnen in ihrer Bedeutung als großräumige Refugien für Wasservögel kaum nach, werden aber nicht entsprechend ausgewiesen, da sich als Freibad für die Spezies Mensch eine willkommene Nutzung ergab. Bereits vor 85 Jahren wurde hinter dem Stauwehr des größeren der Albacher Teiche eine Fläche abgesteckt und mit einfacher Infrastruktur versehen. Die ist längst mehrmals modernisiert und erweitert. Es gibt einen Kinderbereich, Imbiss und ausgedehnte Liegewiesen.

          Dieses Natur- oder Waldschwimmbad dürfte überregional ebenso ein Geheimtipp sein wie das benachbarte Lich. Dank der Brauerei, die das Städtchen im Namen und die Natur im Herzen führt, wurde es zwar bundesweit ein Begriff. Zu einem Besucheransturm kam es deshalb nicht. Noch immer will der geschlossene, bis zum letzten Balken restaurierte Fachwerkbestand aus fünf Jahrhunderten entdeckt und die spätgotische Marienstiftskirche mit der Rarität eines Campanile – dem vormaligen Stadtturm – gewürdigt sein. Nicht zu vergessen das gleichfalls sanierte, barock-klassizistische Schloss der Solmser Fürsten. Obwohl bis heute von einer Linie des weitverzweigten Hauses bewohnt, steht der „englisch“ gestaltete Park der Allgemeinheit offen.

          Wegbeschreibung

          Beim Start vom Bahnhof oder den nahen Parkplätzen ist der Verlauf so angelegt, dass man anfangs die engere Altstadt berührt und am Ende den Schlosspark. Die Verbindung in den historischen Kern stellen Ringstraße, auch dort gibt es viele Parkplätze, und Mittelgasse her. An der Straße Oberstadt gelangt man linkerhand zur Marienstiftskirche und rechts in ihren fachwerkgesäumten Teil, durch den es dann hinausgeht.

          An der Ziegelgasse stehen die Markierungen weißer Punkt und blauer Ring bereit (später kommt noch das grüne L des Lutherwegs hinzu). Nach Queren der Wetter weisen sie in flaches Weideland, dann links zu einem vollständig eingewachsenen Biotop hinter dem Damm der B457. Die einzige Möglichkeit zum Überschauen der ausgedehnten Röhrichtzone zeigt ein Storchennest an. Kaum zehn Meter daneben lässt sich beobachten, wie der Nachwuchs erste Flugversuche unternimmt.

          Über befestigtem Weg entfernen wir uns zwischen Feldern und Obstbäumen etwas von der Wetter und laufen geradeaus schließlich auf Wald zu. Davor treten die Zeichen auseinander: Wahlweise links mit dem L am Rand entlang oder im Gefolge der anderen in den Forst und an der nächsten Kreuzung – nur mit dem weißen Punkt – links.

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