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Der Wandertipp : Johanniterhilfe für den Odenwald

  • -Aktualisiert am

Ungewöhnlich für den zergliederten Odenwald öffnet sich östlich von Mossautal eine weite Hochebene Bild: Thomas Klein

Wo einst Johanniter in Ober-Mossau nahe Michelstadt eine kleine Kommende unterhielten, umgibt noch heute eine Spur Abgeschiedenheit das Tal.

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          Nachdem mit der muslimischen Rückeroberung von Akkon im Mai 1291 auch die letzte Bastion der Kreuzfahrer gefallen war, zeitigte das selbst im fernen Odenwald Folgen. Wie bei vielen Orden gingen durch den angeschlagenen Nimbus der Gotteskrieger auch bei der kleinen Johanniter-Kommende in Ober-Mossau nahe Michelstadt Schenkungen und Zuwendungen zurück. Um das Schlimmste zu verhindern, traten die Schenken und nachmaligen Grafen von Erbach als Käufer auf. Schließlich waren sie es, die den ursprünglich in Palästina begründeten Ritterorden der Johanniter ins Land riefen. Vorrangig sollten sich die adligen Laienpriester der 1253 erstmals genannten Niederlassung um den rechten Glauben der verstreut im Mossautal lebenden Menschen kümmern.

          Zunächst errichteten die Johanniter einen Chorturm, dessen Ausmalung, unter anderen mit den vier Evangelisten, im frühen 20. Jahrhundert wiederentdeckt und 1996 restauriert wurde. Das Langhaus erweiterten die Ordensherren um 1500 zu einem Quadrat, kaum ahnend, damit für Kanzel und Empore nach der Reformation mehr Platz geschaffen zu haben. Da half kein Protestieren, als die Erbacher Grafen bis 1544 den neuen Glauben durchsetzten. Hernach verliert sich die Spur der Johanniter im Odenwald.

          Das Mossautal im Odenwald eine Spur Abgeschiedenheit. An die im 13. Jahrhundert ins Land gerufenen Johanniter erinnert die jetzige Pfarrkirche
          Das Mossautal im Odenwald eine Spur Abgeschiedenheit. An die im 13. Jahrhundert ins Land gerufenen Johanniter erinnert die jetzige Pfarrkirche : Bild: Thomas Klein

          Heute gibt es natürlich auch dort Rettungsstationen der Johanniter-Unfall-Hilfe und verschiedene Sozialeinrichtungen im Zeichen des mit acht Spitzen versehenen Johanniterkreuzes. Dass man sogar Krankenhäuser unterhält, knüpft an das Ordensethos christlicher Barmherzigkeit an, was hierzulande in den Hospitalkirchen Fortsetzung fand. Nur stellt sich dies bei der Mossauer Kommende nicht so eindeutig dar, wie es in Nieder-Weisel nahe Butzbach bewahrt blieb. Ob die Öffnungen des Kreuzgewölbes als Schalllöcher dienten, damit die Kranken im oberen Stockwerk am Gottesdienst unten teilhaben konnten, ist der Imagination des Betrachters überlassen.

          Wegbeschreibung:

          Als Startpunkt für einen Gang durch das Mossauer Land mit seinen zwei Gesichtern – abwechslungsreicher Wald und eine offene Hochebene – bietet sich die Johanniter-Pfarrkirche an. Sie steht jederzeit offen.

          In der benachbarten Straße Am Kirchberg ist Platz zum Parken. Man darf auch die große Stellfläche der Brauerei Schmucker nutzen, hinter der die Tour mit einem ganzen Zeichenbündel beginnt. Es genügt der Blick zur grünen Raute gen angezeigtem Berg „Lärmfeuer“. Es geht oberhalb von Hotel und Gasthof der Brauerei vorbei, ehe mit Rechtsknick die Schritte über eine Wiese und dann in den Wald gelenkt werden.

          Der gibt die Wandernden so schnell nicht wieder frei. Als wollte er seine Vorzüge besonders lange ausspielen, wechseln Baumarten und Unterwuchs. Einzig beim halbstündigen Anstieg auf die 500 Meter hohe Erhebung schieben sich auch mal längere Fichtenabschnitte dazwischen. Man umkurvt die Stämme regelrecht, da Pfade mehrfach den Forstweg abschneiden. Erst weiter oben schwenkt man nach rechts darauf ein und kann bald an der Gipfel-Schutzhütte die Erläuterung des Namens Lärmfeuer nachlesen: Die einst unbewaldete Kuppe diente in Notzeiten als Signalstation. War Gefahr im Verzug, alarmierte („lärmte“) eine Feuerkette die Menschen.

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