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Autonomer Bus : Der unsichtbare Busfahrer

  • -Aktualisiert am

Zukunft auf Rädern: Die Studenten haben sich an den Bus schon gewöhnt. Bild: Helmut Fricke

Für drei Tage wurde auf dem Frankfurter Campus der University of Applied Science ein autonomer Bus getestet. Viele Tester stiegen mit Skepsis ein.

          Skeptische Tester fragen am Informationsstand nach der Zukunft ohne Busfahrer. Eine sichere Antwort darauf haben die Vertreter von Verkehrsgesellschaft Frankfurt und Continental nicht. Die Frage scheint auch noch nicht allzu akut, denn zuerst soll es hier um die Begeisterung an den technischen Errungenschaften und um die Vorführung ebendieser gehen.

          Die Fahrt auf dem Campus der University of Applied Science wird von einem Mitarbeiter der Firma Easymile begleitet, die das selbstfahrende Fahrzeug her- und bereitgestellt hat. Man muss schon staunen, wenn man sieht, wie genau das Fahrzeug vor den auf ihre Handys starrenden Studenten stehen bleibt, und stellt fest, dass es der Begleitperson eigentlich nicht bedürfte. Oder doch? An einem der sechs Sitze hat sich eine Schraube gelöst, die wieder angezogen werden muss. Bevor der Mensch sich also gänzlich in die Hände der Maschinen begibt, sind sie zumindest in diesem Fall noch auf ihn angewiesen. Ein autonomer Handwerksroboter rückt jedenfalls nicht an, um den Sitz zu befestigen. „Aber das kommt auch noch“, sagt ein junger Fahrgast und steigt ein. „Irgendwann“, spricht er weiter, werde ohnehin alles von Robotern gesteuert.

          Sein Sitznachbar, ein älterer Herr, hält der Euphorie des Jungen die realen Probleme entgegen, an die die Umsetzung dieser Vorstellung gebunden sei. Ob sich die jetzige Organisation des Stadtverkehrs für die Einführung überhaupt eigne und wie man den Ängsten der Bürger begegne – diese Fragen blieben offen. Und am Ende sei das eben wie alles auch eine Frage des Geldes, das dürfe man nicht vergessen.

          Der Prozess der Gewöhnung setzt schnell ein

          Der Bus leert sich. Am zweiten Tag sind Andrang und Schaulust nicht ganz so groß wie am ersten. Da verhält es sich mit dem sich selbst bewegendem Objekt wie mit allem Neuen – sobald sich der Überraschungseffekt verflüchtigt hat, setzt der Prozess der Gewöhnung ein.

          Am Informationsstand sieht man die Dinge ohnehin etwas nüchterner. Hinter der technologischen Entwicklung verbirgt sich eben vor allem die wirtschaftliche Chance. Ab 2030 sei mit den ersten autonomen Verkehrsmitteln zu rechnen.

          Die Studenten sind von der Präsentation des selbstfahrenden Busses angetan, zeige es ihnen doch, in welche Arbeitsfelder sie ihr Studium führen könne.

          Continental entwickelt die Technologie für das französische Unternehmen Easymile. An der Berliner Charité, wo die autonomen Busse gleich für zwei Jahre und nicht wie in Frankfurt nur für drei Tage getestet werden, ist der Weg in die Notfallstation ein bisschen kürzer als in Frankfurt, aber auch das Bürgerhospital befindet sich in unmittelbarer Nähe zur University of Applied Sciences.

          Zur Sicherheit ist ein Mitarbeiter an Bord

          Zufall oder vielleicht Absicht? Das bleibt ungeklärt, denn Verletzte oder gar Tote wie bei jüngsten Testfahrten in den Vereinigten Staaten hat es noch nicht gegeben. Und zur Sicherheit ist ja immer noch ein Mitarbeiter an Bord, der die Notfallbremse betätigen könnte. Seine Anwesenheit hat aber auch symbolischen Charakter. Schritt für Schritt solle sich der Wandel vollziehen.

          Und irgendwann dann ganz ohne Busfahrer? Einige der freiwilligen Fahrgäste möchten sich so eine Zukunft nicht wirklich ausmalen. Eine ältere Dame fragt, mit wem man denn reden solle, wenn man alleine in den Bus einsteige, oder wer auf einen warte, wenn man es nicht rechtzeitig zur Tür schaffe. Ja, das wird die Zukunft zeigen, denn noch sind autonome Roboter nicht so prägend. Und noch kann man die echten Busfahrer bei ihrer Arbeit bestaunen. Vielleicht wird man dann gelassener auf ein ruppiges Lenkmanöver oder ein zu lautes Hupen reagieren. Bis in den Städten nur noch Geisterbusse unterwegs sind, ist es noch ein längerer Weg.

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