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: Der Steffi-Effekt

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Weltmeister! Am Dienstag mittag stehen sie auf dem Balkon des Römer und dürfen den Jubel entgegennehmen, die deutschen Fußballfrauen. Ob der Beifall so groß sein wird wie vor fünfzehn Monaten bei den männlichen Kollegen, bleibt abzuwarten - schließlich waren die nur Zweite.

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          Weltmeister! Am Dienstag mittag stehen sie auf dem Balkon des Römer und dürfen den Jubel entgegennehmen, die deutschen Fußballfrauen. Ob der Beifall so groß sein wird wie vor fünfzehn Monaten bei den männlichen Kollegen, bleibt abzuwarten - schließlich waren die nur Zweite. Dennoch werden die kreischenden Mädels wohl fehlen, die damals die Boygroup um Kahn und Co. mit Teddys und Höschen bewarfen. Statt dessen wird wohl manch mürrischer Recke etwas von Emanzen-Gekicke brummeln und kopfschüttelnd von dannen ziehen.

          Die anderen freilich werden sich freuen, zumal für Frankfurt: Stammen doch sieben der Spielerinnen vom Main - wahrlich eine gute Reklame für die Stadt, die der Männer-WM 2006 entgegenfiebert. Vielleicht hat sich bis dahin auch in Frankfurt herumgesprochen, daß es sich lohnt, die Spiele der Frauen-Bundesliga anzuschauen, der immerhin zwei Frankfurter Vereine angehören - dann könnte man sich das ewige Zittern um die Eintracht sparen.

          Bis der Frauenfußball das Waldstadion füllt, wird aber sicher noch einige Zeit vergehen und manch unersprießliche Diskussion darüber geführt werden, ob man denn bei der Kommentierung der Spiele wirklich von "Manndeckung" sprechen darf und ob es es Kapitän oder Kapitänin heißen sollte.

          Solange aber - was eine nicht ganz repräsentative Umfrage im Bekanntenkreis bestätigt - vor allem Männer das Publikum stellen, wird die Zahl der Fans wohl nur langsam wachsen. Immerhin aber haben das Endspiel am Sonntagabend zur besten Sendezeit mehr als zehn Millionen Menschen im Fernsehen verfolgt, die Verlängerung sogar 12,5 Millionen, also mehr als ein Drittel aller Fernsehzuschauer an diesem Abend - mithin wohl auch einige Frauen. Deshalb im Damen-Fußball schon den neuen Modesport zu vermuten wäre allerdings dann doch etwas verfrüht.

          Freilich, was einst der Steffi-Graf-Effekt beim Tennis war, könnte nun der Steffi-Jones-Effekt beim Fußball werden. So wird es sicher bei den nächsten Schul-Elternabenden intensive Diskussionen geben, ob nicht der Fußball im Schulsport für die Mädchen eine stärkere Rolle spielen sollte. Schließlich gilt es, schlummernde Talente zu wecken, die dereinst der Fußballnation zur Ehre gereichen. Und dann müssen bald auch die Väter von Töchtern nicht mehr auf das Vergnügen verzichten, den Nachwuchs am Sonntag zum Turnier der C-Jugend zu kutschieren und fachkundig anzufeuern. Denn seit Sonntag ist Fußball für Frauen ja wohl ohne Frage einfach "in".

          PATRICIA ANDREAE

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