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Willy-Brandt-Platz Frankfurt : Nicht nur eine Frage des Standorts

Der Frankfurter Willy-Brandt-Platz soll umgestaltet werden. Bild: Carlos Bafile

Der Standort von Schauspiel und Oper am Frankfurter Willy-Brandt-Platz ist schon lange Thema im Römer. Wichtiger ist die Frage, wie ein zeitgenössisches Theater für die Stadt aussehen soll.

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          Die Grünen haben sich festgelegt. Der Willy-Brandt-Platz soll der Theaterplatz bleiben und am besten auch bald wieder so heißen. Kein anderer Standort kommt für sie in Frage, gleichgültig, ob eine Sanierung oder ein Neubau beschlossen wird. Ihr Positionspapier zur Zukunft der Städtischen Bühnen, mit dem sie gleich zu Beginn des neuen Jahres vorgeprescht sind, ist weithin ein Plädoyer gegen die Geschichtsvergessenheit und eine Liebeserklärung an ein nicht gerade besonders liebreizendes innerstädtisches Gelände.

          Der Begriff des Platzes wird in Frankfurt ohnehin sehr weit gefasst. Was hier so heißt, ist es oft nicht wirklich, zumindest nicht in einem urbanen Sinn des Wortes. Das gilt auch für die seltsame Kombination von gigantischer Straßenbahnhaltestelle, Theaterdoppelanlage und weitem Blick in die Grünanlagen. Aber als traditionsreiches Areal in einer von der Furie des Verschwindens besonders betroffenen Großstadt wollen die grünen Mitkoalitionäre im Römer die vertraute Adresse für Schauspiel und Oper beibehalten, auch wenn Zweifel erlaubt sind, ob die vielen Zugezogenen und jüngeren Kulturinteressierten mit den nostalgischen Anwandlungen, wie sie nun die Grünen artikuliert haben, etwas anfangen können. Womöglich begeistern sie sich bei einer entsprechenden Architektur auch für ein Sprech- und Musiktheater an anderer Stelle.

          Welches Theater braucht Frankfurt?

          In einem entscheidenden Punkt haben die Verfasser des Papiers sicherlich recht: Bei der Diskussion über mögliche Standorte wird Wesentliches aus den Augen verloren. Die Fragen nämlich, was für ein Theater Frankfurt braucht, wie dessen Räume aussehen sollen, welche Aufgaben im 21. Jahrhundert auf es zukommen. „Guckkastenbühne oder Mehrzweckhalle?“

          So wird etwa provokativ gefragt. Vielleicht ist ja etwas dazwischen notwendig. Auch wie sich die Theater im Zeitalter der Digitalisierung verhalten sollen, steht zur Debatte. Mitmachen oder einen Gegenpol bilden? Politik und städtische Gesellschaft werden sich erst einmal um derlei Grundsätzliches kümmern müssen. Die Diskussion über die Theater-Zukunft hat noch gar nicht richtig begonnen.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

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