https://www.faz.net/-gzg-9021z

Kommentar zu Glücksspielen : Eine Kampagne könnte helfen

  • -Aktualisiert am

Zocken ist nicht cool: Hessen will konsequenter gegen Spielhallen vorgehen. Bild: dpa-Zentralbild

In Hessen soll nun Ernst gemacht werden im Kampf gegen noch mehr Spielhallen - auch zum Schutz der Jugend. Bislang ist der Staat das Spielhallengesetz jedoch sehr halbherzig angegangen.

          Muss sich der Staat um Menschen kümmern, die wider alle Vernunft ihr Geld verspielen? Ja, das muss er, das gehört zu seiner Fürsorgepflicht, gerade wenn junge Menschen gefährdet sind. Allerdings gibt das Gemeinwesen derzeit ein trauriges Bild als Tugendwächter und Schutzpatron ab.

          Wiederum und damit wohl endgültig könnte in den nächsten Monaten der Versuch scheitern, die im Internet grassierenden Sportwetten doch noch zu regulieren und damit die schlimmsten Auswüchse zu unterbinden. Die dazu nötige Änderung des Staatsvertrags über Glücksspiele wird voraussichtlich nicht zustande kommen. Das neue Jamaika-Bündnis in Schleswig-Holstein will den mühsam gefundenen Konsens aufkündigen, die FDP hat sich durchgesetzt.

          Neue Wege sind gefragt

          Ob die dergestalt verteidigte Freiheit des Gewerbes angesichts des Wildwuchses einer Branche, die mit vielen Gaukeleien versucht, die Teilnehmer zu immer neuen Wetten zu animieren, etwas mit Liberalismus zu tun hat, darf bezweifelt werden. Und wer einmal das Halbdunkel von Spielhallen betreten hat, der hat das Elend der Spielsucht zum Greifen vor sich. Er sieht, wie verlorene Gestalten Euro auf Euro in den Schlitz von Geräten, die seltsame Geräusche machen, in der Hoffnung werfen, es werde endlich etwas mit dem Hauptgewinn und man könne endlich damit aufhören. Da bleibt nicht mehr viel übrig vom Bild des lustigen Homo ludens.

          Aber es geht gar nicht so sehr um die manifest Abhängigen, sondern vor allem darum, das Geschäft mit den falschen Hoffnungen zu entzaubern und Jugendliche über die Gefahren aufzuklären. Viel zu oft ist vor den Gerichten zu hören, wie Straftäter in ein Milieu des Kiffens, Saufens und Zockens geraten waren und aus der Abwärtsspirale nicht mehr herausfanden.

          Die Möglichkeiten des Staates sind beschränkt, sie müssen deshalb konsequent genutzt werden. Am Beispiel des Spielhallengesetzes wird deutlich, wie halbherzig das bisher geschieht. Vermeintlich strikte Regelungen wie ein Mindestabstand von 300 Metern zwischen zwei Daddelstuben werden durch Klauseln über Härtefälle konterkariert. Neue Wege sind gefragt. Die Kampagnen gegen das Rauchen und den Missbrauch von Alkohol haben gezeigt, dass „die Jugend“ durchaus mit Argumenten und Aufklärung zu erreichen ist. Es ist an der Zeit, das Image zu zerstören, Zocken sei cool.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Bouffier schließt rechtes Netzwerk nicht aus

          Mordfall Lübcke : Bouffier schließt rechtes Netzwerk nicht aus

          Der hessische Landtag zeigt sich von der Entwicklung im Mordfall Lübcke schockiert und fordert umfassende Aufklärung. Der Ministerpräsident hält eine vorschnelle Festlegung auf einen Einzeltäter für unangebracht.

          EKG für unterwegs Video-Seite öffnen

          Infarkt oder nicht? : EKG für unterwegs

          Eine App fürs Handy und ein Kabel mit Elektroden - Cardiosecur hat ein mobiles EKG entwickelt. Gründer und Geschäftsführer Markus Riemenschneider erklärt im Video, wie das Ganze funktioniert.

          Topmeldungen

          Die Runde bei Maischberger

          TV-Kritik: „Maischberger“ : Merkel for Future?

          Ist Friedrich Merz der lachende Dritte in der Frage um die Kanzlerkandidatur? In der Runde um Sandra Maischberger konnte er seine Ansichten zum Umgang mit der AfD jedenfalls schon einmal kundtun. Daneben wurden unter anderem der Klimawandel und der Mord an Regierungspräsident Walter Lübcke diskutiert.
          Der 22 Jahre alte Ali B. dementiert weiterhin die Vergewaltigung von Susanna F.

          Psychiaterin über Ali B. : Egozentrisch, manipulativ, empathielos

          Im Prozess um die getötete Schülerin Susanna F. aus Mainz berichtet wenige Wochen vor dem Urteilstermin die psychiatrische Gutachterin. Den angeklagten Ali B. beschreibt sie als faulen und frauenverachtenden Mann, der in seinem Leben immer nur an sich selbst gedacht habe.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.