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Darmstadt 98 : Der Senkrechtstarter

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Schnell und durchsetzungskräftig: Tim Skarke (links) ist bei Darmstadt 98 die Entdeckung der noch jungen Saison. Bild: dpa

In Heidenheim stagnierte Tim Skarke, bei Darmstadt 98 hat sich der 22 Jahre alte Stürmer im Eiltempo in den Blickpunkt gespielt. Dabei bleibt er vor allem bescheiden.

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          Vor dem Spiel in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals beim FC Oberneuland (Sonntag, 15.30 Uhr) haben die Darmstädter einen neuen Überflieger: Tim Skarke. Der 22 Jahre alte Offensivspieler schwebe „gerade auf Wolke sieben“, sagt dessen Trainer Dimitrios Grammozis. Wobei der Deutsch-Grieche seinem Fußballprofi damit nicht unterstellen will, dass der bodenständig daherkommende Skarke plötzlich abgehoben sei. Aber der ehemalige U-21-Nationalspieler ist nun mal der Senkrechtstarter bei den Südhessen. Genau 14 Sekunden nach seiner Einwechslung im Zweitliga-Spiel beim HSV (1:1) war ihm der Führungstreffer per Kopf gelungen. Und dass das keine Eintagsfliege war, demonstrierte Skarke am zweiten Spieltag in der Heimpartie gegen Kiel (2:0) mit seinem nächsten Tor zum 1:0. Aktuell steht der Neuzugang vom Ligarivalen Heidenheim auf Rang eins in der internen „Lilien“-Torschützenliste – noch vor dem Torjäger vom Dienst, Serdar Dursun, der einen Treffer erzielt hat.

          Zu erwarten war die Treffsicherheit von Skarke nicht. Ein Vielspieler war er auf der Schwäbischen Alb nicht, und viele Tore hat das Talent dementsprechend auch nicht geschossen. Genau vier in 70 Pflichtspielen. In der Vorsaison offenbarte der Flügelspieler in 13 Begegnungen – in den meisten Fällen kam er nur von der Bank – überhaupt keine Vollstreckerqualitäten. Skarke stagnierte in seiner Entwicklung. Das wurde zur Chance für die Darmstädter, die ihn noch lange nicht am Ende seiner Möglichkeiten sehen. Für sein Alter bringe Skarke „schon einiges an Zweitliga-Erfahrung“ mit, sagt der Sportliche Leiter des SVD, Carsten Wehlmann. Er und Grammozis erkundigten sich auch bei Innenverteidiger Mathias Wittek, der einst zusammen mit Skarke in Heidenheim gespielt hatte. „Tim hat besondere Stärken – und wenn er die abrufen kann, hilft er jeder Mannschaft in der zweiten Liga“ – so fällt die Leistungsbewertung von Wittek über seinen neuen, alten Teamkollegen aus. Der sprintstarke Skarke bringt auf der linken Seite viel Tempo ins Spiel. Seine momentane Unbekümmertheit macht ihn durchsetzungsstark. Dabei hat er sein Ziel, den erfolgreichen Torabschluss, immer konsequent vor Augen: Beim Führungstreffer gegen Kiel ließ Skarke erst seinen Gegenspieler schlecht aussehen, bevor er Torhüter Dominik Reimann mit seinem Schuss tunnelte. Skarke bewies eine Portion Schlitzohrigkeit. Überbewerten wollte er seine herausragende Rolle aber nicht. „Wir haben als Mannschaft funktioniert“, sagte er bescheiden.

          Leistungsschwankungen verhinderten den Durchbruch

          Darmstadt ist erst seine zweite Station auf Profiebene. In frühen Jugendjahren wechselte Skarke von der TSG Nattheim auf den Heidenheimer Schlossberg, auf dem er dann elf Jahre in verschiedenen Altersklassen verbrachte. In seinen besseren Zweitliga-Zeiten bildete Skarke mit Marc Schnatterer, dem namhaftesten Heidenheimer Spieler, die ideale Besetzung auf den Flügeln. Damals hatte Skarke sein Ziel erreicht: Er wollte so werden wie das Heidenheimer Idol Schnatterer. Nur konnte Skarke sein hohes Niveau nicht halten. Seine Leistungsschwankungen verhinderten seinen Durchbruch. An seiner Aufnahmefähigkeit kann das nicht gelegen haben, denn der Heidenheimer Trainer Frank Schmidt bescheinigte ihm die „Fähigkeit, zuzuhören“.

          Davon zeugt heute auch das Auftreten von Skarke in Darmstadt. Er hat den richtigen Weg eingeschlagen, weil er in den Punktspielen die im Training geübten Laufwege penibel einhält. Im Eiltempo hat sich Skarke am Böllenfalltor in das Blickfeld gespielt. Dabei kam ihm zupass, dass seine Mitspieler Mathias Honsak und Braydon Manu das Verletzungspech ereilte. Dass die Konkurrenz im Kader groß ist, ist ein Grund, warum sich Skarke jetzt nicht zurücklehnen darf. Auch körperlich muss er noch zulegen, will er beim SVD dauerhaft auf dem Vormarsch sein. Im Aufeinandertreffen mit Kiel war Skarke nach gut einer Spielstunde mit seinen Kräften ziemlich am Ende und wurde ausgewechselt.

          In Heidenheim verpassten sie ihm den Spitznamen „Blinky“ wegen seiner Ohrringe. Bei den „Lilien“, die an dem 25 Jahre alten Stürmer Dennis Srbeny von Norwich City interessiert sein sollen, will Skarke seine frisch gewonnene Strahlkraft diesmal lange aufrechterhalten. Der neue Stern am Darmstädter Fußballhimmel: Beim Fünftliga-Klub Oberneuland werden sie vor Skarke gewarnt sein.

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