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Vermögensbildung : Der Mitarbeiter als Anteilseigner

„Extrem faire Mitarbeiterbeteiligung“: Unternehmer Uwe Arnold plädiert für die Belegschaftsaktie Bild: Frank Röth

Mittelständler lassen sich nur ungern in die Geschäftszahlen schauen. Deshalb beteiligt in Hessen nur eine Minderheit die Mitarbeiter an der eigenen Firma. Aber das Interesse daran steigt - was mit dem Fachkräftemangel zu tun hat.

          Würde er es wieder tun? Uwe Arnold muss nicht lange überlegen: „Auf alle Fälle“, antwortet der Vorstandschef der Arnold AG in Friedrichsdorf auf die Frage. Arnold befürwortet etwas, das für viele Mittelständler nach wie vor gar nicht in Frage kommt: die Mitarbeiter an der eigenen Firma zu beteiligen. Seit rund 13 Jahren können Beschäftigte Anteile der nicht an der Börse gelisteten Aktiengesellschaft kaufen, die Metall verarbeitet und 3D-Druck anbietet, Werbeträger beispielsweise für Flughäfen und Kunstwerke fertigt, etwa für den Künstler Jeff Koons.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          90 der 330 Mitarbeiter haben, wie der Geschäftsführer und Großaktionär berichtet, diese Möglichkeit genutzt. Und gemessen an der Wertentwicklung der Aktie und der gezahlten Dividenden haben sie bisher auch sehr gut daran verdient. Die Belegschaftsaktie stellt für Uwe Arnold eine „extrem faire Mitarbeiterbeteiligung“ dar. Gleichwohl ist sie auch im hessischen Mittelstand eine Seltenheit, wie Heinrich Beyer weiß.

          Fokus auf der stillen Gesellschaft

          Das liegt nicht nur daran, dass Mittelständler sich gemeinhin ungern in die Geschäftszahlen schauen lassen: Kleinere und mittlere Unternehmen firmieren in aller Regel nicht als AG, sondern als Gesellschaft mit beschränkter Haftung oder als Kommanditgesellschaft, sagt Beyer, der Geschäftsführer des Bundesverbands Mitarbeiterbeteiligung mit Sitz in Kassel ist. Daraus folgt logisch: „Wenn es keine AG gibt, können auch keine Belegschaftsaktien ausgegeben werden.“ Es gibt aber andere rechtliche Möglichkeiten, Mitarbeiter als Miteigentümer zu gewinnen.

          Vor allem die sogenannte stille Gesellschaft eignet sich nach den Worten von Beyer dafür. Zu diesem Zweck zahlt ein Beschäftigter Geld in eine solche Gesellschaft ein und erhält im Gegenzug eine Verzinsung dafür, ähnlich wie bei einer Anleihe. Wie eine stille Gesellschaft einzurichten und was im Einzelnen zu beachten ist, regelt das Handelsgesetzbuch.

          Gut 3000 Firmen beteiligen Mitarbeiter

          „Das ist ein altes Mittel und leicht einzuführen“, sagt Beyer. Bisher geht aber nur eine kleine Minderheit diesen Weg: „3000 bis 3500 Mittelständler bieten in Deutschland Mitarbeiterbeteiligung auf diese Weise an“, sagt der Lobbyist und spricht von einer begründeten Schätzung. Zum Vergleich: Bundesweit gibt es rund 330.000 Firmen mit zehn bis 250 Mitarbeitern. Darunter sind 700 börsennotierte und nicht börsennotierte Gesellschaften, die Belegschaftsaktien anbieten. Ein Sonderfall unter ihnen ist die Meißner AG mit Sitz in Biedenkopf. An dem Autozulieferer halten die Beschäftigten 60 Prozent der Anteile, wie Vorstandschef Tilman Löffelholz sagt.

          Das ist eine hohe Quote, die hinter der Arnold AG stehende Familie will mindestens 75 Prozent der Anteile plus eine Aktie halten; derzeit liegen 15 Prozent bei der Belegschaft. Bei dem Arzneimittelhersteller Sanofi Deutschland in Frankfurt hat gut ein Drittel der Beschäftigten Belegschaftsaktien. Die 60 Prozent bei der Meißner AG kommen aber nicht von ungefähr. Denn Mitte der neunziger Jahre gründete die Belegschaft die AG - als Auffanggesellschaft für den seinerzeit in die Insolvenz gerutschten Betrieb. 1997 übernahmen sie die Firma ganz, später stieg ein weiterer Gesellschafter ein, der heute 40 Prozent hält.

          Die Anteile werden nur intern gehandelt. Sie wechseln laut Löffelholz den Besitzer, wenn jemand verkaufen will oder ein Mitarbeiter, der in Rente geht, seine Aktien an einen jüngeren Beschäftigten oder die Firma weiterreichen möchte. Die Arnold AG verfährt ähnlich. Hier wie dort werden die Belegschaftsaktionäre einmal im Jahr zu einer ordentlichen Hauptversammlung eingeladen - so wie bei der Deutschen Bank, dem Chemie- und Pharmakonzern Merck oder dem Spezialsoftware-Hersteller Isra Vision auch. Der Vorstand legt Rechenschaft vor den Anteilseigern und damit eben vor den Mitarbeitern ab, die am Unternehmen beteiligt sind.

          Dieser Termin ist für Uwe Arnold Ansporn, vor der Hauptversammlung in der Belegschaft für seine Ziele zu werben, über die die Aktionäre abstimmen werden. „Gegenstimmen in der Hauptversammlung nehme ich persönlich“, hebt er hervor. Begründung: „Sie zeigen, dass ich es in der Kommunikation nicht geschafft habe, alle Aktionäre hinter die Verwaltung zu bringen.“ Das sei aber selten so: In 95 Prozent der Fälle stimmten die Anteilseigner einmütig ab.

          Bis zu sechs Prozent Dividende

          Arnold macht keinen Hehl daraus, dass er sich die Mühe der Überzeugungsarbeit auch sparen könnte. Wenn nur Familienaktionäre abstimmten müssten, könnten sie dies unter Verzicht auf Fristen und sonstige Vorgaben binnen kurzer Zeit tun. Doch ist er mit Überzeugung dabei: „Wir sitzen alle in einem Boot.“ Wenn ein Mitarbeiter auch Aktien halte, bekomme er nicht nur eine Dividende, die im Falle Arnold einer Verzinsung von dreieinhalb Prozent auf den Wert des Anteilsscheins entspricht - Meißner zahlt sogar bis zu sechs Prozent. Die Beteiligung verstärke vielmehr auch das Gefühl des Einzelnen, er arbeite für „sein“ Unternehmen.

          Anders gesagt: Unternehmerische Beteiligungen dienen als Mittel, die Mitarbeiter besser an die eigene Firma zu binden - gerade in Zeiten des Fachkräftemangels. Das sieht Lobbyist Beyer auch als Grund für das unter kleinen und mittleren Firmen steigende Interesse an der stillen Gesellschaft: „Wir merken das ganz deutlich an den Anfragen.“ Hinzu komme das Anliegen, den Beschäftigten bei der Vermögensbildung zu helfen. Stichwort: private Altersvorsorge.

          Wie sieht es mit dem Klumpenrisiko aus, das vorliegt, wenn jemand von dem Betrieb, der ihm den Lohn zahlt, auch Anteile kauft? Arnold: „Das liegt vor allem bei der Familie, die hat ihr Vermögen zum absoluten Großteil in der Firma.“

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