https://www.faz.net/-gzg-8c3bx

Mit Rockstars auf Tournee : Der Mann, der mit Lemmy flippern ging

Abschied vom alten Leben: Matteo Ringling raucht mit den Jungs von Iron Maiden eine letzte Zigarre. Bild: privat

Mehr als 30 Jahre lang betreute er Bands wie Iron Maiden, Deep Purple und Motörhead auf Tournee. Vor zweieinhalb Jahren machte Matteo Ringling Schluss damit und übernahm einen Tabakladen. Bereut hat er es nicht.

          6 Min.

          Als Matteo Ringling vor ein paar Jahren Jennifer Rush am Gepäckband des Münchner Flughafens stehen sah, merkte er, dass die beste Zeit vorbei war. Rush, in den achtziger Jahren eine blendend aussehende Sängerin, war kaum wiederzuerkennen. Ringling drehte sich zur Seite, obwohl er die Amerikanerin viele Male auf ihren Tourneen durch Deutschland begleitet hatte. Für ihn ging etwas zu Ende. „Die Achtziger, das waren Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll“, sagt Ringling und zieht an einer frischen Camel. Die Achtziger - sie sind lange vorbei. Und die Neunziger auch. Mittlerweile gehen viele Bands abends gar nicht mehr feiern und halten das Geld zusammen. Ringling, 1,75 Meter, schlank, kratzige Stimme, drückt das so aus: „Die haben einen Igel in der Tasche.“

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Im August 2013 hatte er genug. Nach mehr als 30 Jahren im Rock- und Popbusiness quittierte Ringling den Dienst bei der Frankfurter Konzertagentur von Marek Lieberberg. Jede Nacht in einem anderen Hotel, viel Alkohol, wenig Schlaf. Details der Trennung behält er für sich, er sagt nur: „Das Musikbusiness hat sich verändert. Es war nicht mehr wie früher.“

          Ringling sattelte um. Im Dornbusch, Eschersheimer Landstraße 240, wurde ein Tabakladen frei: das Zigarrenhaus. Der Vorbesitzer wollte auswandern, Ringling griff zu. Kein Fehler. Dauernd geht die Tür seines Ladens. Tabak, Paper, Zigaretten, Lottoscheine, Zigarren, Filter, Kaffee, Rätselhefte, Magazine, Zeitungen reicht er über die Theke. Die Stammkunden seines Vorgängers sind geblieben, neue Kunden sind dazugekommen. Ringling sagt: „An manchen Tagen mach’ ich einen Superumsatz.“ Und an den meisten anderen ist er immer noch ordentlich.

          Der Tod des Motörhead-Sängers weckt Erinnerungen

          Dass Ringling das alte Leben aufgab, lag nicht nur daran, dass sich das Rockgeschäft verändert hatte. Es lag auch daran, dass er mittlerweile Familienvater war. Frau und Tochter fanden es schon eine ganze Weile nicht mehr witzig, dass er jedes Jahr fünf, sechs Monate unterwegs war, zwischendurch einen Tag daheim, um die Wäsche zu waschen. Ringling verstand die Signale. Nun hat er geregelte Arbeitszeiten, eine Mitarbeiterin und immer etwas zu rauchen. Um spätestens Viertel nach sieben ist er in seinem Reihenhaus in Preungesheim. Alles gut. Aber neulich, als Lemmy Kilmister, der Sänger von Motörhead starb, hat sich Ringling wieder an die alten Zeiten erinnert.

          Neue Welt: Matteo Ringling in seinem Tabakladen in Frankfurt

          Angefangen hat der Mann, der eigentlich Matthias heißt, aber nur Matteo genannt wird, 1982 als „Stage Hand“. Ringling, 1960 in Kassel geboren, als Kleinkind nach Frankfurt gekommen, studiert Jura an der Goethe-Uni. Geld verdient er als Gitarrenlehrer an der Volkshochschule, doch die macht jedes Jahr ein paar Monate Pause. Ringling braucht Geld. Da fragt ihn ein Freund, ob er Lust hat, im Stadion am Bieberer Berg beim Konzert von Simon and Garfunkel zu helfen. Ringling schleppt die schweren Leuchten, er packt hier an, er hört dort zu. Im Offenbacher Stadion feiern derweil 40 000 Fans den Auftakt der Deutschland-Tournee.

          Ringling muss beim Lampentragen eine Menge richtig gemacht haben. Er fällt einem Veranstalter auf, für den er den Vorverkauf der Tickets übernimmt: Er bringt die Karten zu den Vorverkaufsstellen, holt die Restkarten am Konzerttag wieder ab und bucht erste Locations. Kurz darauf wechselt er zur Konzertagentur Lippmann und Rau. Dort übernimmt er am Anfang Fahrerjobs. Der erste Künstler, den er kutschiert, ist Al-Jarreau. „Danach hatte ich sie alle an der Backe.“

          Weitere Themen

          Der Kampf im Exil

          Tomislav Kezharovski : Der Kampf im Exil

          Der mazedonische Journalist Kezharovski hat Aufnahme in Darmstadt gefunden. Er berichtet von seiner Haft und Verfolgung in seiner Heimat.

          Ein Ordnungsamt für drei Kommunen

          Im Usinger Land : Ein Ordnungsamt für drei Kommunen

          Gemeinsam sind sie stärker: Usingen und Neu-Anspach arbeiten auf vielen Gebieten zusammen und teilen sich nicht nur ein Ordnungsamt. Jetzt wurde der Bezirk um eine weitere Gemeinde erweitert.

          Topmeldungen

          Singapur oder China : Wer hat das Erfolgsrezept gegen das Coronavirus?

          „Die Welt ist in eurer Schuld“ – so würdigt die WHO die großflächige chinesische Quarantäne-Politik. Ein Beispiel für die Welt? Singapur zeigt, wie die Seuche auch mit der „lokalen“ Lösung in den Griff zu bekommen ist.
          Was nun?

          Scherbaums Börse : Was können Anleger jetzt tun?

          Das Coronavirus dominiert das Geschehen an den Börsen. Die heftigen Kursverluste von Aktien und der im Gegenzug gestiegene Goldpreis überrascht Experten nicht. Und nun?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.