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Der Lokaltermin : Schneekrabbe und Kalbstatar

Anspruchsvoll, aber zugänglich: die Räume des „Weinsinn“ Bild: Wonge Bergmann

Ein Abend im „Weinsinn“ im Frankfurter Westend ist ein Erlebnis. Und das liegt nicht nur an den ambitionierten, aber keinesfalls abgehobenen Menüs mit dazu passendem Wein. Der Lokaltermin.

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          Noch ist von Umzugsstress nichts zu spüren. Zumindest nicht für die Gäste. Matthias Scheiber und sein Team kümmern sich so entspannt und gewissenhaft wie immer um die Tische in ihrem kleinen Lokal, und in der Küche sind André Rickert und seine Brigade ebenfalls mit voller Konzentration am Werk. Nun ist es bis zum Ortswechsel ja auch noch eine Weile hin, aber anstrengend wird der Neuanfang für alle Beteiligten auf jeden Fall.

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Schließlich ist es keine Kleinigkeit, ein etabliertes, mit einem Stern ausgezeichnetes Restaurant wie das „Weinsinn“ mitsamt seiner Mannschaft, seinen Stammgästen und seinen gewachsenen Strukturen an anderer Stelle neu aufzumachen. Aber etwas anderes bleibt Inhaber Scheiber und Chefkoch Rickert nicht übrig. Der Mietvertrag wurde nicht verlängert, und so müssen die beiden das Lokal an der Fürstenbergerstraße Ende September schließen. Ein neuer Standort ist allerdings schon gefunden – Scheiber will nur noch nicht verraten, wo das neue „Weinsinn“ seine Türen öffnen wird.

          Alles andere als übertrieben

          Die Gäste spüren von all dem ohnehin nicht das Geringste. In den beiden miteinander verbundenen Räumen des Restaurants im Hochparterre eines Eckhauses im Westend geht es so ungezwungen und unaufdringlich zu wie eh und je. Im Herbst 2009 als Bistro mit einem gewissen Anspruch und einer großen Weinauswahl eröffnet, hat sich das „Weinsinn“ im Lauf der Jahre zu einem der besten Restaurants in Frankfurt entwickelt – und wurde schließlich 2013 mit dem verdienten Michelin-Stern bedacht.

          Dass Matthias Scheiber und seine Frau Milica Trajkovska Scheiber zwei Jahre später mit dem „Gustav“ am Reuterweg ein weiteres Restaurant eröffneten und sich dort schon nach sieben Monaten über den nächsten Stern freuen konnten, spricht nicht nur für ihre Tatkraft, sondern auch für ihr gastronomisches Gespür.

          Inzwischen werden im „Weinsinn“ nur noch Menüs serviert. Die Karte wechselt alle paar Wochen, zur Auswahl stehen stets sieben Gerichte, zwei Vorspeisen, ein Zwischengericht, zwei Hauptgänge und zwei Desserts. Zurzeit sind darunter zum Beispiel eine ungewöhnliche Kombination von Königsberger Klops, Schneekrabbe, Erbsen und Rübchen und ein Parmesan-Ravioli mit Spinat und Artischocke. Für drei Gänge zahlt der Gast 65 Euro, für vier Gänge 75, für fünf Gänge 85 und für sechs Gänge 95 Euro – und das ist angesichts dessen, was dann im Lauf des Abends serviert wird, alles andere als übertrieben.

          Gruß aus der Küche

          Rickert kocht ambitioniert, aber nicht abgehoben. Gerichte wie das in einer dünnen Scheibe Kalbsrücken eingerollte Kalbstatar mit Champignons, Kopfsalat und Parmesan oder der Kabeljau, der mit Creme und Crumble vom Blumenkohl und einem dezenten, aber aromatisch perfekt abgestimmten Curry-Schaum auf den Teller kommt, zeigen, wie gut er den Spagat zwischen Anspruch und Zugänglichkeit beherrscht.

          Das gilt für die großen Gerichte, etwa wenn er Zweierlei vom Rind mit Aubergine, Kartoffel und einer wunderbar intensiven Jus servieren lässt, aber auch für die Kleinigkeiten, die vor dem Menü als Gruß aus der Küche kommen, wie neulich zum Beispiel Crostini mit Geflügelleber und Apfel-Gel.

          Ein Erlebnis

          Die passenden Weine dazu findet der Gast in der mehr als 280 Positionen umfassenden Karte – aber viel besser beraten ist er im Wortsinn, wenn er sich an die Empfehlungen von Sommelier Dietmar Fritz hält. Der hat nicht nur viele ungewöhnliche und vor allem gereifte Tropfen in petto, sondern er setzt mit seiner Weinbegleitung auch ohne viel Aufhebens eigene Akzente, die Rickerts Gerichten eine zusätzliche Dimension verleihen.

          Das alles macht einen Abend im „Weinsinn“ tatsächlich zu einem Erlebnis. Wer noch nie dort war, sollte bis Ende September unbedingt noch einmal am angestammten Platz an der Fürstenbergerstraße essen und trinken – und sich dann auf den Neustart freuen.

          „Weinsinn“, Fürstenbergerstraße 179, Westend, Telefon 56 99 80 80, www.weinsinn-frankfurt.de. Geöffnet dienstags bis samstags von 18.30 Uhr an.

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