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Kommentar zur Kommunalwahl : Der Knall ist hörbar

Fingerzeige: Ob Frankfurts CDU-Kämmerer Uwe Becker (links) und Minister Boris Rhein (CDU, rechts) dem SPD-Rathauschef Peter Feldmann (Mitte) das AfD-Ergebnis erklären? Bild: Wolfgang Eilmes

Worüber haben die Hessen geurteilt? Über die Flüchtlingspolitik haben sie ihr Urteil gesprochen, das zeigen die Ergebnisse der AfD. Wo die AfD nicht antrat, profitierte vielerorts die FDP.

          Wo sie kandidiert, schafft die AfD locker zehn Prozent und mehr. Das lässt sich nach der Kommunalwahl in Hessen sagen, auch wenn längst noch nicht alle Wahlzettel ausgezählt sind. Dass die AfD nur in zwölf von 150 Kommunen im Rhein-Main-Gebiet mit Kandidaten antrat, ändert an der Sache ebenfalls nichts.

          Was bedeutet das? Ein Urteil über die Arbeit der schwarz-grünen Landesregierung sei die Kommunalwahl nicht gewesen, sagt Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Da hat er recht. Er hätte auch sagen können, das Unentschieden von Eintracht Frankfurt gegen Ingolstadt sein kein Präjudiz für die Fußball-Europameisterschaft. Worüber haben die Hessen aber dann geurteilt?

          Wo die AfD nicht antrat, profitierte vielerorts die FDP

          Über die Flüchtlingspolitik haben sie ihr Urteil gesprochen, jedenfalls haben das so viele getan, dass die AfD Ergebnisse teils um die 15 Prozent erzielte, so im Main-Taunus-Kreis und in Gießen. Und wo die AfD nicht antrat, profitierte vielerorts die FDP, in Kriftel und in Kronberg, in Liederbach und in Langen. Die politisch unterschiedlich schattierten freien Wählervereinigungen legten ebenfalls zu, bei der Bürgermeisterwahl in Hattersheim kommt ihr Kandidat in die Stichwahl.

          Wo sie kandidiert, schafft die AfD locker zehn Prozent und mehr

          Per saldo hat die CDU verloren, wenn auch nicht überall, in Bad Homburg hat sie dazugewonnen und in Bad Vilbel und in Karben wurden die CDU-Bürgermeister mit Mehrheiten jenseits der 60 Prozent wiedergewählt. Federn gelassen haben auch die Grünen, sie fallen – Ausnahme Darmstadt – auf ihren Vor-Fukushima-Wählerstamm zurück. Zugelegt hat hingegen die SPD, auch sie nicht überall, in Darmstadt und in Friedberg zum Beispiel hat sie verloren.

          So bleiben doch etliche lokale Besonderheiten, tüchtige Bürgermeister und weniger überzeugende Dezernenten, nicht überall ist der Trend gleichermaßen zu Hause. Aber der Schuss war deutlich zu hören.

          Und noch ein Ergebnis weist über den Tag hinaus: Schwarz-Grün ist in der Kommunalpolitik kein Selbstgänger. In Darmstadt hält sich Grün-Schwarz, aber in Frankfurt und in Eschborn ist, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen, Schwarz-Grün perdu.

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