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Mainz 05 : Der Karnevalsverein feiert Fastnacht

  • -Aktualisiert am

Keineswegs alleine: Spieler des FSV Mainz 05 auf der Bühne der Fastnachtsveranstaltung. Bild: Michael Kretzer

Mainz 05 wagt endlich mal echte Fastnacht: Die erste Sitzung der Vereinsgeschichte ist ein weiterer Baustein in der Arbeit am Image. Fürs emotionale Highlight sorgt ein Spieler.

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          Zum heimlichen Star des Abends avancierte einer, mit dem niemand gerechnet hatte und der wahrscheinlich selbst nicht so genau wusste, was gerade Sache war: Kunde Malong. Er ist seit Sommer Bundesligafußballer des FSV Mainz 05 und war am Dienstag zum ersten Mal in seinem Leben auf einer Fastnachtssitzung. Als auf der Bühne Comedian Sven Hieronymus Reime auf seinen Namen begann („Wer hat die Schuhe falsch gebunde?“) und der Saal mit lautem „Kunde, Kunde“ antwortete, als ihm zudem seine Mannschaftskollegen versicherten, er müsse jetzt nach oben gehen, machte der Kameruner sich auf den Weg zum verdutzten Hieronymus und ließ sich feiern.

          Es war einer der Höhepunkte der Veranstaltung, die auch für Kundes Klub eine Premiere darstellte: Noch nie in den 114 Jahren des Vereinsbestehens hatten die Nullfünfer sich über die Teilnahme am Rosenmontagszug hinaus närrisch betätigt, wie Vorsitzender Stefan Hofmann anmerkte. Mit dieser Zurückhaltung aber soll jetzt Schluss sein, der selbsternannte Karnevalsverein will seinem Ruf fortan auch außerhalb der Stadien gerecht werden. Schließlich hatte sich in der vor einem halben Jahr vorgenommenen Leitbildumfrage unter Mitgliedern und Fans die Fastnacht als Alleinstellungsmerkmal des Vereins klar herauskristallisiert.

          Das Programm stellte der Stadionsprecher zusammen

          Noch-Stadionsprecher Klaus Hafner warf nicht nur die Idee einer eigenen Benefizsitzung in den Raum, deren Erlös je zur Hälfte „Mainz 05 hilft“ und dem Kinderschutzzentrum zukommt. Hafner kümmerte sich, als langjähriger Chef des Carneval-Clubs Weisenau tief in der vierfarbbunten Szene verankert, auch um die Programmzusammenstellung. Dabei auf Sven Hieronymus zurückzugreifen, lag nahe, schließlich sitzt der im Aufsichtsrat des Vereins. Und der Bühnenprofi erwies sich mit seiner auf den Bundesligaklub zugeschnittenen Nummer als Volltreffer. Nicht nur wegen Kunde Malong.

          Unter die bekannten Fastnachter wie Fernsehsitzungspräsident Andreas Schmitt, „Bohnebeitel“ Helmut Schlösser, Jürgen Wiesmann alias Ernst Lustig, die Mainzer Hofsänger oder den als Redakteur auftretenden Rüdiger Schlesinger – dessen Kehrreimvortrag erahnen ließ, warum so viele Zeitungen mit Abonnentenschwund kämpfen – mischte sich auch ein in Narrenkreisen eher unbekanntes Gesichts: Tobias Rinauer, Mitarbeiter der Vereins-Presseabteilung, der sich ganz dem Geschehen im und um den Klub widmete und schön zwischen feiner Florettklinge und groben Degenhieben variierte.

          Fastnacht für Fußballer: Pierre Kunde und Anthony Ujah finden es offenbar amüsant.

          Als „Pöbelrentner“ nahm er sich unter anderem die gerne zündelnden Fans der Ultra-Szene zur Brust: „Unn dann unsre Pyro-Boys, die klaane Schisser / koo Haar am Sack, 12, aber Fan-Besserwisser. / Geht doch im Dom euer Dauerschleif singe, / dann kann sich aach jeder e Kerzje mitbringe. / Unn wenn ihr die do in de Halter noischraubt, / ist anzünden sogar ausdrücklisch erlaubt.“ Einen Gruß schickte Rinauer auch nach Kaiserslautern, wo heutzutage „statt Fritz nur noch der Insolvenz- ver-Walter“ am Werk sei.

          Gefeiert wurde ohne den Trainer

          Nur eine Frage blieb offen: Waren die Scheich-Kostüme der Vorstandsmitglieder Stefan Hofmann, Rouven Schröder und Jan Lehmann ein erster Hinweis darauf, dass die Nullfünfer nach potenten Investoren Ausschau halten? Das könnte Rinauer dann bei der Sitzung im nächsten Jahr thematisieren.

          Einer fehlte übrigens: Sandro Schwarz. Den Trainer, gebürtiger Mainzer und bekennender Freund der Fastnacht, hatte ein grippaler Infekt erwischt. Statt mit seinen Kollegen als jamaikanischer Viererbob verkleidet in den Saal einzuziehen, lag er zu Hause danieder. Per „WhatsApp“ ließ er wissen: „Ich könnte heulen.“

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