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Weltkriegsbombe in Frankfurt : Der souveräne Sprengmeister

Gelassen und souverän: Sprengmeister Dieter Schwetzler hat die Bombe in Frankfurt gezündet. Bild: Wonge Bergmann

In wenigen Stunden 25.000 Menschen in Sicherheit gebracht und eine Bombe im dicht besiedelten Nordend sicher gesprengt – die „Nacht der Bombe“ im Nordend hat viele Geschichten hervorgebracht.

          6 Min.

          Der Bombenentschärfer

          Als am Mittwoch kurz nach Mitternacht der Knopf gedrückt wurde und die Bombe explodierte, stand Dieter Schwetzler zwei Straßen weiter hinter den Häusern und konnte nur noch hoffen. Er spürte, wie die Erde bebte, hörte das Grollen. Die Sprengkraft, die sich in die Erde entlud. Dann hörte er es pfeifen, etwas flog an ihm vorbei. Ein Bombensplitter, vermutet er. So stellt man sich die Arbeit eines Bombenentschärfers vor. Immer nah dran. Und nach getaner Arbeit sieht man das Leben dann wieder ein bisschen gelassener.

          Katharina Iskandar
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
          Falk Heunemann
          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
          Matthias Trautsch
          Koordination Reportage Rhein-Main.
          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wobei Schwetzler ohnehin ein Mensch ist, der die Ruhe in sich trägt. Der 64 Jahre alte gebürtige Westfale hat inzwischen so viele Bomben entschärft, dass er sie kaum noch zählen kann. Die im Nordend gehörte auf jeden Fall zu den schwierigeren Exemplaren. Dagegen war die Riesenbombe auf dem Uni Campus Westend vor vier Jahren fast „harmlos“. Die war zwar groß, aber drohte nicht, bei der kleinsten Erschütterung zu explodieren. „Einfach ist so eine Bombenentschärfung oder, wie in diesem Fall eine Sprengung, nie“, sagt der Feuerwerker, der seinen Tag immer um halb sieben Uhr morgens beginnt. „Der Nervenkitzel ist immer da.“ Angst? Die habe er nicht. „Das verdrängt man, wenn man an der Bombe steht. Allerdings habe ich sehr großen Respekt.“ Sein Handwerk hat Schwetzler bei der Bundeswehr gelernt. Als er – als Wehrpflichtiger – seinen Dienst antrat, suchte man dringend Feuerwerker. So kam der Vierundsechzigjährige in die Abteilung für Abwurfmunition. Frankfurt ist inzwischen so eine Art zweites Zuhause geworden. Weil in der Stadt so viel gebaut wird, werden viele Bomben gefunden, die Schwetzler mit seinem Team dann entschärfen – oder eben sprengen – muss. 2010 kam er schließlich zum Regierungspräsidium Darmstadt. Seit 2017 leitet er den Kampfmittelräumdienst.

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