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FSV Frankfurt : Durch die Waschanlage zum Klassenerhalt

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Verträge, die zur Bürde werden können

Das Vertrauen von Oral und Finanzchef Clemens Krüger spürte Stöver immerhin noch. Der Geschäftsführer Sport, der maßgeblich dazu beigetragen hatte, dass der FSV in den zurückliegenden fünf Spielzeiten jeweils die Klasse halten konnte, hätte sich nicht aus der Verantwortung gestohlen. Und Krüger wäre es offenbar lieber gewesen, wenn Stöver mit an Bord geblieben wäre. Der Finanzchef sagte am Montag auf der Pressekonferenz des Klubs: „Ich hätte liebend gerne darauf verzichtet, hier zu sitzen. Uwe war ein sehr loyaler, guter, fleißiger und fähiger Geschäftsführer Sport.“ Womöglich hat Krüger in diesem Moment auch daran gedacht, was mit ihm passieren wird, wenn der FSV den Klassenverbleib nicht schaffen sollte.

Schließlich nimmt er für sich in Anspruch, über großen sportlichen Sachverstand zu verfügen. Dementsprechend involviert war er in die Vorgänge. Den Abstieg müsste also auch er sich ankreiden lassen. Hätte dann auch Krüger keine Zukunft mehr beim FSV? Diese Frage müsste wiederum das Präsidium beantworten. Im Fall der weiteren Zugehörigkeit zur zweiten Liga hätten Stöver und Möhlmann jeweils noch einen Vertrag bis Juni 2016. Wirtschaftlich wäre das eine große Bürde für den finanzschwachen FSV. Es würde die Arbeit von Krüger ohne zusätzliche Sponsoren erheblich erschweren.

„Oral hat die FSV-DNA“

Zurück in die Zukunft: „Es ist unsere letzte Patrone“, sagte Vizepräsident Walter Schimmel zur Verpflichtung von Oral. Der Wahl-Frankfurter, dessen neuer Assistenztrainer der ehemalige FSV-Spieler Bernd Winter ist, hatte sich die zurückliegenden Heimspiele angeschaut – am Sonntag gegen Berlin als „Fan auf der Tribüne“. Im „VIP“-Raum unterhielten sich Oral und Krüger rege miteinander. Krüger war es dann auch, der später den Trainer kontaktierte. Und der leichtes Spiel hatte. „Ich durfte nicht nein sagen. Es war eine Herzensangelegenheit“, sagt Oral. „Der FSV ist ein Stück weit auch mein Verein.“ Einst hatte er die Frankfurter auf direktem Weg von der Oberliga Hessen in die zweite Liga geführt. Eingedenk der Aufstiege zuvor mit der zweiten Vereinsmannschaft war er der Bornheimer Erfolgstrainer. Nach dem Aufstieg im Jahr 2008 blieb Oral noch bis zum Oktober 2009 beim FSV. Damals trat er von sich aus zurück, weil er unter anderem die Rückendeckung des ehemaligen Geschäftsführers Bernd Reisig vermisst hatte. Cheftrainer war Oral anschließend bei RB Leipzig und in Ingolstadt. Auch sein Engagement als Assistenztrainer von Felix Magath beim FC Fulham liegt nun schon einige Monate zurück. Oral war deshalb frei für den Krisenfall FSV. Ob er über diese Saison hinaus bleiben wird, darüber ist angeblich noch nicht gesprochen worden.

„Tomas Oral hat die FSV-DNA“, sagt Krüger. Von der Aufstiegsmannschaft noch mit dabei ist Torhüter Patric Klandt. Er sagt: „Tommy wäre der Richtige, wenn wir das Spiel in Düsseldorf gewinnen. Er ist ein Motivator.“ Viel bewegen wird Oral nicht mehr können. Es wird vor allem darum gehen, die Stimmung zu verbessern. Mit der richtigen Ansprache die Köpfe der Spieler frei zu bekommen. „Sie wieder aufzurichten, ist so ein bisschen das Einzige, was man jetzt tun kann“, findet Klandt. Krach soll es in der Mannschaft nicht geben. „Der Zusammenhalt ist so, wie er sein müsste“, sagt Kapitän Manuel Konrad. „Was in den einzelnen Köpfen vorgeht, weiß ich aber nicht.“ Der neue, alte Trainer ist der letzte Strohhalm, an den sich die Verantwortlichen nun klammern. Im Eiltempo soll er der Türöffner für den Klassenverbleib sein. Dieser steht durch den rasanten Abwärtstrend mehr denn je in Frage. „Ich bin kein Zauberer“, sagt Oral.

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