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Kulturdenkmal : Parks des Friedens

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Historisch: Der jüdische Friedhof an der Battonnstraße gehört zu den ältesten jüdischen Gräberfeldern in Europa. Bild: Cornelia Sick

Der Friedhof ist das Kulturdenkmal des Jahres 2015. Ausgerechnet in Frankfurt, das sich in den vergangenen Jahrzehnten so stark verändert hat wie kaum eine andere deutsche Stadt, sind besonders viele unterschiedliche Typen von Grabfeldern erhalten geblieben.

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          Den „Heiligen Sand“ in Worms stellt nichts in den Schatten. Der Friedhof in der Nähe des Doms gilt als das älteste erhaltene jüdische Grabfeld Europas. Er ist wahrscheinlich gleichzeitig mit dem Bau der ersten Synagoge in Worms um das Jahr 1034 angelegt worden. Sein ältester, noch heute erhaltener Grabstein stammt aus dem Jahr 1058/59.

          Mit solchen historischen Superlativen kann der jüdische Friedhof in Frankfurt nicht mithalten. Aber auch der Gottesacker an der Battonnstraße gehört zu den frühesten jüdischen Gräberfeldern auf dem Kontinent. Trotz der Zerstörungen im Dritten Reich hat sich der Charakter des Friedhofs mit seiner sanft gewellten Grasfläche und den aus Erdreich und Laub aufragenden Reliefplatten erhalten. Durch die Bestattung übereinander wurde der knappe Raum über die Jahrhunderte genutzt, entsprechend dicht sind die Grabmäler aneinandergerückt – aber rund 4000 vom auf 6500 geschätzten Gesamtbestand wurden zerschlagen und teils zu Baumaterial verarbeitet.

          Zu klein für die wachsende Stadt

          Auf das Jahr 1278 ist der älteste Stein datiert, 1828 wurde das letzte Mitglied der Israelitischen Gemeinde auf dem Areal beigesetzt. Jeder Stein überliefert außer dem Namen des Verstorbenen und dem Tag seiner Beerdigung auch seine guten Taten, seine Frömmigkeit und seine soziale Einstellung. Auch ohne Kenntnisse des Hebräischen ist die Spurensuche möglich, denn bildhafte Bestandteile im Kopf der Tafeln geben außerdem Auskunft: Zwei Hände kennzeichnen den segnenden Geistlichen, die Weintraube steht für ein Mitglied der Familien Weinreb oder Weinberg, ein Fisch kann für den Namen Fischer oder als Hinweis auf Fruchtbarkeit gemeißelt worden sein. Für die Juden waren die Plätze der Verstorbenen unantastbar, und so entstanden durch die zusätzlichen Gräberschichten kleine Hügel, etwa der Hügel der Märtyrer, in dem die Opfer der Pogrome von 1241 und 1349 bestattet wurden.

          So viel Rücksichtnahme gab es bei den christlichen Friedhöfen nicht. Selbst der im Jahr 1452 an der damaligen nördlichen Stadtbefestigung als Nachfolger für den Kirchhof am St.-Bartholomäus-Dom eröffnete Peterskirchhof wurde für den Bau der Stephanstraße und der Liebfrauenschule teilweise eingeebnet. Aber schon im 17.Jahrhundert war das Gelände zu klein für die wachsende Stadt geworden, so dass ein Chronist notierte, der Platz sei „dergestalt mit todten Cörpern überhäuft, dass man fast kein Grab daselbst machen kann“.

          Die alte Form des Friedhofs lässt sich nur erahnen

          Trotz der beengten Verhältnisse schafften es prominente Familien wie die Bethmanns, die Brentanos, die Merians und die Passavants, sich mit repräsentativen Epitaphien der Renaissance, des Barocks, Empire und Klassizismus an den Mauern zu verewigen. Das Gleichmaß der Blendnischen unter den Schwibbögen wurde dabei bald durch Säulenportale, Baldachine und andere repräsentative Bauformen durchbrochen. Die stetigen baulichen Eingriffe führten zum Verlust von etwa 160 Grabmälern, und den Bombenangriffen des Zweiten Weltkriegs fielen weitere 75 Denkmäler zum Opfer.

          Erhalten ist das 1909 entdeckte Grab von Goethes Vater Johann Kaspar, während die Mutter „Frau Aja“ im Textorschen Familiengrab vom Pausenhof der Schule eingeholt wurde und Schutz vor dem Übermut der Kinder durch ein Halbrund aus Sandsteinpfeilern gefunden hat.

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