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FSV Frankfurt : Der Höhenflug des FSV

  • -Aktualisiert am

Kaum zu halten: Der FSV Frankfurt eilt in der Zweiten Fußball-Bundesliga derzeit von Sieg zu Sieg. Bild: Imago

In der Rückrunde der Zweiten Fußball-Bundesliga ist keine Mannschaft erfolgreicher als Frankfurt. Siege gegen Nürnberg, Leipzig und Kaiserslautern sind die Frucht harter Arbeit. Eine Analyse.

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          Die Mannschaft

          Stürmer Edmond Kapllani ist jetzt nur noch Bankdrücker, und der ehemalige Kapitän und Innenverteidiger Björn Schlicke muss sogar auf der Tribüne sitzen – die neue Hierarchie und Platzvergabe beim FSV sagt einiges über die neue Qualität der Bornheimer auf dem Platz aus. Der Kader ist in der Breite durch die Neuverpflichtungen von Timm Golley (Fortuna Düsseldorf), Florian Ballas (Hannover 96) und Patrick Schorr (Hoffenheim) stärker geworden. Durch die Rückkehr verletzter Profis wie dem offensiven Außenbahnspieler Odise Roshi und Stürmer Amine Aoudia hat auch der Konkurrenzkampf noch einmal zugenommen. „Jeder muss um seinen Platz streiten“, sagt Sportchef Uwe Stöver. Ausruhen kann sich keiner. Die beiden Innenverteidiger Hanno Balitsch und Joan Oumari zählen in der momentanen Verfassung zu den Stärksten der zweiten Liga. Kein Wunder, dass die Frankfurter Oumari, den mehrere Vereine aus dem Ausland verpflichten wollen, bis zum Saisonende nicht abgeben werden. Das unterstrich Stöver am Sonntag. Den Vertrag von Abwehrchef Balitsch würden die Bornheimer gerne über diese Saison hinaus verlängern. Der ehemalige Bundesligaprofi will aber abwarten. „Hanno bekommt die Zeit von uns für seine Überlegungen“, sagt Stöver. Innenverteidiger Tom Beugelsdijk ist nun auch nur noch zweite Wahl. Oumari beherrscht die Spieleröffnung besser als sein kantiger Mannschaftskollege aus Holland. Zweikampfstark ist der Deutsch-Libanese ohnehin. Im Angriff geht auch Aoudia nach überstandenem Kreuzbandriss keinem Zweikampf aus dem Weg. Der algerische Nationalspieler kämpft selbst in der Rückwärtsbewegung um jeden Ball. Von allen Angreifern ist er der engagierteste Mitarbeiter. Auch das ist ein Fortschritt im FSV-Spiel. Nur am kommenden Freitag in Bochum fehlt er aufgrund seiner Gelb-Roten Karte gegen Kaiserslautern. Zum Ärger seines Trainers Benno Möhlmann hatte sich Aoudia nach schlechter Ballannahme ein unnötiges Foul geleistet. So dürfte Zlatko Dedic gegen seinen früheren Klub Bochum von Beginn an zum Einsatz kommen. Für den bisherigen Ersatzspieler ist es ein großer Sprung nach vorne.

          Der Trainer

          Benno Möhlmann ist als Antreiber in die Rolle des „Quälix“ geschlüpft. Er ließ seine Spieler in der Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte mächtig laufen und schwitzen. „Wir haben ein paar Wochen Wert auf konditionelle Dinge gelegt“, sagt er. Der Trainer zog sein Programm durch, weil für ihn die Resultate in den Testspielen nachrangig waren. Mit dem Ergebnis, dass seine Profis dann in den Punktspielen auf den Punkt topfit waren. Drei Siege in den drei Begegnungen des Jahres 2015 gegen die Aufstiegsanwärter Nürnberg, Leipzig und Kaiserslautern künden davon. Beim 2:0-Heimsieg über den FCK war der FSV physisch stärker als sein prominenter Gegner. Der Sieger strotzte vor Kraft. Kapitän Manuel Konrad imponierte vor allen anderen mit neuem Behauptungswillen im Mittelfeld – wie auch die Aktivität von Marc Kruska deutlich zugenommen hat. Einen solchen Störenfried schätzt kein Gegenspieler. Auch Alexander Bittroff profitiert augenscheinlich von der Anschubhilfe seines Trainers. Nach Anlaufschwierigkeiten in der ersten Saisonhälfte präsentiert sich der Linksverteidiger jetzt durchsetzungsstark – auch im Spiel nach vorne. „In der Vorbereitung sind wir an unsere Grenzen gegangen. Es hat richtig weh getan“, sagt Balitsch. Dass die Frankfurter eine Schippe drauf gelegt haben, zahlt sich für sie aus. Die Schmerzen sind vergessen. Die Freude und der Stolz über das Geleistete dominieren.

          Die Einstellung

          Mit der körperlichen Fitness ist auch das Selbstbewusstsein der Spieler gestiegen. Sie haben nun die mentale Härte für Überraschungssiege. Erfolge, die die spielerische Weiterentwicklung der Mannschaft belegen. „Sie traut es sich einfach zu, solch ein Spiel wie gegen Kaiserslautern zu gewinnen“, sagt Möhlmann. „Sie erzählt nicht nur, sondern tut etwas dafür.“ Oft hatte der Trainer im ersten Saisonabschnitt die teilweise fehlende Umsetzung des Vorgenommenen beklagt. Möhlmann kritisierte, dass es einige Spieler nicht hinbekämen, mit hundert Prozent bei der Sache zu sein. Momentan aber schert keiner aus. Der FSV bildet eine erfolgsorientierte Gemeinschaft, die mit großer Entschlossenheit und hoher Konzentration ihre Ziele verfolgt. Angeführt wird sie von Führungsspielern wie Konrad, Balitsch und Offensivmann Vincenzo Grifo, deren Akzeptanz groß ist. Die neue Frankfurter Kompaktheit wird noch viele Gegner vor eine Herausforderung stellen. „In unserem Team steckt ein enormes Potential“, sagt Grifo, der mit sieben Saisontreffern der Toptorschütze ist. Dieses entfalten die Frankfurter, die in ihrem Stadion in der Hinrunde ohne Erfolgserlebnis blieben, jetzt auch vor eigenem Publikum.

          Die Variabilität

          Ob 4-1-4-1, 4-2-3-1 oder auch 4-3-2-1 – mit den verschiedenen Spielsystemen kann der FSV variabel auf die jeweiligen Herausforderungen reagieren. Und dank der größeren Personalstärke können die Bornheimer ihre Systeme mit mehr Leben füllen. „Wir sind schwerer auszurechnen“, sagt Stöver. Jetzt muss der FSV „nur“ noch Konstanz in sein neues Topniveau bringen. „Nicht, dass wir jetzt in eine Phase der Zufriedenheit kommen, in der wir denken, das läuft ganz von allein so weiter“, sagt Möhlmann. Sonst droht ganz schnell der Absturz auf dem neuen Höhenflug.

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