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Der Eintracht-Gegner: Hannover 96 : Noch kommt Slomka mit den Niedersachsen

  • -Aktualisiert am

Ein Herz für die Frankfurter, da für die Münchner: Mirko Slomka. Bild: dpa

Mirko Slomka spricht gern über die Eintracht. Er wird aber als nächster Trainer des FC Bayern München gehandelt.

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          Mirko Slomka hätte wesentlich lieber länger über den nächsten Gegner gesprochen - über die „Spitzenmannschaft Eintracht Frankfurt“, für deren Fußballstil er gleich zahlreiche schmeichelhafte Beschreibungen fand. Doch die Fragen bei der Pressekonferenz am Donnerstag drehten sich fast ausschließlich um ein Thema: Wird Mirko Slomka der nächste Trainer des FC Bayern München? In der niedersächsischen Landeshauptstadt wird vor der Partie am Samstag in Frankfurt lebhaft diskutiert, ob der 45 Jahre alte Fußball-Lehrer tatsächlich ein Kandidat für die Nachfolge von Jupp Heynckes bei den Bayern im nächsten Sommer sein könnte. Slomkas Vertrag in Hannover läuft 2013 aus. Dann endet wohl auch Heynckes’ Zeit bei den Münchnern. Wie immer, wenn Hannover und Slomka sich annähern wollen, sind die Gespräche außerordentlich zäh. Slomka betont zwar, sein Berater Harun Arslan sei in guten Gesprächen mit der Klubführung um Präsident Martin Kind und Sportchef Jörg Schmadtke. Doch ausgerechnet Kind goss Öl ins Feuer, als er sagte, er werde persönlich mit einer Flasche Champagner bei seinem Coach vorbeifahren, um zu gratulieren, würde der in München unterschreiben. Daraus musste die Überschrift werden: „Kind lobt Slomka weg.“ So kam es auch.

          Gemeint war natürlich nur, dass es doch eine Auszeichnung für die Arbeit der „Roten“ von der Leine sei, wenn sich Deutschlands wichtigster Verein für den ersten Übungsleiter bei 96 interessiere. Kind würde den neuen Kontrakt mit Slomka bis 2016 am liebsten noch in diesem Jahr unterschrieben sehen. In Hannover wissen sie, was sie an Slomka haben. Doch auch Slomka hat in dem Medien-Spielchen mitgemischt und in einer Zeitungskolumne geschrieben, er halte die Gerüchte für „verständlich“, da doch nun einmal die Verträge von Heynckes und ihm ausliefen. Darüber hinaus verstehe er sich vorzüglich mit Bayern-Klubchef Uli Hoeneß: „Wir haben eine sehr angenehme Ebene.“ Slomka ist sehr smart, tritt meist höflich und lächelnd auf, und er versteht wie kaum ein anderer das Spielchen mit den Medien. Natürlich steigert das tatsächliche oder kolportierte Münchner Interesse seinen Marktwert. Natürlich wäre ein Wechsel zum FC Bayern ein riesiger nächster Karriereschritt - den sich Slomka ohne Zweifel zutraut. Gern erinnert er in einer Art Eigenwerbung an seine Schalker Zeit von 2006 bis 2008, wo er nachwies, auch mit Stars arbeiten zu können, und unpopuläre Entscheidungen traf - etwa, indem er Frank Rost aus dem Tor nahm und einen gewissen Manuel Neuer hineinstellte. Es muss also nicht auf ewige Zeit Hannover 96 sein, obwohl er stets hervorhebt, wie wohl er sich bei diesem Verein und in dieser Stadt fühlt. Auch hat Slomka hier eine beträchtliche Machtfülle angehäuft und gilt als ziemlich unantastbar.

          Mirko Slomka könnte der Nachfolger von Bundestrainer Joachim Löw werden

          Vor allem, seit er mit seiner Mannschaft auch in dieser Saison zeigt, wie schön und erfolgreich Fußball der Marke 96 aussehen kann. Platz fünf haben die Niedersachsen derzeit inne, und trotz ziemlich viel Pech mit Verletzungen haben sie vor allem zu Hause schon wieder begeisternde Spiele gezeigt. Bei Ballbesitz ganz schnell nach vorn, das ist Slomkas ebenso simple wie erfolgreiche Devise. Allerdings ist Hannover 96 in Auswärtsspielen oft nur die Hälfte wert. Dass es dem Trainer bislang nicht gelungen ist, seinem Team in der Fremde die gleiche Stabilität zu verleihen wie daheim am Maschsee, geht in der Begeisterung über seine Arbeit etwas unter.

          Ähnliches gilt auch beim Thema Bayern München. Es gibt keine belastbaren Indizien, dass die Bayern bei Slomkas Berater angefragt haben. Auch gibt es keinen Beleg dafür, dass Slomka mit einem Wechsel zum Rekordmeister liebäugelt. Man könnte also sagen, dass es sich um eine Phantomdiskussion handelt. Aber was heute noch als ausgeschlossen gilt, kann im Fußball schon morgen Realität sein: zuletzt handelte die „Süddeutsche Zeitung“ Mirko Slomka als möglichen Kandidaten für die Nachfolge von Bundestrainer Joachim Löw.

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