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Wiesbaden : Smart, aber hart

Horst-Schmidt-Kliniken: Personalnot ist nur eines der Probleme Bild: dpa

Das Management der Helios-Gruppe agiere kopflos und handwerklich schlecht, heißt es in den Wiesbadener Horst-Schmidt-Kliniken. Den einst so guten Ruf des Hauses hat aber vorher schon der Rhön-Konzern ruiniert.

          „Darf exzellente Medizin wirtschaftlich sein?“ Dieser Frage ging Francesco De Meo, der Vorstandschef der Helios-Gruppe, auf dem Neujahrsempfang seines Konzerns in Wiesbaden nach. Sein Thema wirkte angesichts der aktuellen Umstände allzu theoretisch. Schließlich hatte der Minderheitsgesellschafter der Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) nach einer Reportage des Fernsehsenders RTL gerade erst eine signifikante Personalnot, gravierende hygienische Missstände und Fehler im Management zugeben müssen. Zu allem Überfluss kamen noch multiresistente Erreger auf der Station für Frühgeborene hinzu.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Doch De Meo ließ sich dadurch nicht beirren. Er wolle einen „fairen Brückenschlag“, kündigte der Gastgeber an. Aber kurz vor der Eröffnung des Buffets ging er zum Angriff über. Man habe sich entschuldigt, hielt er fest. „Was wir allerdings nicht akzeptieren können, das ist eine pauschalierende Hetze oder auch ein inszeniertes Anprangern aus sachfremden Motiven.“ Dann trug der 52 Jahre alte Jurist Passagen einer Rede vor, die offenkundig nicht sorgfältig genug auf Anlass und Ort abgestimmt waren. Es sei nun einmal angenehmer, das Feindbild des privaten Gesundheitskonzerns zu pflegen, „als sich über eigene mögliche Versäumnisse in der Vergangenheit Gedanken zu machen“, hieß es darin zum Beispiel.

          Missmanagement führte zu Exodus renommierter Chefärzte

          Tatsächlich konnte die Stadt Wiesbaden, die De Meo damit wohl meinte, in den zurückliegenden Jahren gar keine „Versäumnisse“ mehr begehen. Denn schon im Jahr 2012 hat die Rhön-Klinikum AG 49 Prozent der Anteile und die Verantwortung für das operative Geschäft der Horst-Schmidt-Kliniken übernommen. Die von dem Konzern entsandten Geschäftsführer benahmen sich allerdings so offensichtlich daneben, dass ihr Arbeitgeber sie wieder abzog. Vorher hatten sie jedoch einen regelrechten Exodus renommierter Chefärzte ausgelöst und den guten Ruf des Hauses ruiniert. Schon im Herbst 2013 zeichnete sich ab, dass Rhön die HSK an Helios verkaufen würde. Bis es im Sommer 2014 so weit war, dümpelte das Haus ohne jeden in die Zukunft gerichteten Impuls vor sich hin. Dies war ebenfalls nicht die Schuld der Kommune.

          De Meos Klage über die „unfaire Kritik“, die jetzt, im Zuge der Diskussionen über offenkundige Missstände in dem Wiesbadener Klinikum, an Helios geübt werde, muss auf andere Klinikstandorte seines Konzerns gemünzt sein. In Wiesbaden jedenfalls wird Helios geschont. Sicher: In den sozialen Netzwerken ist die Empörung über die offenkundig gewordene Unterbesetzung, die hygienischen Mängel und die Keime auf der Station für Frühgeborene groß. Grüne und Linke erinnern daran, dass sie immer schon gegen die Teilprivatisierung des einstmals vollständig kommunal betriebenen Hauses gewesen seien. Aber die Stadt als Mehrheitsgesellschafterin und die große Koalition in Wiesbaden fassen Helios mit Samthandschuhen an. Die CDU zeigt sich angesichts der Missstände „besorgt“, lobt aber „die schnelle Reaktion der Klinikleitung“ auf die Berichterstattung und die „Ankündigung einer schnellen Aufklärung“. Auch Oberbürgermeister Sven Gerich und der Gesundheitsdezernent Axel Imholz (beide SPD) empfinden es schon als „positives Signal“, dass die Klinik die Ursachen der Missstände von externen Fachleuten untersuchen lässt und anschließend Maßnahmen ergreifen will.

          Dass es überhaupt Kritik an Helios gebe, sei der bevorstehenden Kommunalwahl geschuldet, meint De Meo. Das Gegenteil ist richtig: Der 6. März ist der Grund dafür, dass CDU und SPD sich mit Kritik an Helios so sehr zurückhalten. Schließlich waren es die beiden großen Parteien, die in ihrer Verzweiflung über einen Schuldenberg von mehr als einhundert Millionen Euro die Teilprivatisierung des Krankenhauses gegen massive Widerstände aus Opposition und Bevölkerung durchsetzten.

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