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Rückendeckung für Frings : Der Absturz der „Lilien“

  • -Aktualisiert am

„Die Regensburger waren mit breiterer Brust unterwegs als wir“: Lilien-Verteidiger Steinhöfer zur Niederlage gegen den Jahn Bild: dpa

Darmstadt 98 verliert auch gegen Regensburg und rutscht auf Platz 16. Präsident Fritsch steht weiter hinter Trainer Frings: „Wir werden jetzt nicht rumeiern.“

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          Den „Lilien“ ging es am Sonntag wie der Rasenheizung ihrer Heimstatt am Böllenfalltor: Beide waren ihrer Aufgabe nicht gewachsen. Die Rasenheizung kam gegen das Dauerschneetreiben nicht an und die Profis des SV Darmstadt 98 nicht gegen die allgemeine Verunsicherung, die zahlreichen Problemzonen und die Last der Erwartungen. So stand die kickende SVD-Belegschaft nach einem knackig kalten und mitunter schwer erträglichen Zweitliga-Nachmittag reichlich bedröppelt auf dem Rasen, der einer zerfurchten Winterlandschaft glich. Die Pfiffe von den mit 14 600 Zuschauern besetzten Rängen erreichten nicht die volle Phonstärke – viele Zuschauer wendeten sich stumm ab, ohne die klammen Finger noch mal zum Mund zu führen. Mit der 0:1-Heimniederlage gegen Jahn Regensburg sind die Darmstädter in eine neue Krisendimension vorgestoßen: Die Anzahl der in Serie nicht gewonnenen Spiele (zehn) ist nunmehr zweistellig und der Tabellenplatz (16) mehr als bedrohlich.

          Mit dem Absturz auf den Relegationsplatz rückte nach dem Schlusspfiff wieder Rüdiger Fritsch in den Blickpunkt. Ob die Vereinsführung Cheftrainer Torsten Frings die Wende zum Besseren nach einem abermaligen heftigen Nackenschlag vor eigenem Publikum noch zutraut? Der „Lilien“-Präsident ließ keinen Zweifel daran, dass Frings noch über ausreichend Kredit verfügt. „Wir haben eine klare Entscheidung im Management getroffen. Wir werden jetzt nicht rumeiern, wie es anderswo passiert. Wir haben nicht von Endspielen gesprochen und keine Fristen gesetzt“, sagte Fritsch, dem der Frust über das auf dem Rasen dargebotene ins Gesicht geschrieben stand.

          „Giftiger war als wir“

          Die „Lilien“, seit Monaten beständig bestrebt, das angeblich befreiende Erfolgserlebnis zu schaffen, verloren verdient gegen den oberpfälzischen Aufsteiger. Die Regensburger nahmen die widrigen Spielbedingungen von der ersten bis zur letzten Minute besser, weil gleichzeitig engagierter und cleverer, an. Die „Lilien“ scheinen sich ihre trübe Lage noch immer nicht ganz vergegenwärtigt zu haben. Denn Frings musste nach Spielschluss hervorheben, dass der Jahn „giftiger war als wir“. Und das kommt einem Armutszeugnis gleich angesichts der vor Anpfiff ersichtlichen Ausgangslage, dass es auf diesem Geläuf an diesem Tag nur über die hundertprozentige Einstellung und den monotonen Kampf um zweite Bälle gehen konnte. Es passte ins Bild, dass das Tor des Tages aus einer Standardsituation resultierte: Wie Torschütze Grüttner nach einer weiten Freistoßflanke zentral wie allein zum Abschluss kommen konnte (52.), bleibt ein düsteres Darmstädter Geheimnis. Besonders zu denken geben muss den Verantwortlichen, dass sich die Mannschaft auch zum Ende des Spiels nicht mehr aufzuraffen vermochte, die Schlagzahl zu erhöhen und eine Schlussoffensive zu starten, die den Namen verdient. „Da habe ich mir mehr erwartet von den Jungs, dass sie das Spiel doch noch umbiegen wollen“, sagte Frings.

          Wohlwollend betrachtet vier Torchancen durch Roman Bezjak (9. und 57.), Terrence Boyd (56.) und Wilson Kamavuaka (66.) vermochten sich die Südhessen zu erspielen. Die Zahl von nur zwei Eckbällen verdeutlicht die lahme wie planlose Spielerei, als eigentlich Wucht, Wille und Kampf gefragt gewesen wären. Die „Lilien“ hätten nach drei Minuten schon 0:2 zurückliegen können gegen die forschen Regensburger Frühstarter. Und in der Folgezeit konnten sie sich bei Torwart Daniel Heuer Fernandes bedanken, der bei seiner Rückkehr nach siebenwöchiger Verletzungspause sofort wieder ein starker Rückhalt war.

          Seltenheit: Bezjak dabei

          Frings hatte überraschend dem quasi ausgemusterten Angreifer Bezjak eine Chance von Beginn an gegeben, nachdem sich Jan Rosenthal am Sonntag krank abgemeldet hatte. Personelle Gewissheiten gibt es bei den „Lilien“ kaum noch: Weltmeister Kevin Großkreutz saß 90 Minuten auf der Bank, und der abermals schwache Hamit Altintop wurde in der zweiten Halbzeit ausgetauscht. „Die Regensburger waren mit breiterer Brust unterwegs als wir. Das Quentchen war ausschlaggebend“, versuchte sich Außenverteidiger Markus Steinhöfer an einer Erklärung.

          Cheftrainer Frings und die wenigen Profis, die sich Fragen stellten, konnten die allgemeine Ratlosigkeit im „Lilien“-Lager jedoch nicht kaschieren. Das Heimpublikum wird den SVD über den Jahreswechsel in schlechter Erinnerung behalten. Vor Weihnachten stehen noch die Auswärtsaufgaben gegen Aue und Fürth an – zwei Leidensgenossen in der Abstiegszone.

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