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Streit um Sexualkunde-Reform : Tausende Demonstranten gehen in Wiesbaden auf die Straße

  • Aktualisiert am

Demos in Wiesbaden: Teilnehmer eines Bündnisses für Toleranz und Akzeptanz demonstrieren gegen einen Aufmarsch von Konservativen Christen und Rechtspopulisten. Bild: dpa

Befürworter und Gegner des neuen Lehrplans zur Sexualerziehung sind zu Kundgebungen nach Wiesbaden gekommen. Ein Großaufgebot der Polizei verhinderte ihr Aufeinandertreffen.

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          Weitgehend friedlich haben am Sonntag in Wiesbaden mehrere Tausend Menschen für und gegen den neuen Lehrplan zur Sexualerziehung an den hessischen Schulen demonstriert. Die Polizei berichtete am Nachmittag von jeweils bis zu 1500 Teilnehmern an zwei getrennten Kundgebungen. Zwei Menschen wurden den Angaben zufolge verletzt. Mehrere hundert Demonstranten versuchten, den Zug der Lehrplan-Gegner mit einer Sitzblockade zu verhindern. Deren Veranstalter mussten deshalb die geplante Route verkürzen. Mehr als 1000 Polizisten waren im Einsatz.

          Die Polizei berichtete von einigen Rangeleien aus dem Demonstrationszug der Lehrplan-Befürworter, als einige Teilnehmer die vorgegebene Strecke verlassen wollten. Auch seien Beamte mit Gegenständen beworfen und angegriffen worden, unter anderem mit Regenschirmen. Die „Frankfurter Rundschau“ berichtete online, eine ihrer Mitarbeiterinnen sei bei einer Rangelei verletzt worden und habe ins Krankenhaus gebracht werden müssen.

          Lehrplan seit September umgesetzt

          Zudem wurde laut Polizei nach den Demonstrationen ein Autoinsasse verletzt, weil ein Pflasterstein das Fahrzeug traf. Nähere Angaben dazu konnte die Polizei zunächst nicht machen, der Vorfall werde aufgeklärt, sagte eine Sprecherin. Insgesamt waren bis zu 6000 Demonstranten erwartet worden.

          Der aktualisierte Lehrplan sieht als Ziel die Akzeptanz sexueller Vielfalt vor und damit einen diskriminierungsfreien Umgang auch mit Homo-, Trans- oder Bisexualität. Er ist bereits seit September in Kraft. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hatte erklärt, der Lehrplan sei in einem Routinevorgang an die geänderten gesellschaftlichen Gegebenheiten angepasst worden.

          Dauerhafter Widerstand angekündigt

          An der Kundgebung für den Lehrplan nahmen nach Angaben der Veranstalter bis zu 3000 Menschen teil. Aufgerufen hatte das „Bündnis für Akzeptanz und Vielfalt“ aus mehr als 100 Parteien, Gewerkschaften, Vereinen und Initiativen. Redner forderten, „schwul“ dürfe kein Schimpfwort mehr an den Schulen sein, der Unterricht müsse ein diskriminierungsfreier Ort sein. Die Kundgebung der Gegner des Unterrichts sei ein „Angriff auf die freie Gesellschaft“.

          Die Gegner des Lehrplans trafen sich vor dem Kultusministerium, die Organisatoren zählten rund 1900 Teilnehmer. Veranstalter war das konservative Aktionsbündnis „Ehe und Familie“, das bereits in Baden-Württemberg gegen ähnliche Änderungen des dortigen Bildungsplans mobilisiert hatte und aktuell auch in Bayern aktiv ist. Die Organisatorin, Hedwig von Beverfoerde, kündigte dauerhaften Widerstand gegen den neuen Lehrplan an. Beverfoerde distanzierte sich von rechtsextremen Gruppierungen, die ihr Kommen angekündigt hatten.

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