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Sorgen wegen Delta-Variante : Bouffier schließt neue Kontaktbeschränkungen nicht aus

Wenn das Adam wüsste: Der Kreis Groß-Gerau mit Rüsselsheim hält sich hartnäckig unter den deutschen Regionen mit den höchsten Inzidenzen Bild: Frank Röth

In einem Monat könnte die Delta-Variante des Coronavirus auch in Deutschland vorherrschen. Ministerpräsident Bouffier hält neue Einschränkungen für möglich. Ein Kreis erfreut sich derweil an der Nullinzidenz.

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          Bisher spielt die sogenannten Delta-Variante nur eine untergeordnete Rolle. Zuletzt wiesen gut sechs Prozent der Coronatests den zuerst in Indien entdeckten Erreger aus. Allerdings breitet er sich nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) hierzulande rasch aus. Für Aufsehen hat gesorgt, dass die Delta-Variante in einer Frankfurter Grundschule aufgetaucht ist. Und Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) rechnet nach eigenen Worten mit ihrer baldigen Dominanz: In etwa einem Monat werde sie das vorherrschende Coronavirus als Auslöser von Covid-19 sein, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Frage sei, wie welcher Impfstoff gegen sie wirke und wie viele Menschen sich etwa im Urlaub mit ihr infizierten. Von den Antworten auf diese Fragen hänge ab, „ob wir eine vierte Welle bekommen und wieder zu Kontaktbeschränkungen zurückkehren. Ausschließen können wir das nicht“.

          Thorsten Winter
          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dessen ungeachtet kommen recht erfreulich Daten zum Infektionsgeschehen in Hessen aus dem RKI. Der Vogelsbergkreis weist weiter binnen Wochenfrist null neue Fälle unter 100.000 Einwohnern auf. Die Inzidenz liegt demnach ebenfalls bei null. Ein halbes Dutzend weiterer Regionen in Hessen kommen jeweils auf weniger als fünf. Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen stagniert im Vergleich zum Montag vor einer Woche. Die eigentliche Zahl ist sehr niedrig, sie sollte aber nicht überbewertet werden. Wegen Meldeverzugs aus Testlaboren und Gesundheitsämtern kommt es zu Beginn einer Woche stets zu einer „Delle“. Davon unabhängig geht das RKI von weniger noch aktiven Fällen, also nicht ausgestandenen Infektionen aus am Sonntag. Zwei weitere Todesfälle gilt es offiziell zu betrauern; vor einer Woche hatte das Institut keine Toten im Zusammenhang mit Covid-19 gemeldet.

          Mehr als die Hälfte der Menschen in Hessen haben mindestens eine Impfung gegen Corona bekommen, fast 30 Prozent sind durchgeimpft. Frankfurt setzt weiter auf niedrigschwellige Impfangebote in Stadtteilen. Ein mobiles Team impft zwei Tage am Ben-Gurion-Ring und mithin erstmals in einer Großsiedlung. Gesundheitsamt und Quartiersmanagement haben die Aktion mit 176 Terminen organisiert. „Der Einsatz der mobilen Impfteams ist für den Impferfolg in Frankfurt unerlässlich“, wird Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Die Grünen) zitiert. Diese niedrigschwelligen Impfaktionen des Gesundheitsamtes seien eine perfekte Ergänzung zum Impfangebot durch die niedergelassenen Mediziner. In der Festhalle habe es bisher 318.000 Impfungen gegeben, darunter 107.000 Zweitimpfungen.

          Leuchtendes Rapsgelb

          Die gesamte Corona-Landkarte des Hessischen Sozialministeriums leuchtet rapsgelb. Das bedeutet: Jede Region kommt auf eine Inzidenz von weniger als 35. Den höchsten Wert hat weiter der Kreis Groß-Gerau mit gut 31. Dieser südhessische Kreis hält sich hartnäckig unter den fünf Regionen hierzulande mit den höchsten Corona-Kennziffern. Höhere Werte weisen in Deutschland nur vier andere Städte und Landkreise auf. Die Landes-Inzidenz beträgt zehn. Höhere Werte haben nur Baden-Württemberg (13) und Hamburg (12) in der Statistik stehen. Spitzenreiter ist Mecklenburg-Vorpommern mit dem Wert zwei.

          Laut RKI haben die Gesundheitsämter über Nacht 34 neue positive PCR-Tests gemeldet nach 32 vor sieben Tagen und 175 vor vier Wochen. Seit Beginn der Pandemie im März vergangenen Jahres haben sich offiziell 290.208 Menschen in Hessen mit dem Covid-19 auslösenden Coronavirus angesteckt. Das sind etwa 4,4 Prozent der Landesbevölkerung. 3100 Infektionen gelten als noch aktiv, rund 100 weniger als am Sonntag. 7470 Tote im Zusammenhang mit der Pandemie hat es bisher gegeben.

          17 Millionen Euro für 126 kleine Firmen

          Das Land Hessen verlängert derweil ein weiteres seiner Corona-Hilfsprogramme für die Wirtschaft. Freiberufler sowie kleine und mittlere Unternehmen können noch bis zum 31. Dezember 2021 Liquiditätshilfe über die WIBank beantragen. Die abermalige Verlängerung um ein halbes Jahr sei beschlossen, teilte das Förderinstitut am Montag mit.

          „126 vor allem kleinen Unternehmen konnten wir alleine mit diesem Programm mit mehr als 17 Millionen Euro durch die Krise helfen“, bilanzierten Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) und Finanzminister Michael Boddenberg (CDU). Viele Unternehmer müssten noch eine ganze Weile mit den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise kämpfen. „Dabei können sie weiterhin auf das Land zählen.“ Im Rahmen der „Liquiditätshilfe für kleine und mittlere Unternehmen in Hessen“ können kleine und mittlere Unternehmen über ihre Hausbank Darlehen von 5000 Euro bis 500.000 Euro erhalten.

          50,3 Prozent der Hessen mit erster Impfung

          Nach einem Zwischenspurt verliert Hessen im Vergleich zum Bund beim Impfen wieder an Boden: 50,3 Prozent der Menschen in Hessen haben bisher eine erste Impfung gegen das Coronavirus erhalten. Hessen liegt nun 0,5 Punkte unter dem Durchschnitt im Bund. Spitzenreiter ist Bremen mit 57,5 – Rheinland-Pfalz kommt auf 51. Bei den vollständig Geimpften hinkt Hessen dem Mittelwert im Bund deutlicher hinterher. Hessen kommt auf 29,1 Prozent, das sind 2,3 Prozentpunkte unter dem Durchschnitt. Gut 3,165 Millionen Menschen in Hessen sind mindestens einmal geimpft.

          Niedergelassene Mediziner nebst Personal haben bisher mehr als 1,4 Millionen Impfungen verabreicht, wie das Sozialministerium mitgeteilt hat. Seit Anfang April wird in Hessen auch in den Hausarztpraxen gegen Covid-19 geimpft, etwas später sind auch die Facharztpraxen und seit 7. Juni die Betriebsärztinnen und -ärzte hinzugekommen. „Jetzt gilt es, nicht nachzulassen: Lassen Sie sich impfen, sobald Sie ein Impfangebot erhalten – damit wir auch für den Herbst gewappnet sind“, lautet der Appell.

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