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Debatte über Architektur : Sie lesen nicht, sie diskutieren nicht, aber sie reden gern

Lasst mich in Ruhe: Das ist die Botschaft des Max-Planck-Instituts für Europäische Rechtsgeschichte an die Stadt; hier der Blick von der Hansaallee. Bild: Fabian Fiechter

Deutsche Architekten trafen sich, um über die Gestaltung von Fassaden zu diskutieren. Doch die besten Architekten des Landes verfehlen das Thema.

          Am Ende der Konferenz war Christoph Mäckler geradezu verzweifelt. Da hatten sich einige der besten Architekten, Planer und Architekturkritiker des Landes in Düsseldorf zu einer Konferenz versammelt, um darüber zu sprechen, wie Fassaden gestaltet werden sollen, damit das einzelne Gebäude und der öffentliche Raum gemeinsam funktionieren. Und herausgekommen ist nahezu nichts.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          „Architekten lesen nicht“, sagte der Frankfurter Architekt Mäckler, dessen Deutsches Institut für Stadtbaukunst zu der Tagung eingeladen hatte. Er meinte damit nicht zuletzt, dass viele Referenten offenbar ihre Aufgabe nicht zur Kenntnis genommen hatten. Sie beschränkten sich darauf, von ihnen entworfene Gebäude vorzustellen, wie sie das schon dutzendfach vor Investoren und Studenten getan haben. Die Bereitschaft, aus dem eigenen Werk auch Gedanken zum Städtebau zu entwickeln und zu der Frage, wie eine Fassade als Übergang zwischen Privatheit und Öffentlichkeit zu gestalten sei, war allenfalls in Ansätzen vorhanden.

          Eine Parade der Silberrücken

          Und dann die Diskussionen im prächtigen Rheingoldsaal der Rheinterrasse. Wobei Diskussion die Sache nicht trifft, eher war es eine Kette von länglichen, mitunter wolkigen Koreferaten von Männern (Frauen waren unterrepräsentiert). Es kam zu sattsam bekannten Polemiken zwischen Modernisten und Konservativen über Stilfragen. Und es ging hart zur Sache; Michael Mönninger von der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig etwa bezeichnete eine natursteinprotzende Fassade des Berliner Architekten Tobias Nöfer als Architektur der Verstopfung.

          Die Klügeren unter den Angegriffenen schwiegen zu dieser Parade der Silberrücken. Der guten Ordnung halber sei erwähnt, dass der Autor dieses Artikels den ersten Konferenztag verpasste. Nach allem, was er gehört hat, war der aber noch schlimmer als der zweite am Freitag. Die Präsentation von Fassadenbeispielen aus Frankfurt war der letzte Programmpunkt.

          Till Schneider vom Büro Schneider + Schumacher präsentierte den Westhafen-Tower und den Neubau für das Grünflächenamt im Gallusviertel, die beide großartig gelungen sind, aber als Solitärbauten für das Thema der Konferenz nichts abwarfen. Stefan Forster wiederum streifte bei der Vorstellung von Wohnbauprojekten in der City West und im Westhafen immerhin das Thema. Ausgerechnet seine 18 Thesen zur richtigen Gestaltung eines städtischen Hauses aber ließ er nur kurz einblenden, dabei hätten sie Nukleus einer sachlichen Debatte sein können.

          Mehr Frauen für eine bessere Atmosphäre

          Volker Staab zeigte sein Max-Planck-Institut für Europäische Rechtsgeschichte auf dem Campus Westend. Ohne Frage handelt es sich um einen intelligenten Entwurf, der nur den Nachteil hat, dass er die weitgehend geschlossene Fassade der Bibliothek dem öffentlichen Raum zuwendet, während das freundlichere Gesicht des Wohntrakts ins Blockinnere gekehrt ist. Über die Legitimität dieser hermetischen Haltung zu diskutieren fehlte aber die Zeit, weil sich einige wichtige Herren schon vorab auf die Rednerliste hatten setzen lassen, um ihr persönliches Resümee der Konferenz ziehen zu können.

          Mäckler machte sich am Ende selbst Mut. Die Konferenz sei ein Anfang, sagte er. Um das nächste Mal ein besseres Gelingen zu ermöglichen und dem Debattenfassadismus zu entgehen, sollten die Veranstalter ihrerseits über die Architektur ihrer Tagung nachdenken. Verbindliche Vorgaben an die Referenten wären hilfreich. Würde nicht nur im Plenum, sondern auch in kleinen Gruppen diskutiert, wären vertiefte Debatten zu Details möglich. Und schließlich: Mehr Frauen einzuladen könnte die Atmosphäre lockern.

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