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De-Cix : Millionen-Investitionen in Internetknoten

Der „Traffic“ genannte Datenverkehr übersteigt bereits die Marke von zwei Terabit in der Sekunde: Abbild des Internetknotens. Bild: De-Cix Internetknoten Frankfurt

Der Internetknoten in Frankfurt wächst ungebremst weiter. Der Betreiber De-Cix investiert mehrere Millionen Euro in seine Technik, um die Datenflut zu bewältigen und weiterhin Ausfallsicherheit zu garantieren.

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          Von solchen Wachstumsraten träumen andere Branchen: In manchen Jahren hat sich der Verkehr, der durch den Frankfurter Internetknoten fließt, fast verdoppelt. Und der Betreiber De-Cix Management GmbH rechnet nicht damit, dass sich dies ändert. Nachdem der „Traffic“ genannte Datenverkehr vor kurzem die Marke von zwei Terabit in der Sekunde überflügelt hatte, dürften drei Terabit in gut einem Jahr erreicht sein, wie Geschäftsführer Harald Summa vorhersagt. Der Knoten profitiert von dem wachsenden Angebot an bewegten Online-Bildern, der in Deutschland noch am Anfang stehenden Video-Bibliotheken im Internet und dem Gebrauch von Smartphones und Tablet-Rechnern. All dies erhöht den Datenverkehr.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Um der Datenflut auch weiter Herr werden zu können und den neuen Standards in der Internetbranche zu genügen, hat sich das Unternehmen gerade eine Großinvestition verordnet. Die Anlagen, die im Ostend und im Gallus stehen, sollen für fünf Millionen Euro modernisiert werden, wie Summa berichtet. Eine Riesensumme angesichts des Umsatzes von 14 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Dabei ist die De-Cix GmbH wirtschaftlich kerngesund: Der Jahresüberschuss betrug zuletzt 2,3 Millionen Euro. Dies entspricht einer Umsatzrendite von gut 16Prozent. Zu Buche steht zudem ein Gewinnvortrag von 856.000 Euro.

          „Wir haben gesagt, wir müssen auch einmal auf ein Opfer verzichten“

          Die Großinvestition zahlt das Unternehmen aus Eigenmitteln, wie der Geschäftsführer hervorhebt. Bankschulden drücken den Betrieb nach seinen Worten nicht. Die Millionen werden in neue Geräte fließen. Zwar verfügt der derzeitige Bestand an Rechnern, die die Daten durchleiten, über eine Kapazität von 40 Terabit - mithin ist angesichts der erreichten zwei Terabit noch erheblich Luft. Doch stellen die Kunden zunehmend andere Ansprüche. Während in diesen Tagen die Kunden noch mit Zehn-Gigabit-Steckern an die Switches genannten Rechner des De-Cix angeschlossen werden, müsse es künftig jeweils eine Kapazität von 100 Gigabit sein, wie Summa erläutert.

          Obwohl der Internetknoten der größte seiner Art auf der Welt ist, kommt ihm nicht die Rolle des Pioniers zu. Wie der Geschäftsführer ohne Umschweife sagt, arbeitet die Konkurrenz in Amsterdam schön länger mit der neuen Technik. Dies ermögliche es den Frankfurtern aber auch, Fehler der Niederländer zu vermeiden. „Wir haben gesagt, wir müssen auch einmal auf ein Opfer verzichten“, meint Summa. Zumal jeder Tag, den De-Cix keine neuen Geräte bestelle, durchaus ein Gewinn sei: „Die Kiste, die wir heute kaufen, ist schon veraltet.“

          „Wir haben noch nie zahlen müssen“

          Ungeachtet dieser technischen und wirtschaftlichen Überlegungen garantiert De-Cix die vollständige Ausfallsicherheit des Internetknotens. Die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls sei jedenfalls denkbar gering, da der De-Cix eben auf zwei Standorte verteilt sei. Zudem werden beide Standorte von unterschiedlichen Stromerzeugern beliefert. Wenn einer nicht lieferfähig sei, funktioniere der zweite Rechnerstandort dennoch. Und selbst wenn beide Versorger keinen Strom in die Rechenzentren an der Hanauer Landstraße und an der Kleyerstraße brächten, sprängen die Immobilienbetreiber ein, bei denen De-Cix seine Switches aufgestellt habe. Jedes Rechenzentrum verfüge über Batterieanlagen, mit denen ein Stromausfall überbrückt werden könne, und Dieselgeneratoren, die tagelang laufen könnten. Dabei verweist die Mainova auf das hohe Maß an Versorgungssicherheit in Frankfurt. Im vergangenen Jahr hätten die Verbraucher durchschnittlich nur 5,14 Minuten auf Strom verzichten müssen.

          Sollte der Internetknoten doch einmal ausfallen, würden Vertragsstrafen fällig. Wie viel müsste das Unternehmen einem Kunden in diesem Fall überweisen? Summa zuckt mit den Schultern: „Wir haben noch nie zahlen müssen“, sagt er und hebt hervor, der De-Cix sei der einzige Internetknotenbetreiber, der Ausfallsicherheit von vornherein zusage. In Amsterdam müssten die Kunden diese Garantie hinzubuchen. Dafür seien die Basisdienste in Frankfurt aber auch teurer als in den Niederlanden.

          Doch auch wenn die gesamte Technik des De-Cix versagte, kämen E-Mails und Online-Bestellungen weiter an. In diesem Fall würden die Eingaben nach Amsterdam umgeleitet. Denn Kunden verließen sich nicht auf nur einen Internetdienst und auch nicht auf einen Internetknoten, sondern hätten stets Alternativen. Die kleineren deutschen Netzknoten in Berlin, Bremen, Düsseldorf, Hamburg und München spielten als Ausweichplätze dagegen keine Rolle. „Die regeln den Datenverkehr in ihrer jeweiligen Region“, sagt Summa.

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