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De-Cix : Internetknoten wächst noch stärker als erwartet

Strippenzieher: Arnold Nipper, fürs Tagesgeschäft beim Internetknoten zuständig, mit einem sogenannten Switch-Rechner. Bild: dpa

Binnen zweier Jahre hat sich das durch den Internetknoten in Frankfurt geschleuste Datenaufkommen verdoppelt. Der Betreiber De-Cix rüstet weiter auf.

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          Er zählt gewiss nicht zu den Internet-Skeptikern in Deutschland. Anderenfalls wäre Harald Summa als Chef des Frankfurter Internetknotens sicher fehl am Platz. Gleichwohl überrascht auch Summa das Wachstum des größten Daten-Umschlagplatzes seiner Art auf der Welt. Vor drei Jahren hat der Knotenbetreiber erstmals einen Trend zu dem erwarteten Wachstum errechnet. „Da habe ich gezweifelt, ob das so kommen wird“, erinnert sich der 1953 geborene Geschäftsführer. Vor wenigen Monaten hat er das Zahlenspiel wieder hervorgeholt - und gemerkt: „Wir wachsen sogar über der Prognose.“

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Angetrieben von Online-Spielen und Käufen bei Internethändlern, Finanztransaktionen und Videos, leitet der Frankfurter Knoten in diesen Wochen etwa zweimal so viele Daten durch wie noch vor zwei Jahren. Im Vergleich zu 2008 hat sich Durchsatz sogar beinahe verzehnfacht. Und von einem Ende des Wachstums ist keine Rede. Nicht von ungefähr investieren Rechenzentrumsbetreiber wie Equinix, Telecity und Interxion in neue Flächen. Auf dem Campus von Interxion im Ostend steht mehr als die Hälfte der 25 Switches („Schalter“) genannten Hochleistungsrechner des De-Cix, die jeweils etwa eine halbe Million Euro kosten, wie Summa erläutert. Die anderen Switches verteilen sich auf Rechenzentren im Gutleut- und im Gallus, die wie das Ostend mit den notwendigen schnellen Glasfaserkabeln ausgestattet sind.

          Grund zum Feiern

          Den Datendurchsatz zu beziffern fällt leicht: Er wird einfach gemessen. Ihn aber auch zu begreifen, fällt schwer. In der Spitze flossen zuletzt im Mittel knapp ein Terabit Daten in der Sekunde durch den De-Cix, in der Spitze waren es gut 1,9 Terabit, die zwischen Netzen von Internet-Anbietern wie Google, Yahoo oder Microsoft ausgetauscht wurden. Die Ein-Terabit-Grenze hatte der De-Cix Anfang 2010 geknackt, nachdem er ein Jahr zuvor lediglich die Hälfte davon bewältigte. Auf den Tag hochgerechnet, entspricht der zuletzt gemessene Datenumschlag nach Angaben des Knotenbetreibers in etwa 2,2Millionen DVD - im März 2011 waren es noch 1,6 Millionen DVD gewesen.

          Wenn der De-Cix die Marke von zwei Terabit in der Sekunde nachhaltig knackt, kann der Betreiber die Korken knallen lassen. Grund zum Feiern hat er mit Blick auf den Wettbewerb aber schon lange. Der Frankfurter Internetknoten ist nicht nur der größte seiner Art und zudem der zuverlässigste, wie Summa unter Verweis auf Aussagen von Kunden hervorhebt: Er hängt auch die Nummer zwei, den Amsix in Amsterdam, immer weiter ab. Der Konkurrent aus den Niederlanden kommt derzeit in der Spitze auf einen Datenumschlag von gut 1,57 Terabit je Sekunde - er liegt also gut ein Fünftel unter dem Marktführer vom Main, wie sich aus der Statistik auf der Internetseite des Amsix ergibt.

          Kapazitäten werden weiterhin gebraucht

          Summa freut dies nicht zuletzt deshalb, weil durch Amsterdam mehr Netze laufen als durch Frankfurt; das gelte auch für London. Als „einzige Erklärung“ fällt dem De-Cix-Geschäftsführer ein, dass das Handelsvolumen auch und gerade aufgrund der Nähe Frankfurts zu Netzen in Osteuropa höher als in Holland sein muss. Der Stadt am Main kommt demnach ebenso wie im Flugverkehr ihre gute geographische Lage zupass.

          Auf seinen Erfolgen will sich der Knotenbetreiber jedoch nicht ausruhen - und er kann es auch gar nicht. Ob Videodienste im Internet, Handys als Bargeldersatz, das vernetzte Auto mit Netzanschluss und allerlei Online-Anwendungen oder mobile Geräte für Krankenhausärzte: „All dies braucht enorme Kapazitäten“, weiß Summa - und er zweifelt nicht an der zunehmenden Bedeutung solcher Techniken. Dabei ist die derzeitige Struktur des De-Cix „ausgereizt“. Deshalb will der Knotenbetreiber seine Technik runderneuern. Das kostet zwar Millionen, doch das 26 Mitarbeiter zählende Unternehmen kann die Großinvestitionen aus eigener Kraft stemmen, wie Summa hervorhebt.

          Stromkosten sind enorm

          Der Umsatz kletterte seit 2009 von acht Millionen Euro auf 14 Millionen Euro. Das Ergebnis nennt Summa nicht genau, meint aber, der De-Cix sei „ziemlich profitabel“. Investitionen finanziere er aus dem Barmittelzufluss (Cash Flow), Bankschulden habe das Unternehmen nicht - dafür aber Rücklagen.

          Gleichwohl ist in den De-Cix-Büros an der Lindleystraße nicht alles eitel Sonnenschein. Summa und Vorstandsmitglied Arnold Nipper machen sich Gedanken über die davonlaufenden Stromkosten. Bis zu 400.000 Euro im Jahr zahlt der De-Cix für Energie. „Vor fünf Jahren habe ich nicht einmal wahrgenommen, dass wir für Energie zahlen müssen“, skizziert Summa den Wandel. Die Politik unterschätze noch, was steigende Stromkosten für die Internetbranche bedeuteten.

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