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Eintracht in der Europa League : Warnung vor dem Freund

Seit langem gute Kumpel und nun große Konkurrenten: Wiedersehen von Seferovic und Abraham (rechts) Bild: Imago

David Abraham möchte mit der Eintracht in der Europa League Großes erreichen. Auch deswegen rückt er vor dem Duell in Lissabon Haris Seferovic in den Blickpunkt.

          Für die vielen großen und kleinen Autogrammjäger, die es in Zeiten von abgeschotteten Übungseinheiten immer schwerer haben, eine Unterschrift ihrer Fußballlieblinge oder einen Schnappschuss zu ergattern, hätte der Auftakt in diese für die Eintracht bedeutungsvolle Woche kaum besser verlaufen können: Adi Hütter, der Coach der Eintracht, begann die Einstimmung auf die nächste Europa-League-Aufführung vergleichsweise moderat und setzte ein öffentliches „Regenerationstraining“ am Waldstadion an. Das bedeutete unter anderem, dass es den Spielern bei der lockeren Ballstunde an Zaungästen nicht fehlte und es für die Profis anschließend nur in Trippelschritten zurück in die Kabine ging, weil sie von vielen Zuschauern gebeten wurden, kurz anzuhalten, für ein Selfie in die Kamera zu lächeln oder mitgebrachte Poster, Trikots und Bälle zu signieren. David Abraham nahm sich ausgiebig Zeit, die Wünsche des Anhangs zu erfüllen. Der Argentinier, der beim 2:1-Sieg auf Schalke nach zweimonatiger Verletzungspause (Wadenprobleme) in die Startformation zurückkehrte, sagte, dass es ein Wesenszug des Teams sei, „dass wir uns die Bodenständigkeit nicht nehmen lassen“. Er und seine Mitstreiter freuen sich über die vielfältige Unterstützung der Fans, von denen zahlreiche auch an diesem Donnerstag im Stadion Estádio da Luz dabei sein werden. Offiziell wurden der Eintracht für das Viertelfinalhinspiel bei Benfica Lissabon rund 3500 Tickets zugeteilt, das entspricht der vorgeschriebenen Fünf-Prozent-Quote; wobei der Einfallsreichtum der Gefolgsleute, an zusätzliche Karten zu kommen, kaum Grenzen kannte und davon auszugehen ist, dass in der 66000 Besucher fassenden Arena die Frankfurter Supporter laut und deutlich zu vernehmen sein werden.

          Für Abraham handelt es sich bei der Begegnung mit den Portugiesen um ein „großes Spiel“. Er wisse noch nicht, ob er auch aufgestellt werde, meinte der 32-Jährige, aber sein Körper durchströme schon jetzt „viel Adrenalin“. Der Innenverteidiger konnte in dieser Saison wegen diverser Blessuren erst in 17 der mittlerweile 40 Pflichtspielen dabei sein. Das Comeback in Gelsenkirchen stimmte ihn dabei positiv: „Es lässt sich gut arbeiten, wenn man drei weitere Punkte eingefahren hat“, sagte Abraham, der hervorhob, dass er mit dem vierten Tabellenplatz in der Liga und dem Einzug in die Runde der letzten acht Vereine auf internationaler Bühne noch längst nicht wunschlos glücklich sei – wie alle Kollegen: „Wir schauen nur noch nach oben.“ Dass es schwer wird, die Serie von nunmehr 15 Partien ohne Niederlage im Duell mit Benfica zu behaupten, ist dem Routinier bewusst. Lissabon schätzt er als gewichtigeren Gegner als Inter Mailand oder Schachtar Donezk ein, die zuletzt von der Eintracht in der Europa League bezwungen wurden. Abrahams Begründung: „Wenn du so oft gewinnst wie sie, sorgt das für viel Selbstvertrauen.“ Das gelte im übrigen im gleichen Maße für die Eintracht – und das mache die Sache besonders spannend. In den vergangenen vier Jahren sicherte sich Benfica stets den Meistertitel, insgesamt standen sie in ihrer über hundertjährigen Geschichte in der Heimat 36 Mal als Champion ganz oben. Auch aktuell führen sie die Primeira Liga an; dank der besseren Tordifferenz gegenüber dem FC Porto.

          „Wir dürfen nicht offen sein“

          Was auch mit der Kaltschnäuzigkeit von Haris Seferovic zu tun hat. Der 27 Jahre alte Schweizer erzielte am Wochenende gegen CD Feirense seine Saisontreffer 17 und 18. Mit Seferovic, der die Eintracht im Mai 2016 zum Sieg in der Relegation gegen Nürnberg schoss, verbindet Abraham seit gemeinsamen Frankfurter Tagen ein Band der Sympathie. In den (mindestens) 180 Minuten, in denen sie sich bis Ostern als Gegner auf dem Rasen gegenüberstehen, „ruht aber die Freundschaft“, wie Abraham lächelnd anfügte. Er sagte, es sei zunächst die Absicht, ein „gutes Resultat für uns“ in Lissabon zu erreichen, mit dem dann für die ausschlaggebende Auseinandersetzung am Gründonnerstag alle Chancen aufs Weiterkommen gewahrt bleiben. „Wir dürfen nicht offen sein“, sagte Abraham und betonte, dass deshalb gerade Seferovic unter Kontrolle gehalten werden müsse.

          „Haris wird vor Motivation strotzen. Er hat einen Lauf, und wir werden darauf hoffen, dass er nicht einen seiner Sahne-Tage erwischt.“ Zuletzt habe er dem Spezi wöchentlich zu weiteren Treffern gratulieren können und die Glückwünsche gerne per Telefon übermittelt, erzählte Abraham. Nun aber komme es für ihn darauf an, dass sich die Verhältnisse umkehrten: „Wir wollen ein bedeutendes Ziel erreichen“, umschrieb er die Absichten der Eintracht für diesen Frühling, in dem er auf sonstige Verbundenheiten keine Rücksicht nehmen könne, wie er in jovialem Ton schilderte. Auf die Frage, was ihm dabei vor allem in den Sinn komme, den Halbfinaleinzug in der Europa League oder die direkte Qualifikation für die Champions League, antwortete Abraham kurz – aber deutlich: „Beides!“

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