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Stada-Chef Retzlaff : Das vitale „Fossil“ aus dem M-Dax

„Wir sitzen nicht hier und warten auf Übernahmeangebote“: Stada-Chef Retzlaff, seit 1993 an der Spitze des Unternehmens Bild: Eilmes, Wolfgang

Kein Vorstandschef in Dax und M-Dax ist länger am Ruder als Hartmut Retzlaff von Stada. Die Rente mit 63 sieht er differenziert, das Russland-Engagement des Arzneiherstellers verteidigt er trotz der aktuellen Krise.

          Hartmut Retzlaff bezeichnet sich selbst als „Fossil“. Augenzwinkernd, aber nicht von ungefähr: Seit 1993 steht der Mittelhesse an der Spitze des Arzneimittelherstellers Stada AG. Eine derart lange Amtszeit kann kein anderer Vorstandsvorsitzender eines im Dax oder im M-Dax gelisteten Unternehmens vorweisen. Zudem ist Retzlaff nicht gleich als Chef bei dem Unternehmen mit Sitz in Bad Vilbel eingestiegen. Vielmehr hat er zuvor vier Jahre lang Marketing und Vertrieb der Stadapharm GmbH verantwortet und anschließend zwei Jahre als Geschäftsführer dieser Konzerntochter gezeichnet. 28 Jahre arbeitet er nun, da er 60 Jahre alt ist, für das Unternehmen. Bis 31. August 2016 läuft sein Vertrag - drei Wochen später wird er 63. Die Rente mit 63 ist für ihn aber kein Thema. „Wenn die Gesundheit es zulässt, möchte ich über 63 hinaus arbeiten“, sagt er.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Andererseits ist die von der Bundesregierung angekündigte abschlagsfreie Rente mit 63 für Arbeitnehmer mit 45 Dienstjahren oder mehr für ihn schon ein Thema. Schließlich hat sich die Chemie- und Pharmabranche schon vor sechs Jahren den Demografie-Tarifvertrag verordnet. In der Folge haben die Betriebe ihre Belegschaften dahingehend durchleuchtet, wer wann in Rente geht und die Mitarbeiter auf die Rente mit 67 vorbereitet; diverse Programme, wie Beschäftigte lange fit bleiben, schließt dies ein. Vielleicht gibt dieser Vorsprung vor anderen Branchen Retzlaff die Gelassenheit, das Thema Rente mit 63 zu bewerten. „Das Thema ist diskussionswürdig, zumal sich die Frage der Finanzierbarkeit stellt“, hebt er hervor. Er sagt aber auch: „Ich glaube aber schon, dass es Berufe gibt, zum Beispiel im Handwerk, in denen die Rente mit 63 durchaus gerechtfertigt ist.“

          „Wir kommen alleine klar“

          Für Stada selbst sieht er deswegen aber keine Schwierigkeiten für die Personalplanung heraufziehen. Und wer länger arbeiten wolle, der könne das auch in Zukunft tun, wie der Vorstandschef sagt, der den einzigen namhaften Generikahersteller führt, der nicht unter dem Dach eines Pharmariesen wirtschaftet. Dass derzeit in der Branche wieder einmal das Übernahmefieber grassiert, nimmt Retzlaff zur Kenntnis. Ob die in der Vergangenheit immer einmal wieder als Übernahmekandidat gehandelte Stada AG ins Visier eines kauflustigen Investor geraten könnte - zumal der Aktienkurs unter der Krise in der Ukraine gelitten hat? „Wir sitzen nicht hier und warten auf Übernahmeangebote, denn wir kommen alleine klar“, hebt er hervor.

          Zudem verteidigt Retzlaff die Russland-Strategie des Unternehmens, das dort 20 Prozent des Umsatzes erzielt. Zwar tue Stada die Abwertung des Rubel und des ukrainischen Griwna zum Euro derzeit weh. Aber Stada habe nicht nur Erlöse in Rubel, sondern eben auch Kosten. Schlechter wäre es, wenn die Kosten in Euro anfielen. Und unter Verweis auf den Fachdienst IMS Health sagt er, dass sich Stada unter den Branchenspielern in Russland am besten schlage.

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