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Das Verbraucherthema : Zahnersatz im Verbund günstiger

Grün ist die Hoffnung, dass es beim Zahnarzt nicht so teuer wird: Dr. Z setzt in seinen Filialen auf helle Farben Bild: Schoepal, Edgar

Mit standardisierten Filialen und günstigen Preisen mischt die Zahnarztkette Dr. Z. die Branche auf. Nun gibt es die erste Praxis in Frankfurt.

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          Amalgam war früher. Heutzutage will der Patient Premium. Das Loch im Zahn wird mit Kunststoff oder Keramik gefüllt, der fehlende Zahn durch ein Implantat ersetzt. Das hat vor allem ästhetische Gründe - und geht ins Geld, zumal die gesetzlichen Krankenkassen ihren Leistungskatalog in den vergangenen Jahren stark zusammengestrichen haben. Hinzu kommt, dass seit diesem Jahr jede Behandlung, die über die Standardversorgung hinausgeht, auch bei Kassenpatienten auf Grundlage der Gebührenordnung der Zahnärzte für Privatpatienten abgerechnet wird. Die gesetzlich Versicherten müssen die Kosten aus der eigenen Tasche zahlen, viele Verbraucher sichern sich per Zahnzusatzversicherung ab.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          In die Lücke zwischen Anspruch und Erstattung stößt auch das Konzept der Praxiskette Dr. Z. Das ist ein Verbund aus inzwischen zwölf großen Zahnarztpraxen, die damit werben, alle Leistungen einer gängigen Zahnarztpraxis, darunter auch professionelle Zahnreinigung und Bleaching, zu deutlich geringeren Preisen anzubieten.

          Rabatte beim Einkauf von Zahnersatz

          Das geht nach Angaben des Gründers und Zahnmediziners Alexander Berstein nicht etwa dadurch, dass Dr.-Z.-Zahnärzte günstiger abrechnen und weniger verdienen als die Kollegen. Vielmehr könnten Praxen im Verbund effizienter und kostengünstiger arbeiten als Einzelpraxen - so etwa bei der Einrichtung, dem Marketing, der Buchhaltung und der TÜV-Zertifizierung. Vor allem aber könnten die Filialen beim Einkauf von Zahnersatz Rabatte und auch günstigere Preise mit Laboren aushandeln. Zahntechniker verbuchten in Deutschland anders als in anderen Ländern 60 Prozent der Zahnarztrechnung, nur 40 Prozent gehe auf das Konto der Zahnärzte. Dies hält Berstein für eine „Schieflage“.

          Günstigen Zahnersatz lässt die Praxiskette in Asien und in Deutschland fertigen. Auch die asiatischen Labore seien TÜV-geprüft und entsprächen den europäischen Vorschriften, hebt Berstein hervor. Grundsätzlich haftet in Deutschland der Zahnarzt, wenn bei der Behandlung etwas schiefgeht. Dr. Z. wirbt mit vier Jahren Garantie auf Zahnersatz.

          In jeder Praxis arbeiten zudem Zahntechniker, die an Ort und Stelle Kronen und Inlays bearbeiten können. Der Patient hat die Wahl zwischen zuzahlungsfreiem Material aus Asien und solchem aus deutschen Laboren „weit unter Marktpreis“, wie es heißt. Im Internet nennt Dr. Z. Preise von etwa 500 Euro für ein Implantat und vergleicht diese Kosten mit denen einer herkömmlichen Praxis - dort würden 1200 Euro fällig. „100 % Zahnersatz zu 0 % Zuzahlung“ lautet ein Werbeslogan, der sich jedoch auf die Behandlung im „Regelbereich“ bezieht und insofern irreführend ist, als dies auch für die Arbeit in gängigen Zahnarztpraxen gilt, wie der Sprecher der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hessen anmerkt. Er sieht in der Wahl des Zahnarztes vor allem eine Vertrauensfrage. „Ist es wert, dem Zahnarzt, der mich kennt, den Rücken zu kehren, nur weil ein anderer billiger ist?“

          „Hat mit Ramsch nichts zu tun“

          In die Billig-Ecke freilich möchte Berstein sein Konzept nicht abgeschoben sehen. „Das, was wir anbieten, hat mit Ramsch nichts zu tun.“ Die Praxen seien gut gefüllt, die Klientel komme querbeet aus allen Schichten. Eine Krone koste Patienten in Deutschland im Durchschnitt 300 bis 400 Euro, der Einsatz von Implantaten gehe schnell in die Tausende. „Das können nur die Wenigsten tragen, ohne mit der Wimper zu zucken“, sagt der Zahnarzt, der den Praxenverbund 2006 gründete. Das war in demselben Jahr, in dem auch die Kette McZahn den Betrieb aufnahm. Dieser ging jedoch schnell die Puste aus. 2008 musste McZahn Insolvenz anmelden. Berstein übernahm drei von acht Filialen aus der Insolvenzmasse und setzte, anders als der Konkurrent, auf langsames, aber stetiges Wachstum.

          In Frankfurt wurde gestern die zwölfte Filiale, die Dr. Z. Zahnmedizinisches Zentrum Frankfurt GmbH, eröffnet: sechs Behandlungszimmer auf 320 Quadratmetern, an der Zeil. Zunächst sind zwei Zahnärzte an Bord, von denen einer auf Implantologie spezialisiert ist. Vier Kollegen sollen es werden. In diesem Jahr wird Dr. Z. noch zwei weitere Filialen in Dresden und München eröffnen, so denn bautechnisch alles klargeht. Auch die Frankfurt-Niederlassung wurde aus baulichen Gründen deutlich später als geplant eröffnet. Für nächstes Jahr zeichnen sich laut Berstein sechs bis zehn weitere Neueröffnungen ab. Den Jahresumsatz einer Verbundpraxis, an denen die jeweiligen Partnerzahnärzte und die Dr. Z. GmbH in der Regel je zur Hälfte beteiligt sind, beziffert der Gründer mit im Schnitt mehr als einer Million Euro.

          Kosten vergleichen und nachbohren

          Viel Spielraum: Mit der neuen privaten Gebührenordnung für Zahnärzte, die seit diesem Jahr gilt, hat sich die Kostensituation für Patienten weiter verschlechtert. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen nur noch einen Festkostenzuschuss für die wirtschaftlich günstigste Versorgung. Dagegen hat der Zahnarzt beim Abrechnen viel Spielraum. Sobald sich der Patient für eine Lösung über die Regelleistung hinaus entscheidet, etwa für ein Inlay statt für eine Amalgamfüllung, kann der Zahnarzt nach der privaten Gebührenordnung abrechnen, das heißt bis zum 3,5-fachen Satz, nach schriftlicher Vereinbarung mit dem Patienten sogar darüber hinaus.

          Große Unterschiede: Daniela Hubloher, Beraterin für Gesundheitsfragen bei der Verbraucherzentrale Hessen, empfiehlt, bei größeren Vorhaben in jedem Fall eine Zweitmeinung einzuholen, das heißt, sich von einem anderen Zahnarzt, am besten auch von einem anderen Labor, einen Kosten- und Heilplan erstellen zu lassen. Die Preisunterschiede seien enorm. Hubloher kritisiert, dass vielen Patienten gleich die teure Luxusversion angeboten werde und sie nicht über die Regelversorgung informiert würden.

          Wer bietet weniger? Ein guter Marktplatz für den Vergleich von Leistungen und Preisen sind Auktionsportale wie www.2te-zahnarztmeinung.de. Hier können Verbraucher ihren Heil- und Kostenplan einstellen, Zahnärzte bieten dann für bestimme Leistungen zunächst unter Pseudonym. Ist der Patient interessiert, macht er einen Termin beim Zahnarzt seiner Wahl aus, um nach der Untersuchung Heil- und Kostenplan endgültig festzulegen. Die Ersparnis beträgt nach Angaben des Portalbetreibers im Schnitt 56 Prozent. Bei einem Test der Stiftung Warentest 2006 schnitt das Portal am besten ab. Inzwischen sind eine Reihe von Krankenkassen Werbepartner. Fazit der Gutachter: „Internetauktionen für Zahnersatz bieten eine gute Möglichkeit, Geld zu sparen, ohne grundsätzlich Einschränkungen bei der Qualität hinnehmen zu müssen.“

          Guter Rat: Informationen rund um den Heil- und Kostenplan gibt es auch bei der Patientenberatung der Verbraucherzentrale: 0 90 01/97 20 10 (1,75 Euro/Festnetzminute). Auch die Landeszahnärztekammer Hessen bietet eine „neutrale und kostenfreie“ Beratung an: 0 69/4 27 27 51 69. (hoff.)

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