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Das Verbraucherthema : Die Telekom legt den Schalter um

Alles im Kasten: Fortan soll es nur noch eine Technik im Schaltkasten der Telekom geben - VDSL. Bild: Telekom

Die Deutsche Telekom stellt ihr Telefonnetz auf Internettechnik um. Kunden haben die Wahl: Tarifwechsel oder Kündigung. Das sorgt für Verwirrung.

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          Vielen Kunden der Deutschen Telekom dürfte es gar nicht bewusst sein: Sie telefonieren noch über einen herkömmlichen analogen Telefonanschluss, während sie bereits über einen digitalen DSL-Anschluss im Internet surfen. In Zukunft soll beides über eine Leitung laufen, das heißt, statt die Worte über Kupferleitungen zu schicken, sollen sie in kleine digitale Datenpakete umgewandelt und über das Internet verschickt werden. Voice-over-IP heißt die Technologie. Das Telefon läuft damit nicht mehr über ein eigenes Frequenzband, sondern über das Band, über das auch Internetdaten übertragen werden. Das ist für die Telekom günstiger, weil sie dann kein eigenes Telefonnetz mehr unterhalten muss und somit auch Wartungskosten spart.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bis zum Jahr 2018 soll die komplette Umstellung auf das IP-Netz abgeschlossen sein. Sie geht einher mit dem Ausbau des besonders schnellen VDSL-Internets, das eine Weiterentwicklung des DSL-Netztes ist. Nach Angaben eines Firmensprechers können auf dem IP-Netz die Geschwindigkeiten von VDSL beim Herunterladen verdoppelt und beim Heraufladen vervierfacht werden.

          Viele Verbraucher verwirrt

          Die Umstellung betrifft rund 300.000 Bestandskunden mit Altverträgen sowohl für Festnetz und ISDN-Anschluss, die jetzt in mehreren Chargen angeschrieben werden. In Hessen sind das Kunden in Frankfurt, Kassel, Wiesbaden, Mainz und Darmstadt. Diese gehören zu den 53 Städten, die von der Telekom seit 2006 zuerst mit schnellen Internetleitungen versorgt wurden. Neukunden bekommen seit zwei Jahren automatisch einen IP-Vertag. Kunden, die nur mit der Telekom telefonieren, werden automatisch umgestellt.

          Wie die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz berichtet, verwirrt die Umstellung auf Internettelefonie viele Verbraucher. Und zwar auch deshalb, weil die Telekom ihre Kunden in den Anschreiben vor die Wahl stellt, auf Internettelefonie umzustellen oder gekündigt zu werden. Juristisch ist das in Ordnung, weil auch ein Unternehmen ein Kündigungsrecht hat. Gleichwohl eckt die Telekom mit dem Ton in ihren Anschreiben offenbar an.

          Router kaufen günstiger als mieten

          „Das könnte man alles auch ein Stückchen kundenfreundlicher machen“, meint etwa Michael Gundall, Referent für Telekommunikation, bei der Verbraucherzentrale in Mainz. Dazu zählt er auch einen unentgeltlichen Installations-Service durch das Unternehmen. Nicht nur ältere Kunden, sondern auch jüngere, die mit Technik nicht viel am Hut hätten, seien damit überfordert. Schließlich müsse die Verkabelung geändert und der Router konfiguriert werden. Die Deutsche Telekom verlangt für den IP-Installationsservice 99 Euro.

          Grundsätzlich ist ein funktionierender DSL-Anschluss Voraussetzung für die IP-Technik. Ein Splitter, der die Internet- von der Telefonleitung trennt, ist mit IP-Technologie nicht mehr nötig - das werden viele gut heißen, die sich an Technik und Kabel in der Wohnung stören. Das analoge Telefon kann aber weiter benutzt werden. Unter Umständen brauchen Kunden einen neuen Internetrouter. Günstige Einsteigergeräte gibt es nach Angaben von Verbraucherschützer Gundall bereits ab 60 Euro. Es könnten auch Geräte eingesetzt werden, die nicht von der Telekom seien. Zu prüfen ist, ob das Gerät, den IP-Standard „Annex J“ kann. Kaufen ist laut Gundall auf lange Sicht günstiger, als den Router zu mieten.

          Technisch spricht aus seiner Sicht nichts gegen die Internettelefonie. „Die Sprachqualität ist heute streckenweise sogar besser als beim analogen Anschluss“, weiß der Referent der Verbraucherzentrale. Gleichwohl ist IP anfälliger für Ausfälle. Zuletzt gab es auch Klagen darüber von Telekom-Kunden. Das Problem: Fiel bei einer Störung der DSL-Leitung bisher nur das Internet aus, bleibt in Zukunft auch das Telefon tot. Damit verlieren auch Hausnotrufsysteme eine Sicherheitsgarantie, wie Gundall hervorhebt.

          Sparen beim Anbieterwechsel

          Bleibt die Frage, wie viel die neuen Tarife in Zukunft kosten. „Wer von einem alten auf einen neuen Vertrag wechselt, wird immer günstiger fahren“, sagt der Telekom-Sprecher. Die Preise verliefen seit Jahren nur in eine Richtung: nach unten. Im Fall des Tarifs Call & Surf-Comfort (34,95 Euro im Monat) stimmt das nicht ganz. Auf Anfrage heißt es, bei Umstellung auf IP-Telefonie bleibe der Preis gleich. Dafür wird versucht, einen Fernsehanschluss gleich mit anzubieten.

          Verbraucherschützer Gundall empfiehlt, die Umstellung für einen Tarifvergleich zu nutzen. Es kann auch nicht schaden, sich die Rechnung einmal genauer anzuschauen. Manchmal entdeckt der Kunde darauf Posten, die er nicht unbedingt braucht, wie etwa ein Sicherheitspaket für knapp 5 Euro im Monat.

          Richtig viel Geld kann sparen, wer zu einem anderen Anbieter wechselt. Ähnlich wie bei Strom und Gas werden Verbraucher bei einem Festnetz-Wechsel mit Neukunden-Boni gelockt. Beim Vergleichen helfen Portale wie Teltarif, Verivox oder Check24. Dieselben Konditionen wie bei Call & Surf findet die Kundin bei 1&1 für 15 Euro günstiger im Monat. Hierbei ist jedoch zu bedenken: 1&1 hat keine Geschäftsstellen.

          Verbraucherzentrale hilft

          Auch die Telekom belohnt Wechsler mit Boni und Startguthaben. Wer clever ist, kündigt seinen Tarif vor Ablauf, auch wenn er vorhat zu bleiben. Denn in der Regel kümmert sich ein Unternehmen eher um Kunden, die es halten will, als um einen, den es sicher hat.

          Hilfe beim Vergleichen bietet die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Für eine Gebühr von 10 Euro prüft ein Fachmann in der Mainzer Beratungsstelle den Vertrag. Beratungstermine können unter der Nummer 0 61 31-28 48 0 oder per E-Mail unter info@vz-rlp.de vereinbart werden.

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