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Das Verbraucherthema : Mit dem Handy zur günstigsten Zapfsäule

Transparenz: Mit dem Handy erfahren Autofahrer unterwegs, wo Sprit am günstigsten ist Bild: Finger, Stefan

Der Vergleich von Spritpreisen ist dank der neuen zentralen Meldestelle so leicht wie nie. Wer jetzt noch teuer tankt, ist selbst schuld. Doch nicht jeder Umweg lohnt sich. Das Verbraucherthema.

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          Ein leichter Fingerdruck - und die App auf dem Handy zeigt an, wie viel der Liter Super bei welchen Tankstellen rund um den aktuellen Standort kostet und wie weit die einzelnen Stationen von ihm entfernt liegen. Solche Benzinpreisvergleiche sind nicht neu. Sie werden von verschiedenen Dienstleistern schon länger angeboten, allerdings waren die Ergebnisse bisher oft nicht verlässlich, da viele Stunden alt. Das lag daran, dass sich Informationsdienste wie Clever Tanken beim Preise-Sammeln außer auf die eigene Crew, wenn überhaupt, auch auf die Meldungen von Verbrauchern verlassen mussten.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das ist jetzt anders. Seit drei Monaten gilt die zentrale Meldepflicht für Spritpreise. Markttransparenzstelle lautet die sperrige Bezeichnung für die Abteilung beim Bundeskartellamt, die alle Preisdaten zentral in Echtzeit erfasst. Laut Vorgabe des Kartellamtes müssen die Tankstellen bei einer Preisänderung innerhalb von fünf Minuten reagieren. Die Behörde gibt die Daten dann in Minutenschnelle an die Preisportale weiter.

          90 Prozent der Tankstellen erfasst

          Das klappt nach Angaben der Meldestelle inzwischen sehr gut. Zum ersten Dezember ist der Testlauf in den Regelbetrieb übergegangen. Inzwischen sind gut 90 Prozent der bundesweit mehr als 14.000 Tankstellen erfasst. Neun Informationsdienste für Benzinpreisvergleiche haben sich inzwischen beim Kartellamt als Preissammler registrieren lassen. Mehr als hundert stehen noch in der Warteschleife und werden nach Angaben eines Sprechers nach und nach abgearbeitet.

          Die Anbieter, die es gibt, machen ihren Job schon sehr gut, und ihre Apps, die in der Regel gratis aufs Handy geladen werden können - was viele Millionen Nutzer schon gemacht haben -, werden immer professioneller, wenngleich es hier und da noch einige Schwachstellen gibt. Gut sind die Dienste dann, wenn der Nutzer beim Preiseermitteln bequem wechseln kann zwischen den Kriterien Entfernung und günstigster Preis, oder auch zwischen seinem aktuellen Standort und der Wohnadresse. Bei der App von Clever Tanken ist das sehr nutzerfreundlich gelöst. Bei Mehr Tanken und auch der App vom ADAC tun wir uns mit dem Wechsel des Suchmodus etwas schwerer. Auch fehlen bei Mehr Tanken noch die Entfernungsangaben. Die Tanken-App von T-Online ist nach unserem Test nicht so aktuell wie die anderen, bietet aber eine Prognose zur Preisentwicklung.

          Nachmittags billiger als morgens

          Unsere Beobachtung der Frankfurter Spritpreise in den vergangenen drei Tagen zeigt: In den Morgenstunden, etwa von 6 bis 9 Uhr zahlen Autofahrer am meisten für Benzin, zum Nachmittag hin bröckeln dann die Preise. Das bestätigt ein Sprecher des ADAC, der sagt: „Ich tanke unter der Woche nur noch dienstags, mittwochs und donnerstags um 18 Uhr.“

          Genau aus diesem Grund ist am frühen Abend unter der Woche das Gedränge auch vor der Jet-Tankstelle an der Borsigallee besonders groß. Berufspendler wissen, dass der Sprit um die Zeit an der Tankstelle günstig ist. „Das war aber schon immer so“, sagt eine Mitarbeiterin, die keinen Zusammenhang zwischen den Autoschlangen vor der Zapfsäule und der neuen Meldepflicht herstellen will.

          Beim Sparen zählt freilich nicht nur der Preis. Wer gestern um 17.30 Uhr mit Standort Gallusviertel nach einer günstigen Zapfsäule für Super suchte, hätte zu diesem Zeitpunkt zum Literpreis von 1,46 Euro (gerundeter Preis) an einer Supermarkt-Tankstelle in Eschborn den besten Preis bekommen, allerdings bei einem Anfahrtsweg von 6,3 Kilometern. Die nächst gelegene Station, eine Shell-Tankstelle, war fünf Cent teurer, lag dafür jedoch viereinhalb Kilometer näher. Eine Viertel Stunde später sieht das Ergebnis aber schon wieder etwas anders aus. Eine Esso-Tankstelle, die auf dem Nachhauseweg liegt, bietet denselben Preis wie Shell. Das wäre vermutlich die wirtschaftlichste Lösung gewesen. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen geht davon aus, dass der Durchschnittsautofahrer bei einer Preisdifferenz von fünf Cent je Liter Sprit 60 Euro im Jahr sparen kann.

          Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob die bessere Transparenz zu niedrigen Kraftstoffpreisen führen wird. Mit diesem Ziel, die Marktmacht der großen Ölkonzerne zu brechen, wurde das Meldeverfahren durchgesetzt. Der Bundesverband Freier Tankstellen, der 2250 Unternehmen vertritt, war von Anfang an skeptisch. Hauptgeschäftsführer Axel Graf Bülow sieht sich nach den ersten drei Monaten bestätigt. „Die Preise wechseln zwar jetzt häufiger, aber am Niveau hat sich nichts geändert.“ Das wundert ihn auch nicht angesichts einer Gewinnmarge von 1 bis 2 Cent pro Liter im Jahresdurchschnitt. „Der Spielraum ist gering.“ Ein Argument der Skeptiker ist auch, dass die Tankstellenbetreiber die Preise der Konkurrenz jetzt besser unter Kontrolle haben. Preisbrecher-Aktionen würden somit seltener.

          So oder so sollten sich Autofahrer nicht kirre machen lassen. Die beste Lösung beim Sparen ist - neben einer spritsparenden Fahrweise - immer noch, den Tank dann aufzufüllen, wenn ein gutes Angebot am Straßenrand liegt.

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