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Das Verbraucherthema : Dispozinsen bleiben ein Ärgernis

Fingerzeig: Auf Kontoauszügen finden sich Angaben, wie teuer es wird, in die roten Zahlen zu rutschen. Bild: Imago

Wer sein Girokonto überzieht, zahlt auch in der Niedrigzinsphase kräftig drauf. Doch zwischen den einzelnen Banken und Sparkassen bestehen große Unterschiede. Das Verbraucherthema.

          Am meisten nimmt die VR Bank Untertaunus. 13,2 Prozent berechnet sie ihren Kunden, die bei ihr ein gewöhnliches Girokonto haben, wenn sie es überziehen. So jedenfalls hat es dieser Tage die Stiftung Warentest gemeldet, die die Dispozinsen von Hunderten Banken und Sparkassen in Deutschland miteinander verglichen hat. Und unter den Häusern im Rhein-Main-Gebiet liegt eben die Genossenschaftsbank mit Sitz in Idstein ganz vorn, was die Konditionen angeht. Am anderen Ende findet sich die 1822 Direkt, die Direktbanktochter der Frankfurter Sparkasse. Sie verlangt 7,7 Prozent.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Die Spannweite ist also groß - den Niedrigzinsen zum Trotz. Zuletzt hat die Europäische Zentralbank den Leitzins auf nur noch 0,05 Prozent gesenkt. Während sich die Habenzinsen der Kreditinstitute längst ebenfalls in diesen Regionen bewegen, langen Banken und Sparkassen bei den Dispozinsen weiterhin kräftig zu. Die Frankfurter Volksbank zum Beispiel berechnet 11,1 Prozent, die Taunus-Sparkasse 11,6, die Frankfurter Sparkasse 11,3.

          Fair wären unter zehn Prozent

          Die Stiftung Warentest resümiert in der Oktober-Ausgabe der Zeitschrift „Finanztest“, zwar seien die Überziehungszinsen binnen Jahresfrist deutlich gesenkt worden. Zu hoch aber seien sie nach wie vor. Der faire Wert, so meinen die Fachjournalisten, liege bei weit unter zehn Prozent. Kein Wunder: Beim Überziehen zeigen sich die Deutschen großzügig. Das Volumen der Überziehungskredite beträgt 38 Milliarden Euro im Jahr, ein Prozentpunkt mehr bei den Zinsen bedeutet mithin um 380 Millionen höhere Erträge. Leicht verdientes Geld, auf das die Banken und Sparkassen auch deshalb nicht verzichten mögen, weil die Niedrigzinsphase auch sie in Nöte bringt.

          Die vollständige Übersicht über die Überziehungszinsen von Hunderten Kreditinstituten findet sich im Internet unter www.test.de/dispo, die Stiftung Warentest verlangt für das Aufrufen zwei Euro. Das kann gut angelegtes Geld sein, wenn der Kunde einmal sehen will, wo die Bank steht, bei der er sein Girokonto hat. Zumal der Vergleich nicht leicht ist: Im Internet geizen Banken und Sparkassen mit solchen Angaben. Der Verbraucher soll schließlich nicht zu viel nachdenken und dann womöglich noch das Haus wechseln.

          Verschiedene Girokontenmodelle

          Einstweilen können sich die Institute darauf verlassen, dass die meisten Kunden scheuen, mit ihrer wichtigsten Bankverbindung von einem Kreditinstitut zum anderen zu gehen. Dabei lässt sich auf diese Weise wirklich Geld sparen. Allerdings sollte man dann nicht nur auf die Dispozinsen achten. Gibt es eine Kontoführungsgebühr oder nicht? Kostet die einzelne Überweisung noch etwas? Was wird für eine Kreditkarte verlangt? Die meisten Banken und Sparkassen bieten längst verschiedene Girokontenmodelle an, wenn auch nicht bei allen die Übersicht so leicht ist wie bei der Frankfurter Sparkasse, die auf ihrer Homepage den Vergleich der Konditionen auf einen Blick ermöglicht - ausgerechnet bis auf die Dispozinsen.

          Dabei finden sich bei vielen Häusern gerade diese beiden Kombinationen: hohe Kontoführungsgebühren und niedrige Überziehungszinsen oder umgekehrt niedrige Gebühren und hohe Zinsen. Auch die VR Bank Untertaunus hat laut Stiftung Warentest noch ein zweites Girokontomodell im Angebot, bei dem der Dispozins 6,6 Prozent beträgt.

          Direktbank mit guten Konditionen

          Vor allem aber muss man sich fragen, ob man überhaupt noch eine Filialbank benötigt oder seine Geldgeschäfte lieber online tätigen will. Manche haben davor noch immer Angst. Dabei ist die Gefahr, dass Ganoven an das Geld kommen, verschwindend gering - bei ungefähr 2,5 Milliarden Online-Überweisungen im Jahr kam es im vergangenen Jahr gerade einmal zu 4100 Hacker-Angriffen.

          Wer also darauf vertraut, dass es ihn nicht erwischt, wer überdies die gängigen Regeln zur Internetsicherheit beachtet, mag sich einer Direktbank anvertrauen. Dass sie bessere Konditionen bieten, zeigt schon die Übersicht der Stiftung Warentest über Dispozinsen. Nicht nur die 1822 Direkt verlangt mit den erwähnten 7,7 Prozent weitaus weniger als das Mutterhaus, auch die ING Diba schneidet mit 8,0 Prozent vergleichsweise gut ab. Dafür muss man natürlich auf einen Ansprechpartner aus Fleisch und Blut verzichten, eine Filiale gibt es ja nicht.

          Wenn überhaupt, so sollte man sein Girokonto nur kurzzeitig überziehen. Zwar ist der Dispokredit die günstigste Form, um an Geld zu kommen, aber auch die teuerste, egal bei welchem Haus. Ein gewöhnlicher Ratenkredit dürfte durch die Bank billiger sein.

          Auf jeden Fall aber sollten Bankkunden vermeiden, so weit in die roten Zahlen zu rutschen, dass der Disporahmen noch überschritten wird. Dann nämlich kennen manche Banken kein Halten mehr. Die Degussa-Bank zum Beispiel verlangt für gewöhnliche Überziehungen 10,9 Prozent, für Schulden über den Disporahmen hinaus aber 15,5 Prozent. Bei der PSD Bank Hessen-Thüringen springt der Zinssatz von 8,0 auf 12,85 Prozent. Aber besser ist es ja sowieso, man bringt der Bank Geld, als etwas von ihr zu nehmen. Auch wenn die Rendite dabei gegenwärtig ausgesprochen niedrig ist.

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