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Das Verbraucherthema : Das Smartphone als Geldbörse

  • -Aktualisiert am

Tipp and Buy: Rechnungen kann man auch per Telefon begleichen. Bild: Bloomberg

Schnell und einfach soll das Zahlen mit dem Handy sein. Doch längst sind nicht alle Sicherheitsbedenken ausgeräumt. Und die Kunden im Geschäft zahlen noch immer am liebsten in bar. Das Verbraucherthema.

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          Als die Kassiererin dem Kunden den Preis nennt, zückt er sein Handy. Er startet die App des Händlers, scannt einen Code auf dem Display des Kartenterminals und drückt auf „Bestätigen“ - der Kauf ist abgeschlossen. „Mobile Payment“ nennen die Einzelhändler die neue Art des Zahlens mit dem Smartphone. Die Mobilfunkanbieter und Handelsketten bieten verschiedene Technologien an (siehe Kasten), doch bisher hat sich noch keine durchgesetzt.

          Anderswo in Europa ist es schon Standard, hierzulande läuft das Handy-Zahlen nur schleppend an. Bei Edeka in Hessen etwa ist der Dienst noch nicht verfügbar. Edeka Südwest befinde sich in einer „internen Testphase“, teilt eine Sprecherin mit. In den knapp 350 Rewe-Märkten, die dem Rewe-Konzern direkt gehören, gilt das Angebot dagegen schon. Die selbständigen Kaufleute, die das restliche Drittel der Märkte ausmachen, nehmen jedoch nicht alle am Programm teil.

          Umrüstung den Händlern zu teuer

          Der Rewe-Kunde meldet sich mit Bankverbindung über die Gratis-App Yapital an. Er hat die Wahl: Entweder er lädt die App mit einem bestimmten Betrag auf. „Dann kann er bargeldlos zahlen und hat trotzdem die volle Kostenkontrolle, anders als mit der EC-Karte“, sagt Oliver Schmitt, Leiter einer Rewe-Filiale im Frankfurter Gallusviertel. Oder der Kunde erteilt eine unbegrenzte Einzugsermächtigung. An der Kasse fokussiert der Kunde ein Pixelfeld, den QR-Code, mit der Handykamera und bestätigt den Kauf durch Tastendruck. Für die Einzelhändler ist die Umstellung auf die QR-Methode einfach: „Wir mussten lediglich eine neue Software aufspielen“, sagt Schmitt.

          Deutlich aufwendiger ist dagegen die NFC-Technologie, bei der Handy und Kasse via Funk miteinander kommunizieren. Statt einen Code abzuscannen, muss der Kunde das Handy nur in die Nähe der Kasse halten. Mit Kreditkarten funktioniert das bereits. Damit es auch beim Handy klappt, muss die Hardware der Kassen umgerüstet werden. Das ist vielen Händlern jedoch zu teuer.

          Und die Vorteile?

          Die Technologie steckt noch in den Kinderschuhen, in Frankfurt etwa kann man in den acht Douglas-Parfümerien und der zum Douglas-Konzern gehörenden Buchhandlung Thalia im Nordwestzentrum per NFC-Handy zahlen. Das führe, da das Verfahren noch so jung sei, mitunter auch zu „staunenden Blicken“ beim Kassenpersonal, sagt ein Douglas-Sprecher. In der Galeria Kaufhof an der Hauptwache wird NFC nur für die Kreditkarte angeboten. Doch das Handy-Verfahren sei in Planung, sagt Geschäftsführer Frank Bertsch, ohne einen genauen Zeitpunkt zu nennen.

          Unabhängig von der Technologie - welche Vorteile das „Mobile Payment“ hat, können die Vertreter des Einzelhandels nicht so recht erklären. Ein Rewe-Sprecher argumentiert, es handele sich um eine „weitere zeitgemäße Möglichkeit des Bezahlens“. Verbraucher müssen zum Einkaufen nicht mehr ihr Portemonnaie mitnehmen. Auch geht der Bezahlvorgang einen Hauch schneller als mit Bargeld. Damit hat es sich aber auch schon.

          NFC-Übertragung könnte man hacken

          Verbraucherschützer sind grundsätzlich skeptisch. „Wenn es an der Kasse schneller geht, liegt das meistens nicht an der Zahlungsweise, sondern daran, wie geschult das Personal ist“, sagt die Sprecherin der Verbraucherzentrale Hessen. Datenschützer teilen die Bedenken aus anderen Gründen. Sie haben Zweifel, dass sensible Kontodaten vor dem Zugriff Dritter sicher sind, auch wenn die Anbieter auf Verschlüsselungs- und Sicherheitsverfahren hinweisen. Das Smartphone sei nun mal ein kleiner Computer, sagt Frank-Christian Pauli, Bankenreferent beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. Und der sei grundsätzlich angreifbarer als eine simple Plastikkarte. Besonders wenn verschiedene Bezahl-Apps auf dem Handy installiert seien, könne nicht einwandfrei sichergestellt werden, dass kein unbefugter Dritter zugreife. Je mehr Zahlungen in Zukunft per Handy abgewickelt würden, desto attraktiver werde das Mobile Payment auch für Kriminelle. Bei der NFC-Übertragung könnten Hacker theoretisch dazwischenfunken und Daten abfangen. „Uns fehlen langfristige Erfahrungen mit Mobile Payment“, sagt Pauli.

          Die Pläne der Hersteller und Händler freilich gehen sehr viel weiter. In der „E-Wallet“, der elektronischen Geldbörse, sollen eines Tages neben dem Einkaufsgeld auch Treuepunkte, Hotelzimmerschlüssel und Flugtickets abrufbereit liegen. Der Discounter Netto etwa bietet Nutzern über seine Bezahl-App schon jetzt eigene Rabatte an.

          Bisher geringe Nachfrage

          Damit könne das Einkaufsverhalten noch lückenloser verfolgt werden, warnen Verbraucherschützer. Der Rewe-Sprecher entgegnet, es würden nur die „absolut notwendigen Informationen“ übermittelt, die grundsätzlich mit niemandem geteilt würden: Name, Rechnungssumme, Transaktionszeitpunkt und Ort der Filiale.

          Das heißt freilich nicht, dass die Unternehmen die Daten nicht für internes Marketing nutzen dürfen. Verbraucherschützer Pauli empfiehlt daher einen Blick in die allgemeinen Geschäftsbedingungen. Handy-Zahler sollten darauf achten, dass ihre Daten nicht anderweitig genutzt werden. „Kunden, die eigentlich nur bezahlen wollen, dürfen nicht Objekte der Marktforschung werden“, sagt der Verbraucherschützer.

          Noch gibt es keinen Grund für Aufregung. Die Nachfrage auf Kundenseite hält sich nämlich in Grenzen. Laut einer aktuellen Umfrage des Marktforschungsunternehmens Nielsen können sich gerade einmal 26 Prozent der regelmäßigen Internetnutzer in Deutschland vorstellen, mit dem Smartphone an der Kasse zu zahlen. Mehr als jeder Zweite hält generell nichts vom mobilen Zahlen. Der Grund: Angst vor Datenmissbrauch. So schnell also wird die Geldbörse neben Schlüssel und Handy wohl nicht aus der Einkaufstasche verschwinden.

          Drei Wege für mobiles Zahlen QR- oder Nummerncode: Über eine App des Händlers zahlt der Kunde per Tastendruck. Zuvor meldet er sich einmalig an und erteilt eine Einzugsermächtigung für sein Konto. An der Kasse scannt er dann entweder ein Pixelfeld (QR-Code) vom EC-Karten-Terminal ab oder nennt dem Kassenpersonal einen vierstelligen Nummerncode, der zuvor auf seinem Handy erschienen ist. Solche Apps bieten etwa die Mehrheit der Rewe-Märkte und alle Netto-Märkte an. Near Field Communication: Die Near Field Communication (NFC) ist technisch komplizierter: Über einen kleinen Funkchip kommuniziert das Handy mit dem Kassenterminal, wenn der Kunde es in höchstens zehn Zentimeter Entfernung hält. Auch hier wird per Tastendruck bestätigt. Jedes dritte Handy, das auf den Markt kommt, ist bereits mit einem NFC-Chip ausgestattet, bei älteren Modellen kann dieser auf die Außenhülle geklebt werden. Für Kreditkarten gibt es diese Zahlmethode schon seit einigen Jahren. Bis 2015 wollen die Volksbanken und Sparkassen außerdem alle neuen und im Umlauf befindlichen EC-Karten mit NFC-Chips versehen. Die Technologie ist jedoch bei den Händlern nicht sehr verbreitet, weil die Kassentechnik dafür umgerüstet werden muss. NFC-Zahlung mit dem Handy ist in Frankfurt bei Douglas und Thalia möglich. Bluetooth: Ein drittes Verfahren sind Bluetooth-Funksender, die mit dem Handy Kontakt aufnehmen und registrierte Kunden bereits bei Betreten des Ladens erkennen. Anbieter versprechen nicht nur eine bequemere Zahlweise, sondern auch eine individuellere Beratung. Verbraucherschützer warnen jedoch vor einer Entwicklung hin zum gläsernen Kunden. Der Internetbezahldienst PayPal möchte die Technologie im Laufe des Jahres in Deutschland einführen, wie eine Sprecherin sagt. Apple nutzt die Bluetooth-Erkennung bereits in seinen Läden in den Vereinigten Staaten. Wann der Dienst nach Deutschland kommt, steht noch nicht fest. (ljag.)

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