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Das Verbraucherthema : Das Geschäft mit den Hemden

Saubere Sachen: Abholbereit hängen die Hemden in der Textilreinigung Kingsgard. Bild: Stefan Finger

Textilreinigungen in Frankfurt haben gut zu tun. Wer viel arbeitet, lässt gerne waschen. Doch der Preiskampf ist hart. Worauf Verbraucher achten können. Das Verbraucherthema.

          3 Min.

          Er gehört für viele am Samstag zum lästigen Erledigungsprogramm vor dem Wochenende: der Gang in die Textilreinigung. Bei Kleiderkur an der Berger Straße im Nordend stehen Kunden um die Mittagszeit gelegentlich bis auf den Bürgersteig, um einen Satz frisch gebügelter Oberhemden für die nächste Arbeitswoche abzuholen oder das Schmutz-Paket der abgelaufenen loszuwerden.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Business-Menschen aus den Büro- und Bankentürmen - „das ist die Kundschaft, von der die meisten Textilreinigungen heute leben“, sagt Siegfried Lange vom deutschen Textilreinigungsverband (DTV). Grundsätzlich sei die Branche in den vergangenen drei Jahrzehnten deutlich geschrumpft. Von 15 000 Betrieben in Deutschland sind gerade noch 3000 übrig. Lange führt dies auf die geänderten Tragegewohnheiten zurück. In die Oper geht man heute auch in Jeans, und die kann jeder bei sich zu Hause in der Maschine waschen. So ist das Hosengeschäft, das einmal 50 Prozent vom Umsatz der Textilreiniger ausmachte, nahezu komplett weggefallen.

          Discount-Preise bei Panteha

          Hinzu kommt ein Preiskampf, der laut Lange in Frankfurt besonders hart ist und mit der geplanten Einführung des Mindestlohns auch noch schärfer werden wird. Panteha heißt das Unternehmen, das bundesweit inzwischen 24 Filialen betreibt, davon 17 in Frankfurt, und der Konkurrenz mit Discount-Preisen von einem Euro für ein gewaschenes und gebügeltes Hemd gründlich die Laune verdirbt. „Die Schere geht immer weiter auseinander“, sagt Reinhold Hörmann, Chef der Kette Kingsgard mit fünf Reinigungen in Frankfurt.

          Die Masse macht’s: In der Textilreinigung von Kingsgard.
          Die Masse macht’s: In der Textilreinigung von Kingsgard. : Bild: Stefan Finger

          Nicht nur Lange, auch Frankfurter Reinigungsunternehmer fragen sich, wie dieses System funktioniert. Panteha reinigt und wäscht zentral in einer Fabrik im Frankfurter Osten, kleinere Betriebe erledigen die Arbeit in der Regel direkt in der Annahmestelle. Die Kosten für Energie, Wasser, Waschmittel und Arbeitslohn kalkuliert der DTV mit 1,60 bis 1,70 Euro pro Hemd. 2,10 oder 2,20 Euro, das sei „ein vernünftiger Preis“, von dem für ein Unternehmen auch noch etwas übrig bleibe.

          Die Reinigung erster Klasse

          Der Frankfurter Kunde freilich hat die Wahl. Discount wie bei Panteha, Mittelklasse-Preise wie bei Kingsgard oder Röver, die mit Paket-Angeboten von 1,70 und 1,84 Euro pro Hemd auch schon recht günstig sind, oder First Class wie bei Kleiderkur im Nordend, wo ein Hemd 2,70 Euro kostet. Wer Wert auf ein schönes Ambiente legt - auf dem Boden liegen alte Kacheln, im Schaufenster plätschert ein Brunnen, und neben der Kasse steht eine Vase mit Blütenzweigen -, wird sich hier besser fühlen als im Discount-Blau von Panteha. Wem das egal ist, der kann dort kräftig sparen (siehe Tabelle).

          Viele Reinigungsunternehmen haben ohnehin ihre Stammkundschaft. Den Lieblingspullover und die Lieblingshose möchte man schließlich nicht irgendwohin geben. Kleiderkur bekomme sogar von Ex-Frankfurtern per Post Sachen aus Hamburg und Zürich zugeschickt, sagt Gordana Mikulic-Marsanic, die Inhaberin. „Die kriegen alles raus“, lobt eine Kundin aus Offenbach, die deswegen regelmäßig nach Frankfurt kommt. Auch bei Kuhlmann, einer ähnlich wie die Delphin-Reinigung am Sandweg sehr persönlich geführten Textilreinigung, heißt es, man lebe von den Stammkunden aus dem Taunus, die in Frankfurt arbeiteten.

          Sauber, aber mit Gefahrenstoffen

          Hemden werden in der Reinigung in der Regel gewaschen. Textilien aus empfindlichen Materialien müssen dagegen trocken gereinigt werden, da die Faser im Wasser aufquellen kann und da sich das Kleidungsstück dann verformt. Die Betriebe verwenden dabei Lösemittel, die der Kleidung Schmutz und Fett entziehen. Das gängigste ist Perchlorethylen (kurz Per), das laut DTV von etwa 70 Prozent der Betriebe eingesetzt wird, knapp ein Drittel arbeiten mit Kohlenwasserstoff-Lösemittel (KWL). Beides sind Gefahrenstoffe, die seit 1991 nur in geschlossenen Systemen verwendet werden dürfen, um Mitarbeiter und Umwelt zu schützen, wobei der offene Umgang mit KWL erlaubt ist.

          Die Reinigung Kingsgard hat gerade auf ein neues, alternatives Lösemittel umgestellt: Dibutoxymethan. Es ist nicht als Gefahrenstoff gekennzeichnet und muss daher nicht extra entsorgt werden. Das spare dem Unternehmen auch die Kosten für die jährliche TÜV-Prüfung, sagt Betriebsleiter Hörmann.

          Nassreinigung bei Funktionskleidung

          Zunehmend etabliert sich nach Angaben der Stiftung Warentest auch die sogenannte professionelle Nassreinigung, bei der als Lösemittel Wasser mit Waschmittel dient, chemische Lösemittel sind nicht erforderlich.

          Im Etikett sagt der Buchstabe W mit einem Kreis drum herum, dass diese Reinigung in Frage kommt. Das ist vor allem bei Funktions- und Sportkleidung mit einem Kunstfaseranteil von mindestens 30 Prozent der Fall. Bei der Europäischen Forschungsvereinigung Innovative Textilpflege hebt man hervor, dass diese Art der Reinigung schonender sei als mit einer Haushaltswaschmaschine, wie überhaupt die Maschinen in der Reinigung beim Wasserverbrauch deutlich sparsamer arbeiteten als im Haushalt.

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