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Das „ungebaute Frankfurt“ : Mehr Zukunft

So wie die diesjährigen Kirschbäume neben der Alten Oper soll auch die Zukunft Frankfurts blühen. Bild: Junker, Patrick

„Früher war mehr Zukunft in unserer Stadt“, ist sich Matthias Alexander sicher. Diese Tugend soll wiederentdeckt werden, um die kommenden Jahre mutiger anzugehen.

          Frankfurt hat die Zukunft recht spät für sich entdeckt. Dann aber mit Macht. Die etwas behäbige, etwas selbstgenügsame Stadt hatte es sich bis weit ins 19. Jahrhundert hinein gemütlich gemacht als Messeort und Stadt der Kaiserkrönungen. Es waren zwei aus Norddeutschland importierte Oberbürgermeister, Johannes Miquel und Franz Adickes, die den Ort mit dem forcierten Ausbau der Infrastruktur zur modernen Großstadt formten.

          In den zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts fand sich Frankfurt plötzlich sogar an der Spitze des gesellschaftlichen „Fortschritts“. Das neue Frankfurt und das Institut für Sozialforschung wurden zu weltweit wahrgenommenen Institutionen der Avantgarde. Mit einer Unterbrechung im Nationalsozialismus, als Frankfurt alles andere als eine Hauptstadt der „Bewegung“ war, was sie nicht vor der Zerstörung durch Bomben bewahrte, hat sie sich den Schwung über Jahrzehnte erhalten.

          Eine gute Mischung

          Keine Frage, dabei kam es in der Nachkriegszeit zu Übertreibungen. Der Autor der „Unwirtlichkeit der Städte“, Alexander Mitscherlich, musste seine Heimatstadt nicht verlassen, um genügend Anschauungsmaterial zu finden. Der in der harten, aber auch vibrierenden Mainmetropole erwirtschaftete Reichtum wurde dann seit den späten siebziger Jahren dafür verwendet, der Stadt ein freundlicheres Antlitz zu geben.

          Nimmt man alles in allem, so entstand eine gute Mischung. Sie ist abzulesen an Gebäuden und an Institutionen: an den Museen, den Hochhäusern, der Universität, der Verkehrsinfrastruktur. Sie ist zu erspüren in der weltoffenen, von Dünkel freien Atmosphäre, die den Fremden, ob er nun aus Hamburg oder aus Timbuktu kommt, neugierig empfängt.

          Und doch gibt es Anlass zur Sorge. Es ist gar nicht so leicht zu sagen, wann Frankfurt das Interesse am Futur verlor und sich in einer eigentümlichen Verzagtheit eingerichtet hat. Schaut man auf die Parteien im Römer und auf ihre Programme, dann ist dort vor allem zu lesen, was sich nicht verändern soll.

          Früher war mehr Zukunft in unserer Stadt. Die Serie über das „ungebaute Frankfurt“, mit der wir heute beginnen, zeigt, wie groß hier in früheren Jahren immer wieder gedacht wurde. Diese Tugend sollte wiederentdeckt werden, gerade wenn man möchte, dass die Dinge so bleiben, wie sie sind. Vielleicht kann der Blick auf die Vergangenheit der Zukunft dazu ermuntern, das Morgen wieder mutiger anzugehen.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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