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Ausblick für Landeshauptstadt : Wiesbadener Perspektiven 2019

Der Oberbürgermeister von Wiesbaden Sven Gerich unterwegs auf den Leihfahrräder. Bild: Cornelia Sick

Eine bevorstehende OB-Wahl, gebündelt mit der Europawahl und womöglich einem Bürgerentscheid über die Citybahn, das wird die Landeshauptstadt politisch maßgeblich prägen. Die Wohnungsnot soll dabei nicht aus den Augen verloren werden.

          6 Min.

          Qual der Wahl

          Der Vorwahlkampf hat in Wiesbaden längst begonnen, auch wenn noch nicht alle Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl am 26. Mai feststehen. Mit Eberhard Seidensticker (CDU), Ingo von Seemen (Die Linken) und Sebastian Rutten (FDP) sind aber schon drei männliche Herausforderer von Amtsinhaber Sven Gerich (SPD) namentlich bekannt. Alle drei sind Stadtverordnete und mit den Wiesbadener Themen bestens vertraut. Die Grünen-Fraktion zieht in Kürze mit ihrem noch unbekannten Bewerber nach. Es wird nicht die letzte Fraktion sein, die mit einem Kandidaten im Wahlkampf Flagge zeigen will. Deshalb und weil die Wiesbadener Direktwahl am Tag der Europawahl stattfindet, gelten ein knappes Ergebnis im ersten Wahlgang und eine Stichwahl drei Wochen später als wahrscheinlich.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Vieles spricht für ein finales Duell Gerich gegen Seidensticker, obwohl Letzterer erst nach einer ziemlich missratenen Kandidatenkür der CDU nominiert worden war. Das könnte Seidenstickers Wahlkampf noch atmosphärisch belasten, zumal der parteiinterne Machtkampf zwischen Bürgermeister und CDU-Parteichef Oliver Franz und Fraktionschef Bernhard Lorenz noch der Entscheidung harrt. Die Affäre um die Geschäftsbeziehungen zwischen Lorenz und dem entlassenen Holding-Geschäftsführer Ralph Schüler wird in diesem Jahr noch ein Nachspiel in einem Ausschuss haben, der die Vorgänge aufarbeiten soll. Auch die Nachbereitung der sogenannten St.-Tropez-Affäre und die Antwort auf die Frage, ob die Freundschaft mit Oberbürgermeister Gerich der Gastronomie-Familie Kuffler handfeste Vorteile verschafft hat, steht noch an. Auch sie könnte die Wahlen beeinflussen. Bei Wahlen sind die Wiesbadener jedenfalls immer für Überraschungen gut. Gerich (im Foto vorne vor dem Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling) gilt bislang als klarer Favorit wegen seiner hohen Präsenz und seiner sympathisch-verbindlichen Art. Nicht nur in der Stadt, sondern auch in den sozialen Netzwerken ist der Oberbürgermeister fleißig unterwegs. Spannend wird aber zu beobachten sein, welchen Einfluss die Bündelung mit der Europawahl auf die Wahlbeteiligung und das Wahlergebnis haben wird. Und es ist keineswegs ausgeschlossen, dass den Wahlberechtigten an diesem Tag nicht auch noch eine Meinung zum Projekt Citybahn abverlangt wird.

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