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Gründerpreis : Das sind die besten Gründer Frankfurts

  • -Aktualisiert am

Frankfurter Gründerpreisträger 2021: Maria Möller (links) und Laura Mohn mit einem Gebärdensprache-Daumenkino Talking Hands für das zum Wort „Huhn“ Bild: Marcus Kaufhold

Mit 30.000 Euro ist der Frankfurter Gründerpreis eine der höchstdotierten Auszeichnungen dieser Art in Deutschland. Dieses Jahr ging er an vier Start-ups.

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          1. Platz: Daumenkino für Gebärdensprache von Talking Hands

          Quadratisch, bunt und broschürendünn sind die Lehrbücher, die Maria Möller zusammen mit ihrer Freundin Laura Mohn entwickelt hat, die als Daumenkino jeweils die Gebärde für ein bestimmtes Wort erklären. Wer sie durchblättert, sieht dann zum Beispiel, wie zwei Hände die Geste für Ball formen.

          „Wir wollen alle Kinder damit ansprechen, nicht nur die mit Behinderung“, sagt Maria Möller. Mit ihren kurzen Büchern wollen sie die Inklusion schon im frühkindlichen Alter fördern. „Kinder mit Down-Syndrom lernen oft später sprechen, deswegen ist es für sie wichtig, Gebärdensprache zu lernen“, sagt Möller. „Aber oft sind die Materialien dazu nur irgendwelche Karteikarten mit Strichmännchen. Da hat natürlich niemand Lust darauf, das zu lernen.“ Mit ihren Produkten wollen die Gründerinnen das ändern – explizit, ohne dabei auf digitale Medien zu setzen, sondern mit Druckwerken, die auch die Haptik der Kinder fördern sollen. Inzwischen gibt es Bücher für mehr als 100 verschiedene Gebärden. Ein einzelnes kostet 3,50 Euro, ein Set mit 100 Büchern 250 Euro.

          Die ersten Gespräche mit potentiellen Geldgebern seien nicht gut gelaufen, erinnert sich Möller – der Markt sei zu klein, war damals das Argument. Das jedoch sei der ganz falsche Ansatzpunkt: „Mit den Bücher sollen ja alle Kinder Gebärdensprache lernen können. Die Zielgruppe ist riesig.“ Die Prototypen haben sie mehrfach in Kitas getestet: Was ist das perfekte Material, damit die Kinder gut umblättern können? Wie müssen die Farben sein, damit die Kinder sie perfekt erkennen? „Es war ein langer Prozess bis zum perfekten Daumenkino.“

          Wissen war nie wertvoller

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          Die Gründerinnen haben eigentlich in Frankfurt Kommunikationsdesign studiert und danach in einer Werbeagentur gearbeitet – mit frühkindlicher Förderung hatten sie zunächst nichts zu tun. Auf die Idee, Produkte für die Inklusion zu entwickeln, kam Mohn über ihre Schwester, die Down-Syndrom hat. Mohn und Möller kündigten ihre Jobs, räumten ihre Sparkonten leer und steckten alles in ihr Start-up „Talking Hands“. Im Dezember 2020 startete der Verkauf: „Wir haben super stark angefangen, in zwei Wochen waren die Produktionskosten wieder drin. Aber dann kam der Kita- und Schullockdown“, sagt Möller. Damit fielen ihre Hauptkunden weg. Seitdem werben sie um Privatkäufer. Aber insgesamt hätten sie Glück gehabt, sagen die beiden. „Über die Umsätze konnten wir uns nie beschweren. Wir hoffen jetzt, ab September wieder durchzustarten.“ Bald soll die dritte Auflage an Daumenkinos kommen, mit immer neuen Gebärden. „Wie bekommen ständig gesagt, welche Wörter noch fehlen“, sagt Möller.

          Aber auch andere Produkte sind geplant, zum Beispiel Spielzeuge. Die Lernmedien sollen den Kindern Spaß machen. Auch eine App soll bald rauskommen. Und es gebe erste Gespräche mit Investoren, die an dem Start-up interessiert seien. „Der Traum sei, ein ganzes Inklusionsunternehmen zu werden. „Wir wollen Aufmerksamkeit für das Thema schaffen“, sagt Möller. Die haben sie nun mit der Auszeichnung als Frankfurter Gründer des Jahres sowie 12.500 Euro Preisgeld sicher.

          2. Platz: Frankfurter Brauunion mit eigenem Lieferdienst

          Eigentlich geht Bier durch Darm und Leber, für ihn, sagt Sven Weisbrich, sei es jedoch „ein Herzensprojekt“. Der 43 Jahre alte Marketingmanager hat ein Bier mitentwickelt und ist nun Geschäftsführer des Start-ups Frankfurter Brauunion, das hofft, dass sein Gebräu zum beliebtesten in der Stadt wird.

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