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Filmgeschichte : Fassbinder wird Frankfurter

Archivarin Isabelle Bastian im Fassbinder-Raum, der Manuskripte und Fotos beherbergt. Bild: Michael Kretzer

Das neue Fassbinder Center eröffnet im Deutschen Filminstitut in Frankfurt. Fast der gesamte Nachlass des Filmregisseurs Rainer Werner Fassbinder wird hier zukünftig untergebracht.

          Plötzlich diese Übersicht. Es ist ungeheuer. Zentimetergenau liegen die Plakatmappen übereinander, darüber, in Metallregalen, die Leinwände mit großformatigen Kinomalereien. Im Flur, auf einem Plakatregal, klebt ein handgeschriebener Zettel: „UFO“. Nicht etwa Flugobjekte, sondern noch unidentifizierte Fundobjekte, aufgefallen beim großen Räumen in den vergangenen vier Wochen. Ein Kontaktabzug von Klaus Kinski als Fitzcarraldo liegt obenauf. Wenn die Feinarbeiten abgeschlossen sind, werden auch diese „Ufos“ am richtigen Platz einsortiert sein. Morgen wird das neue Archiv- und Studienzentrum des Deutschen Filminstituts und Filmmuseums (DFF) eröffnet.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Für das DFF, seit zwölf Jahren eine gemeinsame Einrichtung aus dem einst städtischen Museum und Kommunalen Kino und dem Institut, ist das neue Fassbinder Center an der Eschersheimer Landstraße 121 ein riesiger Sprung nach vorn. Dass, wie im Herbst vergangenen Jahres bekanntgegeben, der Nachlass des legendären Regisseurs Rainer Werner Fassbinder (1945-1982) nach Frankfurt geht, wo er 1974 als Intendant das Theater am Turm geleitet hat und unter anderem 1978 „In einem Jahr mit 13 Monden“ gedreht hat, brachte die Neuausrichtung der immensen Sammlung überhaupt erst ins Rollen und gab dem Zentrum den Namen.

          Gesamter Papiernachlass verkauft

          Die Präsidentin der Fassbinder Foundation, Juliane Maria Lorenz-Wehling, hat den gesamten Papiernachlass Fassbinders an das DFF verkauft. Insgesamt 750 000 Euro hat der Erwerb des Schriftguts gekostet, finanziert haben den Ankauf die Hessische Kulturstiftung, die Kulturstiftung der Länder und die Stadt Frankfurt. Ebenfalls aus städtischen Mitteln stammen die 500 000 Euro für die Ertüchtigung und Einrichtung des von Carlo Giersch bereitgestellten Gebäudes.

          Noch 70 der 183 roten Pappkästen mit Fassbinders Texten, Notizen, Bildern, Fotografien müssen aus den Räumen der Berliner Fassbinder Foundation nach Frankfurt umziehen, dann ist alles komplett, was die Legende der neuen deutschen Filmgeschichte schriftlich und im Bild hinterlassen hat, die Filme und deren Vertrieb bleiben bei der Foundation. Wer künftig die Entstehung der 45 filmischen Werke Fassbinders und all der Satellitenprodukte erforschen will, soll sich auch auf Fassbinders Sofa ausruhen können: Es soll im Lesesaal Platz finden.

          Mit guten 20 000 Filmkopien, mehr als zwei Millionen Fotos, 40 000 Plakaten, dazu Geräte, Kostüme, Objekte zur deutschen Filmgeschichte, allesamt weiter wachsende Bestände, zählt das DFF zu den großen Bewahrern des Filmerbes. Seit vielen Jahren lagern die Filme in Wiesbaden, dem einstigen Sitz des Filminstituts, die Bibliothek ist in die Deutsche Nationalbibliothek gezogen. Doch das sogenannte Schriftgut war bislang auf mehrere Standorte verstreut – und nicht gerade nutzerfreundlich untergebracht.

          Große Bewahrer des Filmerbes

          Die deutsche Filmgeschichte lagert in den Mappen und Kompaktregalen, die mit großen Kurbeln bedient werden. Dort prangen frische Beschriftungen, eine Versammlung der Stars. Hans Albers. Lilian Harvey. Maria und Maximilian Schell. Das geht so weiter bis zu neuem Material von Katja Riemann und Julia von Heinz. Artur Brauner und die Produktionsgesellschaft X-Filme, mit Tom Tykwer, Dani Levy und anderen, haben eigene Räume. Tausende Ordner, Schuber und Kästen, Ehrenpreise und Kulissenteile lagern da in guter Nachbarschaft, etwa zu Volker Schlöndorff. Der gebürtige Wiesbadener, dem Filmmuseum von Beginn an freundschaftlich verbunden, gibt seit geraumer Zeit seinen Vorlass nach Frankfurt.

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