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Kommentar zu Mobbing-Affäre : Das Kaninchenjagd-Gate

Weist Vorwürfe von sich: Peter Tauber, CDU-Generalsekretär Bild: AFP

Die Streitereien innerhalb der Main-Kinzig-CDU und um die „Operation Kaninchenjagd“ überschriebene Mobbing-Aktion treffen Peter Tauber. Am härtesten jedoch die Demokratie. Die Parteienverdrossenheit wird damit nur gefördert.

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          Die Nachricht kam im Frühsommer 2011 überraschend: Tom Zeller, Kreisvorsitzender der CDU im Main-Kinzig-Kreis, legte sein Amt nieder, sein Nachfolger wurde der Bundestagsabgeordnete Peter Tauber. Er übernehme die Verantwortung für das schlechte Ergebnis der CDU bei der Kommunalwahl, nannte Zeller offiziell als Grund. Tatsächlich aber dürften die maroden Finanzen der Partei die Hauptrolle gespielt haben. Mit mindestens 100 000 Euro stand die Main-Kinzig-CDU damals in den roten Zahlen.

          Dann räumte Tauber auf und führte den Kreisverband mit rigorosen Sparanstrengungen aus der Schuldenkrise. Dabei hat er sich nicht nur Freunde gemacht in der Partei. Bei der Konsolidierung arbeitete Tauber an der Seite der Geschäftsführerin Anne Höhne-Weigl. Heute wird offenbar, dass das nicht in Harmonie geschehen sein kann. Doch immerhin gelang das Werk. Die Partei ist mittlerweile schuldenfrei.

          Gemeinsam stolz zu sein auf das Geleistete, war Tauber und Höhne-Weigl wohl nicht möglich. Stattdessen bilden die beiden mit Zeller ein Dreieck aus gegenseitigen Verdächtigungen, Unterstellungen und Undurchschaubarkeiten. Solange es keine eindeutigen Nachweise gibt, gilt für alle die Unschuldsvermutung. Für Zeller, dass damals mit den Finanzen alles rechtmäßig zuging, für Tauber, dass er mit dem Mobbing-Pamphlet nichts zu tun hatte, und für Höhne-Weigl, dass sie das zehn Jahre alte Papier nicht aus Frustration an die Öffentlichkeit gegeben hat.

          Wer auch immer es tat, weiß, welchen Schaden das anrichten kann. Schließlich hätte der Zeitpunkt, die parteiinterne Bombe platzen zu lassen, kaum besser gewählt werden können: Die Koalitionsverhandlungen mit der SPD sind kürzlich an internen Streitigkeiten gescheitert, am Wochenende wird die Kandidatin für die Landratswahl nominiert und auch die Festlegung auf die Bundestagskandidaten steht demnächst an. Diese Termine könnten zur Zerreißprobe für die Partei und ihre ohnehin angeschlagene Führung werden.

          Besonders misslich ist die Sache für Peter Tauber: Allein der Verdacht, für ein Papier mit solch zynischem Inhalt mitverantwortlich sein zu können, bedeutet für einen CDU-Generalsekretär eine Bedrohung - mindestens für sein Prestige, womöglich sogar für seine Stellung.

          Die Streitereien innerhalb der CDU und um die von den unbekannten Verfassern „Operation Kaninchenjagd“ überschriebene Mobbing-Aktion treffen am härtesten jedoch die Demokratie. Die Parteienverdrossenheit wird damit nur gefördert.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

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