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Der Lokaltermin : Steak und Austern auf Stahl

Für jeden Gast ein Lätzchen: „Kabuki“ an der Kaiserstraße Bild: Wonge Bergmann

Für manche ist das „Kabuki“ im Bahnhofsviertel das beste japanische Restaurant der Stadt. Das Lokal hat sich auf das Kochen am Tisch, dem Teppanyaki, spezialisiert.

          Von außen ist das Lokal - wohlwollend ausgedrückt - unscheinbar. Innen verströmt der langgezogene Gastraum in weiten Teilen den Charme der Achtziger. Und wenn die Gäste schließlich wieder auf die Straße treten, dann haften ihrer Kleidung hartnäckig die Düfte der Küche an. All das klingt vielleicht nicht sonderlich verlockend, es ist allerdings auch das einzig Negative, das sich über das „Kabuki“ sagen lässt. Für manche Stammgäste ist das Restaurant an der Kaiserstraße gar das beste japanische Restaurant in der Stadt. Und das seit seiner Eröffnung 1989.

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Diese Meinung muss man nicht unbedingt teilen, etwas Besonderes ist das „Kabuki“ aber tatsächlich. Denn in dem Restaurant mit seinen gut 75 Plätzen wird Teppanyaki geboten, eine Form der japanischen Kochkunst, bei der die Gerichte direkt am Tisch, vor den Augen der Gäste, auf einer heißen Stahlplatte zubereitet werden. Das haben in Frankfurt noch andere Japaner im Programm, das „Kabuki“ ist aber das einzige Haus, das sich auf diese Art der Zubereitung spezialisiert hat.

          Keine großen Showeinlagen

          An den ausladenden Tischen sitzen die Gäste wie an einer Bar rund um eine eingelassene, heiße Stahlplatte, an der in der Mitte der Teppanyaki-Koch steht und mit atemberaubender Präzision die Gerichte brät und anrichtet. Die Auswahl an Speisen ist groß, zubereitet werden sie fast ausnahmslos am Tisch. Haben die Gäste beim Service gewählt, erscheint wenig später der Koch mit den vorbereiteten Zutaten, einem Körbchen mit Soßen und Gewürzen - und einem scharfen Messer. Einem sehr scharfen Messer, um genau zu sein. Damit schneidet er Entrecote, Roastbeef, Entenbrust, Hähnchen, Lachs, Dorade, Thunfisch, See-Aal, Pulpo, Jakobsmuscheln, Riesengarnelen und sogar Austern sowie Beilagen wie Pilze, Tofu und Gemüse mit unglaublich akkuraten Schnitten in Form - und der unbedarfte Gast versteht, warum die Messerkultur in Nippon einen solchen Stellenwert hat.

          Auf den Punkt gebraten und im Handumdrehen angerichtet, kommen die Speisen gewissermaßen direkt vom Stahlgrill zum Gast, der im Übrigen, falls er angesichts der Nähe zum Koch Sorgen um Hemd, Krawatte oder Kostüm hat, ein an jedem Platz bereitliegendes Papierlätzchen tragen kann. Anders als in manch anderem Teppanyaki-Restaurant neigen die Köche im „Kabuki“ allerdings nicht zu größeren Showeinlagen, sondern braten und servieren mit professioneller Routine.

          Das Resultat ist beeindruckend: Fleisch, Fisch und Gemüse sind von bester Qualität und wegen der kurzen Bratzeiten extrem zart und aromatisch. Die begleitenden Soßen und Zutaten verleihen den Gerichten jeweils ganz unterschiedliche Geschmacksbilder von sehr mild bis würzig-scharf. Unbedingt zu empfehlen sind als Begleiter die Sakes auf der Karte, am besten gekühlt getrunken. Wie die Speisen (Hauptgerichte abends 28 bis 45 Euro, mittags 12 bis 25 Euro), so haben auch diese Reisweine ihren Preis. Doch sie sind mit ihren kräftigen, aber eleganten Aromen für die Teppanyaki-Küche perfekt geeignet - und runden einen Besuch im „Kabuki“ erst richtig ab.

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