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Fresenius-Finanzchefin Empey : „Ich bin Deutsche, Europäerin und Engländerin“

Finanzchefin eines Weltkonzerns: Rachel Empey sitzt im Vorstand von Fresenius. Bild: Wolfgang Eilmes

In der konservativen Pharmabranche sind Frauen selten in Führungspositionen. Rachel Empey ist die einzige Frau im Vorstand von Fresenius – aber nicht nur das zeichnet sie aus.

          Rachel Empey empfängt ihre Gäste im Stehen. Wer den Blick durch ihr Büro in der Zentrale von Fresenius in Bad Homberg schweifen lässt, entdeckt nicht einen Stuhl. Dafür aber einen ziemlich großen Tisch, an dem sich gut eine Stehkonferenz abhalten lässt. Und sitzen sei ja auf die Dauer auch ganz ungesund, sagt Empey. Die schmale Frau mit der halblinks gescheitelten aschblonden Lockenmähne wartet zudem mit einer erstaunlichen Selbsteinschätzung auf: Sie empfindet sich als langweilig, jedenfalls gilt das im Vergleich zu ihrem Kollegen Francesco De Meo, der in jungen Jahren Geld als Radsportler in Italien verdient und viele Kinder hat. Empey hat einen Mann, aber keine Kinder.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Aber ist sie deshalb langweilig? Schließlich zeichnet die 42 Jahre alte Mathematikerin als Finanzchefin eines Weltkonzerns mit mehr als 275.000 Beschäftigten. Eines Unternehmens aus der konservativen Pharmabranche überdies, in deren Vorstandsetagen Frauen nicht gerade zum Inventar gehören.

          Engländerin mit deutschem Pass

          So ist Empey die erste Frau auf diesem Posten und genau genommen sogar die erste Frau im Fresenius-Vorstand. Zwar führte einst Else Kröner das Unternehmen. Doch das war vor jenen Tagen zu Anfang der achtziger Jahre, in denen Fresenius in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde, im Zuge dessen erstmals einen Vorstand bekam – und die Familienunternehmerin Kröner den Vorsitz des Aufsichtsrats übernahm. Mithin erscheint Empey schon aufgrund ihres Alleinstellungsmerkmals interessant.

          Und dann ist da noch so manches Detail. Empey ist Engländerin, was schon ihr Akzent verrät, hat sich aber zwischenzeitlich auch den deutschen Pass besorgt und eine klare Meinung zum Thema Heimat. Sie trinkt Tee, aber im Gegensatz zu vielen Briten keinen Schwarztee aus dem typischen runden Beutel. Sondern Ingwertee. Nichts anderes. Wirklich keinen Yorkshire Tea oder Twinings? „Nein, ich sage ja, ich bin langweilig.“ Eben nur Ingwer. „Der ist sehr gesund“, sagt sie zur Begründung.

          Internationaler Lebenslauf

          Diese Aussage passt zwar gut zu einer Managerin aus der Gesundheitsbranche, ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn früher hat sie durchaus Schwarztee getrunken, wie sie erzählt. Bis sie bei der Unternehmensberatung Ernst & Young angefangen hat und es dort lediglich eine Kaffeemaschine gab. „Der Kaffee war da ganz schlecht“, sagt sie und verzieht den Mund. So landete sie gleich bei Ingwer, den sie als „geschmackvoll“ bezeichnet. Außerdem enthält er kein Koffein – „ganz wichtig“. Wachmacher braucht sie offenbar nicht in ihrem Arbeitsalltag, der nicht selten in die Nacht hineinreicht. Denn ihre Gesprächspartner sitzen zum Beispiel auch in Nordamerika. Dessen ungeachtet, wohnt Empey ein gehöriges Maß an Internationalität inne, wie schon ihr Lebenslauf zeigt.

          Seit dem 1. August 2017 arbeitet Empey als Nachfolgerin von Stephan Sturm, der auf den Posten des Vorstandschefs aufgerückt ist. Vorher war sie als Analystin für den Technologiekonzern Lucent und danach in leitender Funktion für Telefónica Deutschland in München tätig, seit 2011 als Finanzchefin der Tochter des spanischen Konzerns. „Ich hatte vorher noch nie so lange in einer Stadt gelebt“, bekennt sie. München sei wunderschön, und sie habe dort eine sehr gute Zeit verlebt.

          Aber nach insgesamt 14 Jahren in Diensten des Telefonnetz-Betreibers habe sie das Gefühl gehabt, etwas Neues machen zu müssen. Und „neu“ heiße: neue Branche, neue Stadt, neues Unternehmen. „Ich brauchte eine neue Herausforderung – die habe ich hier gefunden.“ Nach eingehenden Gesprächen mit ihrem Mann, wie sie sagt. Er arbeitet für BMW in München. „Wir pendeln, das heißt, meistens pendelt er zu mir“, erzählt sie lächelnd.

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