https://www.faz.net/-gzg-9n405

Ehemann Linsenhoffs : Reitlehrer aus tiefstem Herzen

  • -Aktualisiert am

Frühaufsteher: „Wenn es halb sechs ist, muss ich raus“, sagt Klaus-Martin Rath, hier in den Pferdeställen auf dem Schafhof in Kronberg von sich selbst. Bild: Michael Kretzer

Klaus-Martin Rath ist der Mann an der Seite der ehemaligen Dressurreiterin Ann Kathrin Linsenhoffs. Aber er ist noch viel mehr. Zum Beispiel Pferdekenner und Familienmensch.

          Ein Abend im vergangenen November. Ann Kathrin Linsenhoff und ihr Ehemann Klaus-Martin Rath hatten eine illustre Schar von Gästen zu einem festlichen Essen auf den Schafhof in Kronberg geladen. Es gab gute Weine, der Koch aus der Sylter Sansibar brachte afrikanisch Inspiriertes auf den Teller. Die Gäste waren gebeten worden, für Unicef zu spenden, denn die Hausherrin engagiert sich seit vielen Jahren für das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. Irgendwann erhob sich Ann Kathrin Linsenhoff, um von ihren Erlebnissen in Kongo zu berichten. Sie hatte bei einer Reise in die Kasai-Region des zentralafrikanischen Landes einen jungen Mann wiedergetroffen, der einst Kindersoldat war und heute als Lehrer seine Schüler vor ähnlich schrecklichen Schicksalen bewahrt. Linsenhoff berichtete auch, dass sie nie zuvor in ihrem Leben so viel Angst gehabt habe wie auf dieser Reise. Neben ihr stand eine Leinwand, und sie fragte sich jetzt laut, ob sie ihren Gästen jenen kleinen Streifen vorführen sollte, der sie getroffen zeigt von dem, was sie in Kongo sah, und in dem sie sagen wird: „Ich muss das erst mal verarbeiten.“ Und in diesem Moment, als sie noch zögert, fragt sie ihren Ehemann: „Ich weiß jetzt nicht – Klaus, nein oder ja?“

          Klaus-Martin Rath hat Ja gesagt, und die kleine Szene beschreibt ganz gut seine Rolle. Er ist in dieser Partnerschaft der Ratgeber, der ruhende Pol, der Mann im Hintergrund. Klaus-Martin Rath, der meist nur als Klaus angeredet wird, sagt selber, er assistiere gern hinter der Bühne, wenn seine Frau auf ihr agiert. Wenn er von ihr redet, sagt er meist „meine liebe Ann Kathrin“. Der Mann an ihrer Seite ist seit 2004 mit der Enkelin des Gründers des Unternehmens VDO und Goldmedaillenreiterin von Seoul verheiratet, für beide ist es die zweite Ehe. Klaus-Martin Rath ist kürzlich 60 geworden, wirkt aber jünger. In der Berufsrubrik, falls es sie auf den Anmeldezetteln der Hotels noch gäbe, würde er „Reitlehrer“ angeben.

          Vor dem Unterricht in den Stall

          Was natürlich, wie so oft bei ihm, ein Understatement wäre. Aber er bleibt dabei: „Reitlehrer bin ich aus tiefstem, tiefstem Herzen.“ Dabei könnte er sich auch Unternehmer nennen oder Immobilienmanager oder Reitturnierveranstalter oder stellvertretender Vorsitzender der Linsenhoff-Stiftung oder Firmenmitgründer in Sachen erneuerbarer Energie oder Majordomus eines wunderschönen, gepflegten Anwesens, 25 Hektar groß und an jeder Stelle in Schuss. Hier auf dem Schafhof mit den edlen Ställen und der lichten, weiten Reitanlage haben schon Europameisterschaften stattgefunden und Weltstars der Dressur trainiert. Als er zum ersten Mal auf das Anwesen kam, war er angesichts der Größe und Pracht „erschrocken“.

          Geboren ist Klaus-Martin am 9. April 1959 in der Kleinstadt Preetz in der Holsteinischen Schweiz. Dass er aus dem Norden stammt, hört man an seinem gerollten R. Außerdem sagt er „ergendwo“ statt „irgendwo“. Er ist das fünfte von acht Kindern, alle zwei Jahre kam eines auf die Welt, überdies war immer ein Pflegekind im Haus. Es war kein luxuriöses Leben auf dem Lande. Der Vater war Bankkaufmann und führte nebenher einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb. Sieben Kilometer Fußweg zur Schule legte der Junge zurück, im Sommer wie im Winter. Um halb sechs stand er auf. Vor dem Unterricht ging er oft in den Stall, Kühe melken, er tat das sogar gern.

          Es war eine behütete Kindheit in jener Art von Familie, in der es undenkbar war, die Eltern zu belügen. „Das hätte auch sofort an der Stirn gestanden“ – Ehrlichkeit ist Rath bis heute wichtig. Es war aber auch eine Familie, in der die Eltern nie Zärtlichkeit oder überhaupt Gefühle zeigten. Und es wurde viel Wert darauf gelegt, was die anderen dachten, die Nachbarn und die Bekannten im Dorf. Lange Jahre verspürte Rath den Druck, anderen immer gefallen zu wollen. Irgendwann, da war er längst verheiratet und Vater dreier Söhne, stellte Klaus-Martin Rath fest, dass er gar nicht das Leben lebte, das er wollte, dass er im Inneren ein anderer war, als er nach außen vorgab. Es dauerte dann eine Weile, bis er zu sich selbst fand und das hinbekam, was ihn heute auszeichnet: in sich zu ruhen.

          Weitere Themen

          Glückliche Sattlerin

          Sattlerin : Glückliche Sattlerin

          Eine junge Hamburgerin möchte Bleibendes schaffen und setzt die Familientradition fort. Die Täschnerin will Dingen eine Seele geben.

          Topmeldungen

          Series 5 im Test : Wie gut ist die neue Apple Watch?

          Am Freitag kommt die neue Smartwatch von Apple in den Handel. Die dunkle Anzeige im Ruhemodus ist damit Vergangenheit. Das Display der Series 5 ist immer eingeschaltet. Aber es gibt ein Problem.
          Dr. Ruth Gomez arbeitet  im universitären Kinderwunschzentrum in Mainz als Pränataldiagnostikerin.

          Spezielles Verfahren : Einzige Chance auf ein gesundes Kind

          In der Mainzer Universitätsklinik sind zum ersten Mal Babys nach einer Präimplantationsdiagnostik auf die Welt gekommen. In das ethisch umstrittene Verfahren setzen verzweifelte Paare ihre ganze Hoffnung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.