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Millennium-Tower : Das Hochhaus kommt zur rechten Zeit

Neuzugang am linken Rand der Skyline: Mit dem Millennium-Tower bekommt der Commerzbank-Tower ein Gegengewicht. Bild: CA Immo

Der rund 300 Meter hohe Millennium-Tower wird die Frankfurter Skyline fundamental verändern. Dass er gebaut wird, ist aus mehreren Gründen wahrscheinlich.

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          Wenn das Licht am Abend freundlich ist, stehen sich die Fotografen auf der Alten Brücke in Frankfurt mit ihren Stativen gegenseitig auf den Füßen. Der Blick von der Mainbrücke aus ist das klassische Frankfurt-Postkartenmotiv. Aus dieser Blickrichtung ballen sich die Hochhaustürme besonders imposant. Die Skyline wirkt von dort wie eine dichte, fast geschlossene Wand.

          Bisher ragte der Commerzbank-Tower wie eine Rakete an der Abschussrampe aus dieser Szene. Doch mit seiner Dominanz wird es bald vorbei sein. Der im Europaviertel geplante Millennium-Tower schickt sich an, der neue Spitzenreiter in der Frankfurter Stadtkrone zu werden. Künftig werden mit dem Millennium-Tower links und dem Commerzbank-Tower rechts zwei Masten den klassischen Skylineblick prägen. Die anderen Türme dazwischen werden wie unterschiedlich große Kleidungsstücke wirken, die ein Riese an einer Wäscheleine zwischen zwei langen Stangen aufgehängt hat.

          Der rund 300 Meter hohe Millennium-Tower wird die Frankfurter Skyline fundamental verändern. Dass er überhaupt gebaut wird, ist aus mehreren Gründen wahrscheinlich. Der Ei­gentümer des Baugrundstücks, CA Immo, ist ein konservativer Bauherr, der in Frankfurt schon viel Erfahrung gesammelt hat. Im Europaviertel, wo auch der Millennium-Tower stehen soll, wurden der Tower 185 und der Bü­roturm One erfolgreich realisiert, und zwar nicht spekulativ ohne Vorvermietung, sondern erst, als Ankermieter für die beiden Türme gefunden waren. Die schiere Höhe des Millennium-Towers wird die Suche nach Mietern er­leichtern. Es gibt genug Unternehmen, denen die Adresse „höchstes Hochhaus der Republik“ gerade gut genug sein wird. Zumal der Turm wohl erst 2030 auf den Markt kommen wird. In dieser Marktphase wird das Angebot konkurrenzlos sein. Der Turm wird dann auf dem Stand der Technik sein und mehr Komfort bieten, als es ältere Türme können.

          Die Finanzierung des Vorhabens wird durch die lange Niedrigzinsphase erleichtert. Investoren suchen händeringend nach Anlagemöglichkeiten, und der Frankfurter Immobilienmarkt gilt als sicherer Hafen. Unklar ist, ob der ebenfalls zu dem Projekt zählende, aber niedrigere Wohnturm, den die CA Immo nicht selbst errichten wird, auf eine hinreichend große Nachfrage stoßen wird. Der Markt für Luxuswohnungen im Hochhaus scheint in Frankfurt fürs Erste gesättigt. Aber auch das könnte 2030 schon wieder anderes sein. Diese Überlegungen werden CA Immo dazu bewogen haben, den Ar­chitekturwettbewerb jetzt auszuloben. Ein Bauherr macht so etwas nicht oh­ne Grund. Gut möglich, dass sein Mut belohnt wird.

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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